Angeklagte gestehen Feuer-Anschlag

Das Rätsel um dieses Inferno

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Ingo E. (kleines Bild links) legte mit seinem Kumpan das Feuer. Robert R. (kleines Bild rechts) brachte die Verletzten zur Tankstelle. Die zerstörte Praxis: So berichtete die tz im Sommer 2013 über den Anschlag auf die Heilerin.

Bad Wörishofen - Drei Männer haben eine Heilpraxis in Bad Wörishofen in Schutt und Asche gelegt. Die Tat haben sie nun vor Gericht gestanden. Einer gibt zu, für die Brandstiftung bezahlt worden zu sein. Doch wer steckt dahinter?

Es ist ein rätselhafter Fall, der sich im Mai 2013 in Bad Wörishofen abspielt. Mitten in der Nacht brechen zwei Männer in die Heilpraxis von Waltraud B. ein, legen Feuer. Ihr Ziel: Alles soll in Schutt und Asche liegen. Wenig später werden genau diese Brandstifter von einem Fremden vor einer Tankstelle abgelegt – mit schwersten Verbrennungen. Der Unbekannte bittet um einen Notarzt für seine Freunde – und türmt.

Haupttäter gibt zu, dass er für die Tat bezahlt wurde

Am Donnerstag saß genau dieses Trio (23, 37 und 39) in Memmingen auf der Anklagebank. Die Kripo vermutet, dass die Männer aus Nordrhein-Westfalen der Rockergruppe „Black Jackets“ angehören. Schwere Brandnarben waren an ihren Händen zu sehen. Und sie gestanden die Tat. Bei dem Brand waren laut Anklage 200.000 Euro Schaden entstanden. Und der Haupttäter gab sogar zu, dass er für die Tat bezahlt wurde. Von wem, verriet er aber (noch) nicht. Hat am Ende gar die Familie, die die Heilpraxis betreibt, den Auftrag erteilt? Das jedenfalls glaubt die Staatsanwaltschaft.

Rückblick: Es ist der 26. Mai 2013. Heimlich steigen zwei der Männer durch ein Fenster in die Praxis ein. Dort verschütten sie Benzin. Dann passiert es: Es kommt zu einer Verpuffung. Der dritte Kumpan wartet im Auto und steht Schmiere. Nach der Explosion laufen die beiden Brandleger brennend aus dem Haus. Ihr Begleiter erzählt dem Gericht, wie er ihnen die brennenden Kleidungsstücke weggerissen und sie dann zu einer wenige Kilometer entfernten Tankstelle in Türkheim gebracht hat. Dort legte er sie ab. „Als ich den Krankenwagen gesehen habe, bin ich weggefahren“, so der 39-Jährige.

Jüngster Angeklagter: 54 Prozent seines Körpers seien verbrannt

Er habe aus Dummheit und jugendlichem Leichtsinn gehandelt, ließ der jüngste Angeklagte über seinen Anwalt erklären. Er bedauere die Tat, für die er fast mit seinem Leben bezahlt hätte. 15 Operationen mit Hauttransplantationen habe er hinter sich, 54 Prozent seines Körpers seien verbrannt. „Ich werde nicht mehr richtig laufen können“, erklärt er. Nur der 37-Jährige, der ebenfalls schwere Verbrennungen davontrug, habe für die Tat Geld erhalten. Aber von wem? Der Angeklagte wollte weder Namen noch eine Summe nennen.

Die Hintergründe der Tat sind ebenfalls unklar. Ein Kripobeamter sagte aus, dass die Mieter der Praxisräume (also die Familie B.) im Verdacht stehen, den Brand in Auftrag gegeben zu haben. Die Ermittlungen gegen sie dauerten noch an. Im Vorfeld des Brandes soll es Kontakt zwischen dem Sohn der Mieterin und einem der beiden Schwerverletzten gegeben haben. Wohl ging es darum, eine Versicherungssumme abzukassieren. Der Prozess dauert an.

tz

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