„Man spart mit etwas, das sonst weggeworfen würde

Bier aus altem Brot: Nürnberger Brauerei setzt sich gegen Lebensmittelverschwendung ein

Bierbrauer und Bäcker produzieren Bierbrot
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Felix vom Endt (l) und Andreas Feihl verkosten eine Probe Brotbier.

Auf die Bierbrote folgt nun das Brotbier. Wie eine Nürnberger Brauerei mit einem besonderen Bier gegen Lebensmittelverschwendung vorgehen will.

Nürnberg - Während des Lockdowns backten Bäcker vielerorts Bierbrote, damit Fassbier nicht weggeschüttet werden musste. Auch andersherum lassen sich Lebensmittel vor der Mülltonne retten: Brauereien brauen Brotbier. Dabei ersetzen sie Teile des Braumalzes durch Brot, das in Bäckereien nicht verkauft wurde. Auch eine Nürnberger* Brauerei hatte die Idee, damit der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken.

Nürnberger Brauerei macht Bier aus altem Brot, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden

„Man spart mit etwas, das sonst weggeworfen würde“, sagt Felix vom Endt von der Nürnberger Craftbier-Brauerei Orca Brau. Etwa 30 Prozent des Braumalzes ersetzt Endt mit Brot, das in den 35 Filialen der Bäckerei Fehl in der Region nicht verkauft wurde. Vieles gehe an die Tafeln, an Wärmestuben oder Bauern, sagt Geschäftsführer Andreas Feihl. „Aber die können nicht alles abnehmen.“ Zusammen mit Felix vom Endt fand er die Lösung des Brotbiers, die in Deutschland, dem Land von Brot und Bier, eigentlich nur logisch ist. Mit dem Bier „Der Rebell“ setzen sie ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung - und damit sind sie nicht alleine.

Brotbier hat ihm zufolge im skandinavischen und baltischen Raum eine lange Tradition. In den vergangenen Jahren ist diese Idee auch in Deutschland, Großbritannien und anderen europäischen Ländern verstärkt aufgekommen, um die Lebensmittelverschwendung zu stoppen. Meist sind es Start-ups, die die Spezial-Biere in kleiner Auflage brauen.

Große Brauereien können sich den Aufwand nicht leisten

Für die großen Brauereien kommt es nach Angaben des Deutschen Brauerbunds allerdings nicht infrage. „Aus unserer Sicht lässt
sich der Malzbedarf aus verschiedenen Gründen nicht einfach durch Brot ersetzen“, sagt Sprecher Marc-Oliver Huhnholz. Neben den technischen und lebensmitteltechnologischen Herausforderungen spreche auch dagegen, dass Brot für größere Produktionsmengen und längere Produktionszeiten eingelagert werden müsste. „Ein Aufwand, der aus unserer Sicht nur in einem kleineren Rahmen realisierbar erscheint.“

Bei Felix vom Endt kommt das Brotbier jedenfalls gut an. Die erste Abfüllung sei innerhalb von drei Tagen an der Brauerei ausverkauft gewesen, sagt er. Aber schmeckt es auch? „Es ist vollmundiger und vom Mundgefühl cremiger“, meint vom Endt. Wie Brot schmecke es nicht, eher wie ein Märzen oder ein Festbier. (dpa) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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