Schwere Vorwürfe gegen Mixa - Bistum dementiert

Vorwürfe gegen den augsburger Bischof Walter Mixa.

Augsburg - Fünf ehemalige Heimkinder erheben laut einem Zeitungsbericht Vorwürfe gegen den Augsburger Bischof Walter Mixa. Das Bistum Augsburg bezeichnete die Vorwürfe als "absurd und unwahr".

Erstmals ist in Deutschland ein amtierender Bischof von Misshandlungsvorwürfen betroffen. Der Augsburger Bischof Walter Mixa soll nach einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung“ in seiner Zeit als Stadtpfarrer (1975-1996) im oberbayerischen Schrobenhausen Mädchen und Jungen wiederholt geschlagen haben. Das Augsburger Ordinariat wies die Vorwürfe am Mittwoch zurück.

Chronologie der Missbrauchsfälle

28. Januar 2010 - Bistum Berlin: Am Berliner Canisius-Kolleg der Jesuiten werden erste Verdachtsfälle bekannt, es folgen Dutzende weitere. © dpa
1. Februar - Bistum Hamburg: Ehemalige Schüler von Sankt Ansgar in Hamburg geben an, Opfer eines Jesuiten-Paters geworden zu sein. © dpa
1. Februar - Bistum Freiburg: Ein zuvor in Berlin tätiger Lehrer soll auch am Jesuiten-Kolleg St. Blasien Schüler missbraucht haben. © dpa
1. Februar - Bistum Hildesheim: Vorwürfe gegen Pater in Hildesheim und Göttingen werden bekannt, es folgen Fälle in Hannover. Im Bild: Die Basilika in Hannover, in der Regionaldechant Propst Martin Tenge eine Erklärung von Bischof Norbert Trelle zu den Missbrauchsfällen durch Jesuiten-Pater verliest. © dpa
5. Februar - Bistum Köln: Es wird erstmals über Missbrauchsfälle am Bonner Aloisius-Kolleg berichtet. Im Bild: Eine Nachtaufnahme des Kölner Doms. © dpa
9. Februar - Bistum Aachen: Ein Sonderbeauftragter der Kirche ermittelt nach Missbrauchs-Anschuldigungen gegen zwei Priester. Im Bild: Der Dom von Aachen © dpa
12. Februar - Bistum Paderborn: Die Kirche bestätigt, dass Geistliche in Werl Kinder missbraucht haben sollen. Im Bild: Die Gau-Kirche der Liborius Pfarrei im Bistum Paderborn © dpa
19. Februar - Bistum Mainz: Am Internat Biesdorf der Missionare von der Heiligen Familie wird Missbrauch durch einen Ordensmann bekannt. Im Bild: Der Mainzer Dom im nächtlichen Nebel © dpa
21. Februar - Bistum Augsburg: Gegen Mitarbeiter des ehemaligen Heims der Salesianer Don Bosco in Augsburg gibt es Missbrauchsvorwürfe. © dpa
21. Februar - Bistum Rottenburg: In Oggelsbeuren soll es in einem Kinderheim der Vinzentinerinnen Missbrauchsfälle gegeben haben. Im Bild: Gebäude der Stiftung Liebenau im Bistum Rottenburg © dpa
21. Februar - Bistum Essen: Frühere Mitarbeiter der Behinderten- Einrichtung Franz-Sales-Haus Essen sollen Zöglinge missbraucht haben. Im Bild: Ein Gottesdienst im Dom in Essen © dpa
22. Februar - Bistum München: Der Leiter der Schule im oberbayerischen Benediktinerkloster Ettal räumt Missbrauchsfälle ein. © dpa
22. Februar - Bistum Würzburg: Nach Missbrauchsvorwürfen wird ein Priester im Würzburger Franziskanerkloster beurlaubt. Im Bild: Der Turm der Neubau-Kirche in Würzburg © dpa
23. Februar - Bistum Speyer: Ein Pater soll am Gymnasium Johanneum in Homburg/Saar sexuelle Handlungen an Jungen vorgenommen haben. Im Bild: Der Dom zu Speyer © dpa
28. Februar - Bistum Münster: Ein Pater in Münster-Hiltrup gesteht den sexuellen Missbrauch an Internatsschülern. Im Bild: Die Sankt Clemens-Kirche in Münster-Hiltrup © dpa
3. März - Bistum Limburg: Mehrere Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester werden bekannt. Im Bild: Gottesdienst im Georgs-Dom in Limburg © dpa
4. März - Bistum Fulda: Verdachtsfälle betreffen einen Priester und einen kirchlichen Mitarbeiter. Im Bild: Der Dom in Fulda mit Schildern im Vordergrund © dpa
4. März - Bistum Regensburg: Nach Mitteilung des Bistums hatte es auch Fälle bei dem weltberühmten Knabenchor Regensburger Domspatzen gegeben. Im Bild: Ein Konzert der Regensburger Domspatzen in der Sacred Heart Cathedral in Pretoria. © dpa

