Rätselraten um Motiv von Raimund H.

Die Blutspur von Ingolstadt

+
Auf diesem Treppenaufgang richtete sich Raimund H. selbst.

Ingolstadt - Das Blut-Drama von Ingolstadt stellt die Ermittler vor viele ungelöste Fragen? Warum rastete Raimund H. aus und tötete erst den Ex-Mann seiner Frau und dann sich selbst?

Vor gut einer Woche war es, als sich Raimund H. aus Großmehring wegen Busengrapschens verantworten musste. Er soll eine 17-Jährige aus seinem Ort angegangen haben – die Sache endete für den 43-jährigen Familienvater mit einem astreinen Freispruch. Doch was sich am Sonntagabend um den Mann aus dem Kreis Eichstätt ereignete, stellt die Ermittler auch wegen des Freispruchs vor ein Rätsel: Der mit schwerkalibrigen Waffen – Pistole und Revolver – bewaffnete Raimund H. schoss zunächst der Mutter (37) der Jugendlichen vor die Füße. Dann fuhr er mit seinem VW-Bus in den Ingolstädter Stadtteil Ringsee und erschoss den Ex-Mann seiner Frau – Albert R. (48). Schließlich raste er zum Polizeipräsidium Oberbayern Nord an der Esplanade und richtete sich vor den Augen zweier Beamter (tz berichtete).

Raimund H. – seine Person passt so gar nicht zu seinen Blutttaten vom Sonntag. Der Sportschütze, Jäger, gelernte Elektroniker und zuletzt Mitarbeiter einer Security-Firma, wo er bei Großveranstaltungen auch mal über den Ordnungsdienst wachte, galt als besonnener Mensch. Vor drei Jahren war er in das Haus in Großmehring eingezogen, mit seiner Frau und deren Töchtern aus erster Ehe. Was damals als einziges auffiel: Der Neubürger brachte ziemlich viele Waffen aller Art mit, Gewehre, auch Handfeuerwaffen. Aber warum auch nicht – er durfte sie schließlich legal führen.

Vier mysteriöse Gewaltverbrechen erschüttern Ingolstadt

Vier mysteriöse Gewaltverbrechen erschüttern Ingolstadt

Währenddessen hatte Albert R., Schichtarbeiter bei Audi, seiner zweiten Frau und dem Sohn ein wunderbares Heim mit einem großen Garten geschaffen. Gedacht war alles eigentlich für seine erste Familie, doch kurz nach der Fertigstellung folgte die überraschende Trennung. Das war in etwa vor zehn Jahren. Trotz dieser Entwicklung im Privatleben blieb der Bertl so, wie ihn die Nachbarn immer gekannt hatten – ein zuvorkommender, freundlicher und hilfsbereiter Mensch.

Warum nur wurde er nun so grausam getötet – von dem Mann seiner Ex? In etwa bekannt ist der Ablauf der Tat: Nachdem Raimund H. der Mutter der 17-Jährigen vor die Füße geschossen hat, fährt er in seinem VW-Bus in die Klein-Salvator-Straße, wo Albert R. wohnt. Dort klingelt er, im Haus trifft er auf den Hausherrn. Es kommt zum Streit. Nachbarn hören Schüsse, „eigentlich eher dumpfes Knallen“, sagt eine Frau. Die Zahl der Schüsse variiert, von bis zu sieben ist die Rede. Tödlich getroffen sinkt das Opfer zu Boden. Die zweite Frau von Albert R. wird verschont. Sie muss aber mitansehen, wie ihr geliebter Mann stirbt.

Jetzt setzt sich Raimund H. in den Bus und fährt vors Polizeigebäude, wo neben der Inspektion auch das Präsidium Oberbayern Nord und die Kripo untergebracht sind. Noch während die Polizei zum Tatort im Stadtteil Ringsee unterwegs ist, geht der Mann Richtung Wache. Er feuert einen Schuss auf die versperrte Tür zum Treppenhaus ab. Irgendwie schafft er es, so Zugang in den Sicherheitsbereich zu erlangen. Hier trifft er auf zwei Beamte, die den Schützen auffordern, seine Waffe fallen zu lassen. Es kommt zu einem kurzen Wortwechsel, dann jagt sich der Mann mit dem großkalibrigen Revolver eine Kugel in den Kopf.

Am Montag ging die Aufarbeitung des Dramas weiter. Im Haus des Todesschützen fanden sich 20 Schusswaffen, darunter 15 Gewehre. Die Ermittler stehen ob des Motivs der Wahnsinnstat noch vor einem Rätsel.

Zurück bleiben aber zwei Witwen, und Kinder, die ihre Väter verloren haben.

mc/age

auch interessant

Meistgelesen

Ex-Ski-Star schwer gestürzt: „Ich hatte einen großen Schutzengel“
Ex-Ski-Star schwer gestürzt: „Ich hatte einen großen Schutzengel“
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt
Mutter des WM-Mörders: "Er tötet mich, wenn er rauskommt"
Mutter des WM-Mörders: "Er tötet mich, wenn er rauskommt"

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion