Tragische Hintergründe

Blutbad mit Machete: Prozess

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Daniel H. (links oben) überfiel in Spielmannsau im Trettachtal zwei Unterkünfte, die seine Angehörigen betreiben. Er soll wegen seiner Erkrankung eingewiesen werden, ein Geständnis widerrief er gestern im Prozess

Spielmannsau - Ein 23-jähriger Allgäuer versuchte im März, drei Verwandte mit einer Machete umzubringen. Beim Prozessauftakt kamen die tragischen Hintergründe ans Licht:

Es waren Szenen wie aus dem Horrorfilm, die sich in dem ebenso einsamen wie idyllischen Weiler im Allgäu abspielten: Daniel H. (24) jagte dort die eigene Familie mit einer Machete durchs Haus und richtete ein Blutbad an – weil er den Bruder, Cousin und Onkel als Teil einer Verschwörung ansah.

Beim Prozessauftakt wegen versuchten Totschlags in Kempten kamen am Dienstag die tragischen Hintergründe ans Licht: Daniel H. ist ein Sohn aus gutem Hause. Doch seit 2014 begann er zu fantasieren. „Daran waren Drogen schuld“, sagte Vater Dieter H. (62) aus. Er strengte eine Betreuung an, aus der er jedoch nach wenigen Monaten entlassen wurde. Ein verhängnisvoller Fehler.

Daniel H. nahm am 28. Februar den Zug nach Oberstdorf und marschierte von dort rauf nach Spielmanns­au, wo sein Onkel Matthias G. (27) das Mountain Hostel betreibt. In der Scheune bewaffnete er sich mit einer Machete, bevor er sich gegen 21.30 Uhr Zugang zum Haus verschaffte. Mit den Worten „Ihr wisst ja, warum wir alle hier sind und was jetzt passiert“, betrat er das Wohnzimmer. „Er holte aus und schlug in Tötungsabsicht auf seinen Bruder ein“, so Staatsanwalt Bernhard Menzel.

Onkel Matthias G. und die anderen ergriffen die Flucht: „Wir haben die Wohnzimmertür zugehalten, doch er kam über den Balkon. Während des Rennens ergriff ich einen Eishacker und schlug nach ihm. Da zertrümmerte er mir die Schulter.“

Sein Geständnis widerrief Daniel H. gestern. Er habe nicht in Tötungsabsicht gehandelt, er habe Bruder und Cousin am Weglaufen hindern und misshandeln wollen – weil sie Teil einer kriminellen Organisation seien. Weil ihn der Staatsanwalt weiter für gemeingefährlich hält, soll er in die Psychiatrie eingewiesen werden. Genau dieses Urteil sprach dann auch das Gericht.

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