Für Klebekennzeichen

Unternehmer bekommt Deutschlands saftigsten Strafzettel

+
Der angeklagte Unternehmer Michael Stoschek (l) und sein Anwalt Rainer Brüssow

Coburg - Aus 1,65 Millionen Euro Strafe für einen reichen Unternehmer wird eine Geldauflage von 150.000 Euro - wegen eines aufgeklebten Kfz-Kennzeichens.

Er gehört zu den Vermögenden in Deutschland – aber bei so einem Strafzettel muss selbst ein bekannter Unternehmer erst mal schlucken: 1,65 Millionen Euro hätte der Coburger Brose-Mitinhaber Michael Stoschek (67) nach einem Strafbefehl zahlen sollen, weil er erstens ein verbotenes Klebekennzeichen an einem Porsche 911 angebracht hatte. Und zweitens, weil darauf ein nachgemachter Zulassungsstempel war – eine Urkundenfälschung. 

Den Strafbefehl akzeptierte Stoschek allerdings nicht. Deswegen kam es am Mittwoch zur Verhandlung vor dem Amtsgericht Coburg. Sein Verteidiger Rainer Brüssow attackierte dort zunächst die Staatsanwaltschaft. Dass sich Stoschek vor Gericht verantworten müsse, „diene nur der Machtdemonstration der Anklagebehörde“. Dem widersprach Oberstaatsanwalt Martin Dippold. 

Stoschek, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung beim Autozulieferer Brose mit weltweit über 23.000 Beschäftigten, ist für ungewöhnliche Aktionen und Engagements bekannt: So kreuzte er erst im August in einem Amphibienfahrzeug während der Bamberger Sandkerwa auf der Regnitz herum. Und die Bundesliga- Basketballer von Brose Bamberg unterstützt er nicht nur als Sponsor, sondern auch als Vorsitzender im Aufsichtsrat des Clubs. 

Weniger glücklich verlief sein Herumkurven mit den reflektierenden Papp-Kennzeichen, die laut Strafbefehl ein Foto bei einer Geschwindigkeitsmessung nicht zuließen: Zum ersten Mal war er Ende April 2013 in Coburg damit erwischt worden. Dabei fiel auch auf: Der vermeintlich amtliche Zulassungsstempel war nachgemacht. Das Kennzeichen wurde sichergestellt, ein Polizist ermahnte ihn, dass die Kennzeichen nicht zulässig seien und ein Verwenden zu Strafe führen könnte. Dennoch wurde Stoschek im selben Jahr und im Juni 2014 mit Klebekennzeichen ertappt. 

Deren Verwendung räumte der Unternehmer ein. „Ich habe aber nicht gewusst, dass dies einen Straftatbestand darstellt.“ Er habe keinesfalls täuschen wollen, das Klebeschild sei entgegen der Meinung der Staatsanwaltschaft auch gut lesbar gewesen. Das bewiesen auch Strafmandate wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen.

Richter Wolfram Bauer schlug in der Folge eine Einstellung gegen eine Geldauflage vor. Diese war immer noch happigpappig: 150.000 Euro – an die Welthungerhilfe (100.000 Euro) und Gefangenenfürsorge (50 000). Stoschek sprach anschließendvom„ Promi-Malus“. Der Einstellung des Verfahrens habe man nur zugestimmt, „um dem Steuerzahler weitere Kosten zu ersparen“. 

MC

Auch interessant

Meistgelesen

Sirenen: Heute um 11 Uhr Probealarm in Bayern
Sirenen: Heute um 11 Uhr Probealarm in Bayern
„Es war nicht die erste Alte, die ich umgenietet habe“
„Es war nicht die erste Alte, die ich umgenietet habe“
Bildungsalarm: Niveau bei Grundschülern sinkt, nur Bayern sticht hervor
Bildungsalarm: Niveau bei Grundschülern sinkt, nur Bayern sticht hervor
Ungewöhnlicher Protest: Zombie-Walk vor H&M
Ungewöhnlicher Protest: Zombie-Walk vor H&M

Kommentare