Unheimliche Anschläge

Brand-Serie: Stecken Neonazis dahinter?

Regensburg - Mehrfach sind in Regensburg zuletzt Edel-Limousinen abgefackelt worden. Handelt es sich bei den Tätern um Neonazis? Der Verdacht drängt sich nun auf.

Sie gehen immer gleich vor: Mitten in der Nacht schleichen sie sich in Wohngebiete von Regensburg, suchen nach teuren Autos. Dann setzen sie die Fahrzeuge in Brand und flüchten blitzschnell. Sechs Mal fackelten so Unbekannte nun schon Edel-Limousinen in der Domstadt ab. Handelt es sich bei den Tätern um Neonazis? Der Verdacht drängt sich auf, da es sich beim letzten Opfer um den bekannten Regensburger Bürgerrechtler Sion Israel handelt.

Am vergangenen Freitag wurde der 64-Jährige Opfer des Brandanschlages. Israel hatte seinen neuen 5er BMW wie so oft vor seiner Garage abgestellt. Gegen 22 Uhr hörte er einen lauten Knall. Beim Blick nach draußen sah er, dass sein Wagen schon voll in Flammen stand. Obwohl die Feuerwehr wenig später am Tatort eintraf, konnte nichts mehr gerettet werden.

Dass es den Gastronom traf – könnte das nur ein Zufall sein? Dagegen spricht, dass Israel in Regensburg wirklich jeder kennt: Er wurde stadtbekannt, als der Barkeeper seines Lokals „Picasso“ von Rechtsradikalen zusammengeschlagen worden war – nachdem die Neonazis in dem Lokal nicht bedient worden waren. Wenig später gründete Sion Israel die Aktion „Keine Bedienung für Nazis“. Für dieses Engagement – an dem sich unzählige Regensburger Gastronomen beteiligten – bekam der Wirt später sogar den renommierten Lutherpreis zugesprochen. Keine Frage: Der Bürgerrechtler ist den Braunen ein Dorn im Auge.

Und so prüft die Polizei jetzt auch einen antisemitischen Hintergrund der Taten. „Konkrete Hinweise gibt es aber dazu noch nicht“, so die Beamten.

Und die anderen Opfer der Brandanschläge? Über diese gab die Polizei noch nichts bekannt. Nur soviel: Bei einer Person handelt es sich um den 2. Kommandanten der Feuerwehr von Pentling. Die Unbekannten zündeten den neuen VW Amarok des engagierten Bürgers direkt vor dessen Haus an. Mitte Januar wurden gleich zwei Autos angezündet – einmal ein Audi A 6 im Westen der Stadt, dann ein nobler BMW nur wenig später im Norden Regensburgs. Eine Woche später waren zwei edle Mercedes-Limousinen dran. Der Gesamtschaden der Brandanschläge: immerhin satte 185 000Euro.

Die Polizei sucht intensiv nach Zeugen, die etwas beobachtet haben. Spuren haben die Täter nämlich bisher noch so gut wie keine hinterlassen.

tz

Rubriklistenbild: © dpa

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