Opfer leidet an psychischen Problemen

Billardstock-Attacke: Murnauer Brüder zu Haftstrafen verurteilt

Der Prozess hat sich gezogen. Doch jetzt gibt es ein Urteil. Zwei Brüder aus Murnau wurden am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen wegen einer Attacke mit einem Billardqueue zu Haftstrafen verurteilt.

Murnau – Der Mann ist arbeitsunfähig. Fast täglich ist er in psychiatrischer Behandlung. Um schlafen zu können, nimmt er Medikamente. Der Schlag mit einem Billardstock, den er am 12. November 2016 in einer Murnauer Spielothek abbekam, hat den 37-jährigen Ortsbewohner ziemlich aus der Bahn geworfen. „Das war ein schwerer Einschnitt in seinem Leben“, betonte sein Rechtsanwalt Peter Hohlweg am vierten Verhandlungstag am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen. Der 37-Jährige trat in dem Prozess, in dem es um gefährliche Körperverletzung ging, als Nebenkläger auf.

Angeklagt waren zwei Brüder, 46 und 56 Jahre alt, ebenfalls aus Murnau. Der Ältere soll dem erwähnten 37-Jährigen in einer Spielhalle einen Queue über den Kopf gezogen haben, sodass der Stock in drei Teile zersprang. Der jüngere der beiden Angeklagten soll den Mann dabei an den Händen gehalten haben. Der 56-Jährige gestand die Tat gleich zu Beginn des Prozesses, sein Bruder will erst dazu gekommen sein, als die Attacke schon vorüber war.

Staatsanwalt fordert: Strafe ohne Bewährung

Das Ganze hatte ein Vorspiel in einer Murnauer Diskothek. Dort war der 46-Jährige als Gast am 9. Oktober 2016 mit dem 37-Jährigen aneinandergeraten. Dieser ist in dem Club als Türsteher tätig. Der 46-Jährige saß an einem reservierten Platz und wollte nicht gehen, als er dazu aufgefordert wurde. Er soll den Geschädigten dann am Hals gepackt sowie mehrere Hiebe in die Rippen verpasst haben.

Am vierten Verhandlungstag sagte ein anderer, weiblicher Gast aus. Wer mit der Rangelei begonnen hatte, vermochte sie nicht zu sagen. Gegenüber der Polizei hatte sie vor einem guten Jahr angegeben, der 46-Jährige „hat angefangen Stress zu machen“. Er wurde letztlich aus der Diskothek geworfen. Der Hieb mit dem Billardstock vier Wochen später soll angeblich aus Rache geschehen sein.

Staatsanwalt Dominik Klauck sah die Vorwürfe als erwiesen an. Daher plädierte er dafür, den Jüngeren wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung sowie versuchter Nötigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren zu verurteilen. Beim 56-jährigen Angeklagten betrachtete er ein Jahr und sieben Monate als angemessen. Die Strafen zur Bewährung auszusetzen, sei der Bevölkerung nicht zu vermitteln, und zwar wegen der massiven Verletzungen, betonte Klauck.

Der Vertreter des Nebenklägers sprach von „gefährlicher Körperverletzung der übelsten Art“. Die beiden Brüder hätten „ohne Rücksicht auf Verluste“ zusammengewirkt. Aus Rache seien sie planvoll, hinterhältig und mit brutaler Gewalt vorgegangen.

Das letzte Wort ist wohl noch nicht gesprochen

Rüdiger Imgart, Anwalt des jüngeren Angeklagten, sah es anders. Von einem planmäßigen Racheakt könne nicht die Rede sein. „Die Hauptverhandlung hat nicht ergeben, dass eine Absprache erfolgt ist.“ Der Vorfall in der Diskothek sei zudem „nicht so dramatisch“ gewesen, „wie es der Geschädigte darstellt“. Imgart hielt für seinen Mandanten eine Geldauflage von 90 Tagessätzen à 30 Euro für angemessen.

Auch Christian Schulvater, Anwalt des älteren Angeklagten, vertrat die Meinung, dass eine Absprache „nicht konkret bewiesen“ sei. Er plädierte für eine Geldstrafe.

Das war mit Richter Andreas Pfisterer nicht zu machen. Er verhängte Freiheitsstrafen. Der 46-Jährige bekam zwei Jahre und vier Monate, sein Bruder zwei Jahre. Dass ihr Opfer seinen Beruf derzeit nicht ausüben kann und fortlaufend ins psychiatrischer Behandlung ist – „das sind die verheerenden Folgen“ der Attacke, „die die beiden zu verantworten haben“. Sie hätten gemeinschaftlich gehandelt. „Es reicht eine kurze Verständigung, auch nonverbal.“ Der Ältere sei dabei „mit äußerster Brutalität“ vorgegangen. Er habe den Queue „voll durchgezogen“. Beide Angeklagte „können von Glück sagen, dass keine schweren körperlichen Schäden“ bei dem Türsteher eingetreten sind. Der Schlag hatte unter anderem eine sieben Zentimeter lange Risswunde am Kopf verursacht, die aber verheilt ist. Geblieben sind die psychischen Probleme.

Das letzte Wort ist wohl noch nicht gesprochen. Imgart und Schulvater kündigten an, in Berufung zu gehen.

Roland Lory19

Rubriklistenbild: © dpa

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