BR-Doku über MS-Kranke

Diese WG ist ein Traum

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Ein Haus der Hoffnung

Heldering - Mitten in Oberbayern haben sich vier Menschen, die an Multi­pler Sklerose erkrankt sind, mit anderen MS-Patienten auf einem Hof ein Zuhause erschaffen und so einen Traum erfüllt.

Das Bayerische Fernsehen hat die Menschen bei ihrem vierjährigen Kampf um diesen Traum begleitet. Der Dokumentarfilm Ein Haus der Hoffnung wird am Sonntag, 21. Dezember, um 16 Uhr im Dritten Programm gezeigt. BR-Regisseur Peter Giesecke hat eine spannende Geschichte erzählt, wie aus der Idee eine Realität wurde und der Alltag im Lebenstraum, wie sich die WG und das Zuhause nennt, funktioniert.

Es ist Sommer 2009, als sich Sonja Leukel, Petra Meyringer, Toni Altmann und Ulrike Berg in einer Reha­klinik treffen. Alle vier sind an MS erkrankt, und das Leben ist nicht mehr wie vorher. Ihre Berufe mussten sie aufgeben, die Ehen sind gescheitert. Einsamkeit und Perspektivlosigkeit bestimmen den Alltag. Dann haben sie die Idee: „Wir wollen eine Wohngemeinschaft für MS-Kranke gründen.“ Und plötzlich ist da wieder ein Ziel in ihrem Leben.

Kurz darauf machen sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Haus, wo sie mit zehn MS-Patienten leben wollen. Hier soll jeder für den anderen da sein. In Heldering (Kreis Erding) finden sie diesen Hof. Doch zwei Jahre dauert es, bis die Gemeinschaft das Haus zusammen mit der Stiftung Trias kaufen kann. „Es war eine Berg- und Talfahrt, ob man es schafft“, sagt Sonja Leukel im Film. Die Idee sei da gewesen, nur kein Geld. „Doch wir wollten unbedingt dieses gemeinsame Nest, in dem man sich aufgehoben fühlt.“

Der Hof in Heldering, Gemeinde Inning, musste saniert werden, ...

Sonja Leukel hat die Fäden in der Hand, sie wird zur Mutter des Projekts Lebenstraum. Mit dem Kauf des Hofes ist es nicht getan, er muss komplett umgebaut, saniert und an die Bedürfnisse der Bewohner angepasst werden. Nach und nach gelingt es, Spenden zu sammeln. Gleichzeitig kann das Familienministerium überzeugt werden, das Projekt zu unterstützen. Im Sommer 2013 ist endlich genügend Geld für den Umbau gefunden. Doch kaum ist das eine Problem gebannt, kommt schon das nächste: Der Architekt springt ab, schnell muss die Gemeinschaft einen neuen finden.

Derweil wächst in der Gemeinschaft nicht nur die Freude auf das Zuhause. Erste Zweifel kommen auf. Sonja Leukel fragt sich: „Wie wird es, mit so vielen Menschen zusammenzuleben?“ Toni Altmann entschließt sich, nicht einzuziehen. Er will sich um seine Mutter kümmern und zu einem späteren Zeitpunkt nach Heldering kommen. Ulrike Berg aus der Oberpfalz steigt komplett aus. „Ich kann mir nicht vorstellen, nach Oberbayern zu ziehen“, sagt die Jüngste der Gruppe.

... damit er den Bedürfnissen der Erkrankten entspricht.

Nur noch zwei Monate bis zum Umzug. Die Nervosität wächst. Wie wird der Zusammenhalt in der Gruppe? Im Dezember 2013 ist es so weit. Sonja Leukel und Petra Meyeringer aus Regensburg sind die ersten, die einziehen. „Jetzt ist unser Traum Realität geworden.“ Doch es gibt neben der Freude auch Wut, Kämpfe und Anstrengungen. Sonja Leukel muss ihre Rolle als Mutter der Gruppe abgeben. „Ich kann nicht mehr alles machen“, sagt sie. Petra Meyringer muss sich erst da­ran gewöhnen, dass sie nicht mehr alleine ist. Doch aus den Einzelkämpfern wird schließlich eine Gruppe. „Fürs gemeinsame Zusammenleben müssen wir uns noch ein bisschen zusammenfinden“, sagt Sonja.

So sieht der Hof nach der Sanierung aus.

Im Frühling 2014 feiert das Haus Einweihungsfeier. Die Stimmung ist gelöst. Die Idee hat funktioniert. Kleine Kämpfe, Schwierigkeiten gibt es immer noch. Aber für die MS-Kranken ist Heldering ein Zuhause geworden. Sie sind Freunde, Mitbewohner und Familie zugleich. Sonja Leukel sagt: „Mein inneres Gefühl sagt mir, hier habe ich mein Zuhause gefunden.“ Vier Jahre lang haben die vier gekämpft, heute wohnen zehn MS-Kranke auf dem Hof. Es ist zum Haus der Hoffnung geworden.

tz-Stichwort: Multiple Sklerose

Bei multipler Sklerose (MS) handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung, bei der die äußere Schicht der Nervenfasern im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) angegriffen sind. Die Erkrankung, die nicht heilbar, aber beeinflussbar ist, verläuft in Schüben. Erste Symptome können etwa schmerzende Augen sein. Die Ursache für MS ist nicht geklärt,

Antonia Wille

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