Stefan Schneiders neuer Job in Bergen

Bergwacht-Sprecher wird Bürgermeister

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Vom Riesending ins Bürgermeisterbüro in Bergen: Stefan Schneider (l.).

Bergen - Stefan Schneider war da, als seine Bergwacht benötigt wurde, weil ein Forscher in der Höhle Riesending verunglückt war. Jetzt hat er aber noch einen weiteren Job.

Und Stefan Schneider, stellvertretender Vorsitzender der Bergwacht Bayern, wird auch weiterhin zur Stelle sein, wenn der Alarm-Piepser losgeht. Daran ändert auch nichts, dass der 52-Jährige am Sonntag mit klarer Mehrheit zum hauptamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Bergen im Chiemgau gewählt wurde.

Die 59,0 Prozent, die er im ersten Wahlgang erreichte, sind bemerkenswert, weil Stefan Schneider für die Grünen antrat. Da hat wohl mancher seiner Wähler an Sepp Daxenberger gedacht, der von 1996 bis 2008 Bürgermeister von Waging am See war. „Es ist eine unglaubliche Ehre, mit ihm verglichen zu werden“, sagt das neue Ortsoberhaupt von Bergen, als Schneider von der tz auf den ersten grünen Bürgermeister in Bayern angesprochen wird. „Das war ein Ausnahmemensch.“

Stefan Schneider sieht seine neue Aufgabe, in die er in einer Gemeideratssitzung am 20. November eingeführt werden wird, pragmatisch. Statt als Projekt- und Teammanager – was er 28 Jahre lang war – in der Brauerei- und Lebensmittelbranche Großprojekte zu betreuen, führt er nun eine Gemeinde mit knapp 5000 Einwohnern. Hier wie dort sei Teamarbeit notwendig, hier wie dort gelten die Leitlinien „Qualität, Kosten, Termine“.

Nun steht die Sanierung der Kläranlage an, das Kanalnetz bedarf einer Erneuerung und um den Hochwasserschutz müsse er sich kümmern. Ganz ins kalte Wasser muss Stefan Schneider nicht springen: Er hatte bereits seit Juli den erkrankten Vorgänger Josef Schweiger (dem er bei der Wahl im März um gerade mal elf Stimmen unterlegen war) als Ersten Bürgermeister vertreten. Dessen Rücktritt hatte nun die Neuwahl nötig gemacht.

Zeit für die Bergwacht soll aber weiterhin bleiben. „Wenn die mich brauchen, stehe ich zur Verfügung“, sagt Stefan Schneider. Es muss ja nicht immer ein Riesending sein …

Volker Pfau

Riesending

Bis Pfingstsonntag 2014 wussten nur Experten, was es mit dem Riesending im Untersberg auf sich hat. Doch dann verunglückte in fast 1000 Meter Tiefe und über 6,5 Kilometer vom Einstieg entfernt Johann Westhauser (52) in Deutschlands tiefster und längster Höhle. Ein Brocken traf den Höhlenforscher am Kopf, Westhauser erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Ein Begleiter blieb bei ihm, ein zweiter stieg auf, um Hilfe zu holen. Es folgte eine spektakuläre Rettungsaktion. An Fronleichnam, elf Tage und zehn Stunden nach dem Unfall, erblickte der Forscher wieder das Tageslicht.

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