500.000 Euro Schaden

Kälber sterben bei Brand in Schongauer Stall

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Die Flammen zerstörten das Gebäude völlig.

Schongau - In der Nacht zum Dienstag ist ein landwirtschaftliches Anwesen in Schongau in Brand geraten. Feuerwehren, Rettungsdienst und Polizei waren im Großeinsatz.

Schreie hallen gegen 1.30 Uhr nachts durch das Seniorenwohnheim in der Lechvorstadt in Schongau. „Brennen tut’s, alles raus aus dem Heim“, tönt es. Ganz erschreckt packen die 20 Bewohner in aller Eile ihre wenigen Habseligkeiten zusammen. „Ich hab’ meinen Geldbeutel und die Schlüssel eingeschoben und bin so schnell wie möglich nach draußen“, schildert Werner Wendlinger die aufregenden Minuten nach dem Brandausbruch.

Zu diesem Zeitpunkt steht das benachbarte landwirtschaftliche Anwesen (das frühere Haindl-Fabrikgut) bereits lichterloh in Flammen. „Es war ein gewaltiger Feuerschein zu sehen“, berichtet Annemarie Holzheu, Mitbewohnerin in der Seniorenwohnanlage. Zuvor hat sie es „brazzeln“ hören und gedacht, es sei ein nächtlicher Regenschauer. Weit gefehlt, es war das Knistern des Feuers im Nachbargebäude

Der Pächter des brennenden Anwesens, Markus Wühr, versuchte zu diesem Zeitpunkt mit Nachbarn, die 46 Rinder aus dem brennenden Stall zu treiben. „Die Kühe wollten durch das offene Tor einfach nicht ins Freie“, so ein fast verzweifelter Wühr. Ihm blieb nichts anderes übrig, als die Tiere in die andere Richtung zu lenken – und zwar über den Melkstand (der Weg dorthin war den Kühen vertraut) und von dort aus dem Gebäude hinaus.

Alarmiert worden waren die Feuerwehren aus Schongau, Peiting, Altenstadt und Herzogsägmühle um 1.22 Uhr nachts. Insgesamt rückten 95 Mann an. Die ersten Löschtrupps nahmen bereits wenige Minuten nach der Alarmierung die Brandbekämpfung auf – und verhinderten somit Schlimmeres.

„Zu diesem Zeitpunkt stand das Anwesen bereits in Vollbrand“, berichtete Einsatzleiter Jürgen Haslinger, der den Schongauer Kommandanten Werner Berchtold (Urlaub) vetrat. Wichtigste Aufgabe war es, die angrenzenden Häuser zu schützen. „Die Hitze war so stark, dass bei Nachbargebäuden Fensterscheiben geborsten sind“, erklärt der Vize-Kommandant. An eine Rettung der vier Kälber im Stall war nicht mehr zu denken. Vier weitere Kälber draußen in Iglus konnten gerettet werden. Zwei Kühe trugen leichte Brandverletzungen davon.

Großalarm herrschte nicht nur bei der Feuerwehr, sondern auch beim BRK, da zunächst eine Umquartierung von 20 Personen aus der Seniorenwohnanlage ins BRK-Haus in Betracht gezogen werden musste. Doch dank des massiven Feuerwehreinsatzes (das Löschwasser wurde aus dem nahen Lech bezogen) konnte die Seniorenwohnanlage vor den Flammen abgeschirmt werden, so dass die älteren Leute später wieder ins Haus zurückkehren konnten.

Anwesen in Schongau steht lichterloh in Flammen

Hof in Schongau steht lichterloh in Flammen

Von dem ehemaligen Fabrikgut sind nur ein verkohltes Balkengerüst und ausgebrannte Stallungen übriggeblieben. Das Objekt war stark einsturzgefährdet, ein gefahrloses Betreten nicht mehr möglich. Die Löscharbeiten dauerten bis in die frühen Morgenstunden. Das Heu –beziehungsweise was davon übrig geblieben ist – musste abgetragen werden, um an alle Glutnester heranzukommen. Auch ein neuwertiger Traktor, der vor dem Stall stand, sowie in der Nähe parkende Autos sind durch die Hitze in Mitleidenschaft gezogen worden.

„Der Feuerschein war riesig“, berichtete Rudolf Thiel, der gleich in der Nachbarschaft wohnt. Bei an Anwohnern wurden Erinnerungen wach, denn im vorigen Jahr ist in der Perlachstraße (also im gleichen Stadtviertel) ebenfalls ein Anwesen niedergebrannt.

Geschockt von den Ereignissen zeigt sich auch Fritz Holzhey, der Besitzer des abgebrannten Fabrikguts. Es ist nämlich noch nicht so lange her, dass er den Pachtvertrag mit Markus Wühr verlängert hat. Ein Trost für Holzhey: Bis auf ein leichtverletztes Mädchen und den toten Kälbern sind alle mit dem Schrecken davon gekommen. Für den Brandschaden – nach polizeilichen Schätzungen rund 500.000 Euro – wird wohl die Versicherung aufkommen.

Brandfahnder der Kripo Weilheim waren gestern Vormittag vor Ort und nahmen die Ermittlungn auf. Zu einer konkreten Brandursache konnten sie noch keine Angaben machen. „Dazu sind umfangreiche Untersuchungen an der Brandstelle erforderlich“, hieß es.

mg

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