BRK-Chef schlägt Alarm

Hilfe, uns gehen die Pflegekräfte aus!

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Derzeit arbeitet in Bayern jeder Zehnte in einem Pflegeheim, im Krankenhaus oder einer Arztpraxis.

München - Die Menschen werden immer älter, aber die Zahl der Pflegekräfte nimmt kontinuierlich ab. Jetzt schlägt auch Bayerns BRK-Chef Leonhard Stärk Alarm.

Es ist eine beängstigende Entwicklung: Während die Menschen in Bayern im Schnitt immer älter werden – und somit auch die Zahl der Pflegebedürftigen im Land rasant ansteigt – nimmt die Zahl der Pflegekräfte immer weiter ab. Mittlerweile ist die Situation so schlimm, dass viele Heime sogar Kopfgeldprämien von 1000 Euro zahlen, um an gutes Personal zu kommen. Jetzt schlägt auch Bayerns BRK-Chef Leonhard Stärk Alarm: „Uns gehen langsam, aber sicher die Pfleger aus. Wenn sich nicht bald etwas ändert, steht uns ein Kollaps bevor.“

BRK-Chef Leonhard Stärk will schnell Veränderungen.

Die Zahlen sprechen für sich: Nach aktuellen Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit fehlen in Deutschland bis Ende 2016 (also schon in drei Jahren) knapp 40 000 Pflegekräfte. „Das macht uns große Sorgen“, so Stärk gegenüber der tz. „Hier muss gegengesteuert werden. Schnell!“ Besonders wenn man die Entwicklung der zu Pflegenden beobachte: Allein in Bayern wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2020 im Vergleich zu jetzt um ein Drittel erhöhen – auf 411 000 Menschen. Stärk: „Daher muss die Politik endlich reagieren und diesen wichtigen Beruf attraktiver machen – besonders für die jungen Menschen.“ Der Ruf, den die Altenpflege habe, sei einfach zu schlecht. Jeder denke sofort an Überstunden, schwere Schufterei und schlechten Lohn, wenn er das Wort Pflege höre.

Immer wieder demonstrieren Pflegekräfte (hier in Nürnberg) gegen die steigenden Belastungen.

Und das nicht ganz zu Unrecht: Es ist kein Geheimnis, dass viele Pflegekräfte im Freistaat täglich am Limit arbeiten. Denn durch den Mangel an Fachpersonal müssen weniger Angestelle in vielen Häusern immer mehr Aufgaben erledigen. Dass Pflegekräfte oft Bewohner auch schon medizinisch versorgen (eigentlich Aufgabe des Arztes), ist nicht selten. Zudem ist teils eine Pflegekraft für 40 Bewohner verantwortlich. „Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis es zu schweren Fehlern kommt“, sind sich die Experten einig. Mit dem Bewohner einfach nur Zeit zu verbringen – mit ihm reden, ihm vorlesen, ihm zuhören – dafür habe das Personal schon lange keine freie Minute mehr. Der Mangel an Pflegekräften – Leonhard Stärk fordert aber auch, für bessere Rahmenbedingungen bei der Ausbildung des Pflegenachwuchses zu sorgen: „Dazu gehört insbesondere eine von den Kostenträgern zu finanzierende Ausbildungsumlage.“ Heißt in anderen Worten: Diese Ausbildungskosten dürften nicht alle an den Wohlfahrtsverbänden hängen bleiben, sondern müssten die Kassen übernehmen. „Aber ich kann dennoch jedem Jugendlichen nur raten, sich beruflich in der Altenpflege zu engagieren. Es ist eine wichtige, verantwortungsvolle Aufgabe – mit einer großen Zukunft.“

Wie groß letztere ist, zeigt die Situation der Demenzkranken im Land: Bis zum Jahr 2030 wird sich deren Anzahl von derzeit gut 1,1 Millionen auf etwa 1,8 Millionen erhöhen – und bis 2060 sogar auf 2,5 Millionen ansteigen. Besonders diese Menschen brauchen fast immer eine Rundumversorgung. Heißt: gutes Personal, dass sich um die Patienten kümmern kann, dafür sorgt, dass es zu keinen Stürzen oder Verlezungen kommt. Leonhard Stärk bringt es auf den Punkt: „Da kommt eine wichtige Aufgabe auf uns zu, der sich alle endlich stellen müssen.“

Armin Geier

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