Die Behauptungen seien “absurd, unwahr und offenbar in der Absicht erfunden, den heutigen Bischof von Augsburg persönlich zu diffamieren“, hieß es in einer Erklärung des Bistums. Mixa habe in seinen jeweiligen Wirkungsbereichen “zu keinem Zeitpunkt körperliche Gewalt gegen Kinder oder Jugendliche angewendet“, hieß es. Das Bistum dementiere alle Anschuldigungen und behalte sich zivil- und strafrechtliche Schritte vor.

Grünen-Chefin Claudia Roth forderte eine “lückenlose Aufklärung“ der Vorwürfe gegen den Bischof. Sie verlangte nach Angaben ihrer Partei eine externe und unabhängige Aufklärung, um den Opfern Sicherheit zu geben. Sie dürften im Aufklärungsverfahren nicht Drohungen ausgesetzt werden. Bayerns SPD-Chef Florian Pronold forderte Mixa auf, die Vorwürfe glaubhaft zu entkräften. Die Kirche müsse ihnen mit Belegen entgegentreten oder Missstände offenlegen.

Nach “SZ“-Angaben liegen dem Blatt eidesstattliche Erklärungen Betroffener über Ohrfeigen, Fausthiebe und Schläge auf das Gesäß vor, durch die auch Blutergüsse verursacht worden sein sollen. Zu den Züchtigungen soll es vorwiegend vor über 30 Jahren in einem von Nonnen geleiteten Kinderheim in Schrobenhausen gekommen sein. Eine heute 47 Jahre alte Frau aus Augsburg bestätigte der Nachrichtenagentur dpa, dass Mixa sie wiederholt geschlagen habe, auch in der Öffentlichkeit.

Sie sei als Mädchen von dem damaligen Stadtpfarrer in dem Kinderheim in Schrobenhausen mehrmals geprügelt worden. “Das waren Schläge mit der flachen Hand und Faust ins Gesicht.“ Einmal habe Mixa sie so heftig ins Gesicht geschlagen, dass sie in ihr Bett gefallen sei. Ein anderes Mal sei sie als 14-Jährige mit einer Zigarette Mixa auf der Straße begegnet. Der habe ihr deshalb eine so kräftige Ohrfeige verpasst, dass ihr die Zigarette aus dem Mund gefallen sei.

“Der hat mir volle Kanne eine mitgegeben“, erzählte die Frau. Vier damaligen Freundinnen sei es ähnlich ergangen. “Immer wenn wir unartig waren, haben uns die Nonnen mit dem Stadtpfarrer gedroht.“ Auf den Einwand, Mixa bezeichne diese Angaben als unwahr und erfunden, sagte die in Augsburg lebende Frau: “Das stimmt, ich stehe dazu und werde das auch vor Gericht bestätigen.“

dpa

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