Stiller Protest gegen Gewalt

Reichenhaller gedenken der Opfer der Bluttat

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Ein Meer aus Kerzen haben die Reichenhaller am Rathausplatz für die beiden Opfer der Bluttat, die in der Nacht des WM-Finales die Stadt erschütterte, aufgestellt.

Bad Reichenhall - Eine Stadt trauert: Am Dienstagabend haben sich in Bad Reichenhall zahlreiche Bürger getroffen, um den beiden Opfern der Bluttat zu gedenken, die die Stadt in der Nacht des WM-Finales erschütterte.

Der große Brunnen auf dem Rathausplatz leuchtet am Dienstagabend. Die Bad Reichenhaller haben hunderte Kerzen angezündet. Ein stilles Zeichen. Für Mitgefühl, für Zusammenhalt. Gegen Gewalt. Sie stehen gemeinsam vor dem Lichtermeer und beten das Vater Unser. Danach wird es still. In Gedanken sind alle bei den beiden Menschen, die in der Nacht auf Montag brutal überfallen und ausgeraubt worden sind. Ein 73-jähriger Mann wurde so schwer verletzt, dass er noch auf der Straße starb. Eine 17-Jährige liegt noch immer auf der Intensivstation. Beide kannten den Täter nicht. Beide waren Zufallsopfer. Der Mörder ist trotz Großfahndung der Polizei noch immer nicht gefasst.

„Wir möchten den Angehörigen mit dieser Gedenkfeier zeigen, dass sie nicht allein sind“, sagt Markus Eckl. Der 38-jährige Familienvater hat Montagvormittag von den beiden Raubüberfällen erfahren, kurz darauf kam ihm die Idee für das Treffen am Rathausbrunnen. Er schrieb über das soziale Netzwerk Facebook eine Nachricht an eine Gruppe von Bad Reichenhaller Bürgern: „Wer wäre dabei, sich heute Abend 21.30 Uhr zum stillen Gedenken der Opfer und als Zeichen gegen Gewalt in Reichenhall mit einer Kerze am Rathausplatz einzufinden?“ Kurze Zeit später hatte er mehr als hundert Zusagen. „Ich war überwältigt von der Resonanz“, sagt er. „Es zeigt, wie groß die Anteilnahme ist. Die Angehörigen der beiden Menschen sind nicht allein. In solchen Momenten wird der Zusammenhalt hier sichtbar.“

In Bad Reichenhall gibt es seit drei Tagen kein anderes Gesprächsthema. Viele Bürger kannten die beiden Opfer. Noch immer können sie nicht glauben, was auf offener Straße passiert ist. Die Polizei hat eine 25-köpfige Sonderkommission gebildet und ermittelt auf Hochtouren. Auch mit Blick auf einen noch ungeklärten Mord, der im Januar Kufstein erschüttert hatte. Dort wurde eine 20-jährige Studentin brutal mit einer Eisenstange erschlagen. Ebenfalls auf offener Straße. „Es gibt noch keine Hinweise, dass es sich um denselben Täter handelt“, sagt Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. „Es ist ein gewöhnlicher Vorgang, dass bei den Ermittlungen nach Parallelen mit anderen Fällen gesucht wird.“

Die Menschen in der Kurstadt hoffen, dass der Mörder bald gefasst ist. Eine Frau schrieb unter den Facebook-Aufruf von Markus Eckl, dass sie gerne zu der Gedenkfeier kommen würde, sich aber im Dunkeln nicht mehr allein auf die Straße traue. Sofort boten Nachbarn an, sie zum Rathausplatz zu begleiten. Der Zusammenhalt ist in diesen Tagen groß in Bad Reichenhall. Die Angst auch.

Katrin Woitsch

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