Berlin-Flucht rettete Stoibers Ehe

Hatten um 2005 angeblich Eheprobleme: Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber und seine Frau Karin.
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Hatten um 2005 angeblich Eheprobleme: Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber und seine Frau Karin.

In seinem Buch „Edmund Stoiber. Aufstieg und Fall“ will Rudolf Erhard, Vorsitzender der Bayerischen Landtagspresse, die wahren Beweggründe der bis heute rätselhaften Flucht des Beinahe-Superministers Stoiber nach der Wahl 2005 aus Berlin offenlegen. Unter anderem hing wohl seine Ehe davon ab.

Rudolf Erhard (57), der Vorsitzende der Bayerischen Landtagspresse, wuchs wie Edmund Stoiber in Oberaudorf auf. Seit 26 Jahren beobachtet er den Ex-CSU-Ministerpräsidenten als Landtagskorrespondent des Bayerischen Rundfunks aus nächster Nähe. In seinem Buch „Edmund Stoiber. Aufstieg und Fall“ will Erhard nun die wahren Beweggründe der bis heute rätselhaften Flucht des Beinahe-Superministers Stoiber nach der Wahl 2005 aus Berlin offenlegen: Da war zum einen der Streit mit Angela Merkel. Da waren aber auch Gerüchte über eine außer­eheliche Affäre, die Stoiber veranlassten, in München zu bleiben, so der BR-Hörfunkjournalist. So wollte der Ex-CSU-Chef seine Ehe retten…

Wie kam es zu Stoibers tiefem Fall?

Rudolf Erhard: Wir saßen im Mai 2007 im Zirbelstüberl der Staatskanzlei, als ich Stoiber gefragt habe: Jetzt sagen Sie mir endlich: Warum sind Sie aus Berlin zurückgekehrt? Da hat er mir geantwortet: „Auf Angela Merkel war kein Verlass. Und meine Ehe war nach 40 Jahren in Gefahr.“ Diesen beiden Punkten bin ich dann nachgegangen. Zum ersten Punkt: Er hat sich mit Merkel nie gut verstanden, die Kanzlerin hat es gewurmt, dass er öffentlich gesagt hatte: „Die kann es nicht“ – und da hat sie ihn in Berlin klassisch ausgepunktet. Merkel führte Stoiber am Gängelband durch die Arena. Und er hat gemerkt: Er ist Merkel nicht gewachsen.

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Und was ist mit Stoibers Ehe?

Wenn ein Politiker sagt, meine Ehe ist nach 40 Jahren in Gefahr, meine Frau wäre nicht mit mir nach Berlin gegangen, dann kann man das nicht so einfach stehen lassen. Denn welcher Politiker kann erwarten, dass seine Frau ihm folgt, wenn er übergangsweise ein Amt in Berlin übernimmt? Kaum eine Ehefrau eines nach Berlin versetzten Politikers geht mit!

Was steckt dann also ihrer Meinung nach wirklich dahinter?

In der Partei kursierten Gerüchte über eine außereheliche Affäre in Berlin. Diesen Gerüchten bin ich bis zu einer gewissen Grenze nachgegangen, denn das Private wollte ich respektieren. Für mich war die Tatsache viel aufschlussreicher, dass über Edmund Stoiber überhaupt solche Gerüchte im Umlauf waren, es gebe eine Versuchung in Berlin in Gestalt einer CSU-Bundestagsabgeordneten, mit der er öfter beim Essen gesehen worden sein soll. Das wurde Karin Stoiber zugetragen – und die war natürlich entsetzt und empört. Es wurden mir aus der CSU noch viele andere Gerüchte über diese Eheprobleme zugetragen, die ich aber in meinem Buch nicht ausbreite. Denn: Das Volk liebt den Verrat, aber nicht den Verräter.

Haben Sie Stoiber auf diese Gerüchte angesprochen?

Nein, die Peinlichkeit wollte ich ihm ersparen. Aber er wusste natürlich, was über ihn erzählt wurde.

Ist es nicht journalistisch fragwürdig, solche Gerüchte, die ja überall herumgeisterten, öffentlich zu machen?

Die Gerüchte waren doch schon öffentlich! Ich habe mit 40 Leuten gesprochen – und jeder wusste von diesen Geschichten über Streit zwischen Edmund und Karin Stoiber vor Zeugen, über andere Vorkommnisse. Das es zwischen den beiden nicht mehr stimmte, war nach Außen hin sichtbar. Entscheidend war für mich, dass hier private Motive politisches Handeln beeinflussten: Stoibers Rückkehr aus Berlin war der Knackpunkt, an dem er in den Augen der Partei und der Bevölkerung an Ansehen verloren hatte. Ich glaube, ich habe diese privaten Aspekte sehr zurückhaltend und elegant in meinem Buch beschrieben.

Fürchten Sie rechtliche Schritte Stoibers?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Stoiber hier eine rechtliche Handhabe hat. Stoiber musste zwar als Staatskanzlei-Chef unter Strauß kritische Journalisten hartnäckig verfolgen. Aber seit Stoiber selbst Ministerpräsident war, hat er nie versucht, gleich die ganz große Keule rauszuholen.

Wie groß ist Stoibers Macht in der CSU noch?

Er hatte die Macht, vor allem in der personell schwach aufgestellten Oberbayern-CSU, Huber und Beckstein zu stürzen. Nur hat er durch dieses Herumfingern im Hintergrund seinem Ansehen in der Partei geschadet. Das haben die mehr als vereinzelten Pfiffe gegen den Ehrenvorsitzenden auf dem CSU-Sonderparteitag bewiesen.

Was wird in der Geschichte von Stoiber übrig bleiben?

Keiner hat Bayern so vorangebracht wie Edmund Stoiber. Doch mit diesem Mobbing gegen Beckstein hat er sein beachtliches Lebenswerk beschädigt. Stoiber hat am Ende seiner Regierungszeit, beginnend nach der Landtagswahl 2003, nicht mehr Rücksicht genommen auf die Basis, die ihn trägt. Doch ohne Rückhalt in der Partei und in der Bevölkerung ist auch der Mächtigste am Ende machtlos – das ist lehrbuchhaft an Edmund Stoibers Aufstieg und Fall zu sehen.

Angesichts der CSU-Schwäche: Gibt es eine Stoiber-Sehnsucht der Bayern?

Die Leute sagen, wir bräuchten wieder einen wie diesen Stoiber, einen, der so brennt für die Politik. Aber die Leute wollen nicht mehr diese Arroganz der Macht, dieses fast unmenschliche Arbeitstier, diesen Polit-Junkie.

Interview: Klaus Rimpel

Quelle: tz

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