Ärger und Boykott bei Tölzer Alpenverein

Weihnachtsfeier darf nicht mehr "Weihnachtsfeier" heißen

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Einige bleiben heuer lieber draußen: Die AV-Mitglieder sind sauer, weil der Begriff „Weihnachtsfeier“ gestrichen und durch "Jahresabschlussfeier" ersetzt wurde.

Bad Tölz - Ärger beim Tölzer Alpenverein: Die Mitglieder sind sauer, weil der Begriff „Weihnachtsfeier“ gestrichen und durch "Jahresabschlussfeier" ersetzt wurde. Jetzt bleiben sie der Feier fern.

Seit Jahrzehnten gehen die Senioren des Alpenvereins gemeinsam zum Wandern: jede Woche, bei jedem Wetter. Doch trotz des großen Wir-Gefühls gibt es jetzt Ärger. Stein des Anstoßes ist die Einladung der Tourenleitung zur „Jahresabschlussfeier“ am Mittwoch.

Zwei seit ewigen Zeiten beim Alpenverein aktive Seniorinnen – die über 90-jährigen Elisabeth Weiß und Ingrid Bannier – wollen dem Beisammensein demonstrativ fernbleiben. Sie empfinden es als „albern und beschämend“, dass man die „Weihnachtsfeier“ durch einen neutralen Begriff ersetzt. Ihre Kritik habe Tourenleiter Wilfried Oesterwinter „sturköpfig“ zurückgewiesen.

Beide erinnern sich noch an ihre Jugend, als die Nazis „alles Christliche aus unserem Bewusstsein und unserer Sprache tilgen wollten“. Und die DDR habe das auch so gemacht. „Wenn man jetzt nicht mehr Weihnachtsfeier sagen darf, dann können wir gleich auch die Gipfelkreuze und unsere Bergmesse abschaffen“, sagt Weiß und beklagt: „Bei unseren Wanderführern haben jetzt Zugereiste das Sagen, denen unsere Traditionen nichts wert sind.“

Helmut Kissel, ein Kirchenmann und selbst lange Zeit Wanderführer bei den AV-Senioren, ist mit der „Jahresabschlussfeier“ ebenfalls nicht einverstanden, will die Sache aber „nicht so tragisch“ nehmen: „Ich werde hingehen und meine Meinung sagen“, versichert er. Er sei dafür, dass man „eine klare Haltung zeigen und sich zu den eigenen geistigen Ursprüngen bekennen“ soll. Bei den anderen Vereinen im Tölzer Land seien die christlich geprägten Traditionen noch eine Selbstverständlichkeit.

Für den AV-Vorsitzenden Paul Schenk ist „eine interne Diskussion absolut sinnvoll, aber ein Boykott das falsche Mittel“. Man sollte „froh und dankbar sein, dass es beim Verein noch Ehrenamtliche gibt, die Aufgaben übernehmen“. Schenk spricht sich klar für „Weihnachtsfeier“ aus. Es liege an den werteorientierten Aktiven selbst, dass sie sich mit ihrem Standpunkt nicht unterkriegen lassen.

rbe

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