Der "Schatz" vom Königssee

16-Jährige findet rätselhaften Goldbarren beim Baden

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Prächtiger Goldbarren vor prächtigem Watzmann: Die eingravierte Nummer ist abgekratzt, das könnte auf versenktes Diebesgut hinweise.

Schönau am Königssee - Eine 16-Jährige plantscht im Königssee und hält plötzlich echtes Gold in den Händen. Wert: 16.000 Euro. Die Polizei steht vor einem Rätsel, eine Spur gibt es aber schon.

Ihr Urlaub in Bayern dürfte ihr wohl noch eine ganze Weile in Erinnerung bleiben. Eine 16-Jährige aus Nordrhein-Westfalen ist beim Baden im Königssee auf etwas gestoßen, das Polizei und Landeskriminalamt wohl noch mehrere Wochen beschäftigen wird. Sie entdeckte in rund zwei Metern Tiefe nahe des Ufers einen 500 Gramm schweren Goldbarren. Noch am selben Tag hat sie das kreditkartengroße Goldstück bei der Polizeidienststelle in Berchtesgaden abgegeben, berichtet Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. „Das ist wirklich bemerkenswert“, sagt er. Mit ehrlichen Findern hat es die Polizei erfreulicherweise immer wieder zu tun, berichtet er. Aber er könne sich nicht daran erinnern, dass einmal jemand einen Goldbarren abgeliefert habe. Er hat einen Wert von rund 16 000 Euro.

Der Goldschatz aus dem Königssee beschäftigt die bayerische Polizei bereits seit vergangenen Freitag. Profi-Taucher haben den gesamten Königssee Zentimeter für Zentimeter nach weiteren Goldbarren oder Wertgegenständen abgesucht – aber nichts gefunden. „Es hätte sein können, dass Diebesgut im Wasser versenkt worden ist“, sagt Sonntag. Inzwischen ist sich die Polizei sicher, dass nur der eine Goldbarren im See lag. „Wenn unsere Spezialisten dort nichts finden, wird auch niemand anders etwas finden“, ist der Polizeisprecher überzeugt. Trotzdem will die Polizei vermeiden, dass im Berchtesgadener Land der Goldrausch ausbricht. Deshalb ist das Tauchen im See vorerst verboten. Die Wasserwacht ist informiert, auch die Polizei wird die kommenden Tage verstärkt vor Ort sein.

Sicher ist: Das Gold vom Königssee ist echt

Sicher ist bereits, dass es sich um echtes Gold handelt. Die Polizei versucht nun zu klären, wie es in den See unterhalb des Watzmanns kam. Die eingravierte Nummer, die gewöhnlich Auskünfte über die Herkunft von Gold liefert, ist abgekratzt. Das ist laut Sonntag ein Hinweis darauf, dass es sich um Diebesgut handeln könnte. „Es liegt nahe – sicher können wir es bisher aber noch nicht sagen.“ Auch das Landeskriminalamt ist inzwischen eingeschaltet. „Wir prüfen nun alle Straftaten und Einbrüche, bei denen Gold im Spiel ist“, sagt Sonntag. Bisher gibt es allerdings noch keine Spur. „Die Ermittlungen werden wohl noch mehrere Wochen dauern.“

Sollte sich nicht klären lassen, woher das Gold stammt, wird es an das örtliche Fundbüro weitergegeben. Sollte sich binnen eines halben Jahres niemand melden, hätte die Finderin gesetzlich Anspruch auf den 16 000-Euro-Goldbarren. Allerdings ist sich Stefan Sonntag nicht sicher, ob dieses Recht auch bei so wertvollen Fundstücken gilt. „Das liegt dann im Ermessen der Gemeinde Berchtesgaden“, sagt er. Sollte sich herausstellen, dass das Gold von einer Straftat stammt, hat die 16-Jährige nicht einmal Anspruch auf Finderlohn. „Dann werden wir allerdings sicher einen anderen Weg finden, ihre Ehrlichkeit zu honorieren“, sagt Sonntag.

Katrin Woitsch

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