"Bevor das nächste Opfer ein Kind ist"

Mina beim Gassigehen fast zerfleischt - Zeugen gesucht

+
Schwere Verletzungen erlitt Hündin Mina, die von einem großen, aggressiven Hund attakiert wurde.

Gründl - Der Sonntagsspaziergang endet für Michael Fritz (45) in einem blutigen Albtraum: Beim Gassigehen wird seine Hündin von einem viel größeren Artgenossen angefallen und fast zerfleischt. Ob die schwerverletzte Mina überlebt, ist ungewiss. Ebenso die Identität der Besitzer des angreifenden Hundes. Michael Fritz hofft nun auf Zeugen – „bevor das nächste Opfer ein Kind ist“, wie er sagt.

Am Tag danach müssen Michael Fritz und seine Mutter erst einmal selbst zum Arzt. So tief sitzt der Schock nach dem, was passiert ist. Als der 45-Jährige aus Oberappersdorf (Gemeinde Zolling) schließlich Mitte der Woche dem Tagblatt seine Erlebnisse erzählt, bebt seine Stimme noch immer.Es ist 18.30 Uhr am vergangenen Sonntag, als Michael Fritz und seine 72-jährige Mutter mit Hündin Mina (7) an der Leine Richtung Parkplatz zurückgehen. Ein gemütlicher Spaziergang war das auf dem Weg neben der FS 43 zwischen Figlsdorf und Gründl (Gemeinde Nandlstadt). Jetzt wollen sie die letzten Meter zu ihrem Auto gehen, das vor der Kläranlage steht. Doch da kommen aus Richtung Gründl zwei Frauen – und ihr gewaltiger Hund.

Er stürzt sich auf sie - wie vom Wahn getrieben

Fritz ruft ihnen zu, dass er mit seinem kniehohen Zwergretriever noch schnell die Straße überqueren möchte – und sieht, wie sich die Halterin des anderen Hundes mit aller Kraft gegen ihr an der Leine zerrendes Haustier stemmt. Vergeblich. Der bullige Vierbeiner – Fritz schätzt die Schulterhöhe auf 90 Zentimeter – reißt sich aus seinem Halsband los und stürmt auf Mina zu. Er stürzt sich auf sie und beißt zu. Immer wieder, wie vom Wahn getrieben. 

Die Hunde jaulen und bellen, die Besitzer schreien, wollen die beiden trennen, vergeblich. Es ist eine furchtbare Szene. Michael Fritz, der als Asthmatiker einen Spazierstock dabei hat, versucht, damit dazwischen zu gehen. Seine Mutter wird beim Versuch zu helfen von den Frauen weggeschubst. Die hauen mit ihrer blauen Leine auf ihren Hund ein.

Dann trifft Fritz’ Stock die Schnauze des Angreifers, irgendwann lässt er ab von Mina. „Ist sie jetzt endlich tot?“, hört er die ältere der beiden fremden Frauen zynisch fragen. „Ich glaube, ihr Bauch ist offen“, ruft Fritz völlig aufgelöst und kniet sich über seine blutüberströmte Hündin. Er will die Tierrettung rufen, doch er hat kein Handy dabei. Auch die Frauen sagen, sie hätten keines. Während er seine Mina zum Auto trägt, nennt seine Mutter den Frauen mehrmals ihre Adresse in Oberappersdorf. Von den Frauen hören sie nur etwas mit „Nandlstadt“. Vielleicht war es auch „Nandlstädter Straße“, Fritz weiß es nicht mehr.

Der Tierarzt ist entsetzt: So etwas hat er noch nicht gesehen

Als Sohn und Mutter mit blutiger Kleidung in der Tierklinik Neufahrn ankommen, sehen sie wie Schlachter aus. Der Tierarzt ist entsetzt: So einen schweren Hundeangriff hat er noch nicht gesehen. Minas Bauch ist offen, ihr Körper mit Bissen übersät, der Schenkel an der Innenseite zerfleischt. Mina wird notoperiert. Ob das Bein wieder heilt oder amputiert werden muss, ist noch unklar. Es ist noch nicht mal sicher, ob die Hündin die vielen Verletzungen überhaupt überlebt. „Das war schon Mordlust“, sagt der Tierarzt.

Zwischen Figlsdorf und Gründl, nahe der Einmündung der Kreisstraße 43 in die FS 32, kam es vergangenen Sonntag zu der Hundeattacke.

Fritz erstattet Anzeige bei der Moosburger Polizei und meldet den Vorfall beim Ordnungsamt in Nandlstadt. Dort lässt sich das Tier trotz Beschreibung aber nicht ermitteln: Ohne Haltername oder Steuernummer des Hundes könne nicht nach dem Tier gesucht werden, heißt es. Nur ein einziger „Kampfhund“ ist den Sachbearbeitern bekannt, doch der passt nicht auf die Beschreibung. Sachbearbeiterin Elisabeth Seidinger sagt dem FT: „Wenn der Halter bekannt ist, gibt es eine Anhörung. Dann kann Leinenpflicht angeordnet werden.“ Passiere wieder etwas, werde ein Bußgeld fällig. Doch was nützt eine Leinenpflicht, wenn der Hund kräftiger als sein Besitzer ist? Auf die Nachfrage nach einer Maulkorbpflicht reagiert Seidinger verhalten: „Möglicherweise. Aber da wird es dann schwierig mit dem Tierschutz.“

Minas Besitzer möchte mit seiner Geschichte die Bevölkerung warnen: „Was, wenn es nächstes Mal ein Kind erwischt?“ Michael Fritz hofft nun, dass sich Zeugen bei der Polizei, Tel. (08761) 30180, melden.

Armin Forster

Die Beschreibung:

Die jüngere Frau war Mitte 30, groß, vierschrötig, mit blondem, halblangem Haar und Ponyfrisur, dazu trug sie ein knappes T-Shirt und Hotpants. Die ältere Unbekannte schätzt er auf 70 Jahre. Sie war klein, hatte grauweiße Haare und trug ein langes Hemd zu einer langen Hose. Ihr Hund hatte etwa die Größe eines Bernhardiners, einen bulligen, braunen Kopf und einen weißen Körper mit braunen Sprenkeln. Die Schnauze erinnert Fritz an einen Neufundländer. Laut Michael Fritz hat möglicherweise der Fahrer eines hellbraunen Pkw, der kurz anhielt, die Szene bemerkt.

auch interessant

Meistgelesen

Keine Rettungsgasse: Feuerwehrlern platzt der Kragen
Keine Rettungsgasse: Feuerwehrlern platzt der Kragen
Wetter: Am Montag wird‘s noch kälter
Wetter: Am Montag wird‘s noch kälter
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt

Kommentare