Großcousine fordert

Facebook-Aktion: Lasst Natalies Mörder nie mehr raus!

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Anton M. (Name von der Redaktion geändert) hat am 20. September 1996 die siebenjährige Natalie Astner aus Epfach missbraucht und ermordert. Nun hat er Antrag auf Haftentlassung gestellt.

München - Kommt der Sexualmörder, der 1996 die kleine Natalie Astner (7) aus Epfach missbraucht und umgebracht hat, bald frei? Dagegen kämpft die Facebook-Seite "Bürgerinitiative Natalie".

Die Horrror-Nachricht erreichte Katharina Mang ausgerechnet an ihrem Geburtstag. Am 26. Februar loggte sie sich abends bei ihrem Facebook-Profil ein. Nur kurz schauen, wer ihr gratuliert hatte. Und dann die schockierende Mitteilung einer Bekannten: Anton M. (Name von der Redaktion geändert) hat Haftentlassung beantragt. Der Mann, der ihre siebenjährige Großcousine Natalie Astner vor fast 18 Jahren eine Dreiviertelstunde missbraucht und dann kaltblütig ermordet hatte. Seitdem drängt sich ihr immer wieder dieses eine Wort auf: Unerträglich! "Es geht mir nicht mehr aus dem Kopf", sagt sie hörbar bewegt. "Nach so vielen Jahren kommt das alles wieder hoch." Aber sie hat sich entschlossen zu kämpfen: Sie hat die "Bürgerinitiative Natalie", die einst von Natalies Großeltern Erich und Erika gegründet wurde, auf Facebook gebracht. Auf dem sozialen Netzwerk will sie die Öffentlichkeit gegen die Freilassung des Sex-Mörders mobilisieren. 

Facebook: Bürgerinitiative Natalie e.V.

Vor fast 18 Jahren erschütterte der Sexualmord an der siebenjährigen Natalie Astner ganz Deutschland. Am 20 September 1996 hatte der fünffach vorbestrafte Sexualverbrecher Anton M.(heute 45) das Mädchen am hellichten Tag in Epfach (Kreis Landberg am Lech) auf dem Schulweg von der Straße weg entführt. Er zerrte die Erstklässlerin in den Kofferraum seines Wagens, fuhr mit ihr davon und missbrauchte sie. Anschließend schlug er den Kopf des Mädchens so lange gegen einen Baum, bis sie bewusstlos war. Um die Tat zu vertuschen, schmiss er Natalie in den Lech, wo sie ertrank.

Natalie starb mit 7 - jetzt will ihr Mörder frei sein

Natalie Astners Mörder mehrfach vorbestraft

Wenige Tage nach der Tat schnappte die Polizei den Täter. Kurz nach der Verhaftung brachten die Medien Unglaubliches zutage: Anton M. hatte im Laufe der vergangenen fünf Jahre insgesamt drei Mädchen und zwei Frauen im Alter von 9 bis 23 Jahren sexuell attackiert. Damit nicht genug: Vor Gericht wurde bei einem früheren Prozess Mitte der 1990er Jahre seine Zukunftsprognose von Gutachtern als "nicht ungünstig" eingestuft. Er sei "sexuell auffällig, aber nicht abartig", befand ein Münchner Psychiater. So wurde der zu einer über vierjährigen Haftstrafe verurteilte Anton M. im Juli 1995 vorzeitig aus dem Gefängnis Landsberg entlassen. Wenige Monate später sollte Natalie Astner diese krasse Fehleinschätzung mit ihrem Leben bezahlen.

Erst nach dem Mord an der Siebenjährigen kamen Gutachter zu dem Schluss, dass Anton M. "stark rückfallgefährdet" sei. Das war vor 18 Jahren. Nun hat der 45-Jährige termingerecht einen Antrag auf Haftentlassung gestellt. Wird diesem stattgegeben, ist der Sexualmörder wieder auf freiem Fuß.

"Niemals!", sagen über 6.000 Facebook-User (Stand: Dienstagvormittag). Sie unterstützen die "Bürgerinitiative Natailie e.V." auf Facebook, die die Öffentlichkeit gegen eine Freilassung des Mörders von Natalie Astner mobilisieren will. Erst seit einer Woche ist die Seite online. Jeden Tag kommt eine vierstellige Zahl an Followern hinzu. Über 100.000 Mal wurde bislang ein Beitrag geteilt, den die Bürgerinitiative Natailie an die Facebook-Seiten von großen Radio- und TV-Sendern gepostet hat.

Natalies Möder wieder frei? Facebook-User aufgebracht

Diese Menschen können nicht nachvollziehen, dass der mehrfach vorbestrafte und verurteilte Sex-Mörder von Natalie Astner überhaupt eine Chance auf Freilassung bekommen soll. Kommentare der aufgebrachten Facebook-User:

  • "Er hatte davor doch schon ein Mädchen getötet! Warum bekommen solche Monster überhaupt eine Chance, wieder ins 'normale' Leben zurückzukehren?"
  • "Ich würde am liebsten den Staat verklagen, das ist so unfassbar!"
  • "Pädophile Wiederholungstäter und vor allem Mörder gehören eigentlich lebenslang bestraft und weggesperrt. Was ist das in unserem Rechtssystem so schwer zu verstehen, muss erst einem Politikerkind so etwas passieren, damit sich konsequent etwas ändert?..."

Das will die Bürgerinitiative Natalie

Katharina Mang stellt klar, worum es ihr und den Unterstützern der Bürgerinitiative Natalie vor allem geht: "Lebenslange Haft soll in Deutschland auch wirklich lebenslang bedeuten. Warum müssen wir bei einem verurteilten Sex-Mörder eigentlich über so etwas diskutieren? Das kapiert doch keiner mehr."

Damit ist es für die 32-Jährige aber längst nicht getan. "Wir verlangen auch eine Beraterhaftung für Gutachter, die Täter wie Anton M. künftig als ungefährlich einstufen. Außerdem soll es vom Staat endlich ermöglicht werden, dass Anwohner informiert werden, wenn sich ein Sexualstraftäter in ihrem Umkreis niederlässt. Und: Jeder verurteilte Sex-Täter soll in Zukunft zu einer Therapie verpflichtet werden! Nicht zuletzt wollen wir auch eine Plattform  für alle Bürger sein, die mit der bestehenden Gesetzeslage unzufrieden sind!"

Die "Bürgerinitiative Natalie" kämpft auf Facebook gegen eine Freilassung des Mörders der 1996 missbrauchten und umgebrachten Natalie Astner (7).

Nun steckt Katharina Mang ihre ganze Energie in die Facebook-Initiative. Sie bekennt, dass sie dabei auch gegen die furchtbaren Gefühle kämpfen muss, die sie derzeit überkommen. "Natalie war wie meine kleine Schwester. Sie war oft nebenan bei ihrer Oma und ist sehr oft über den Zaun zum Spielen rübergekommen", erinnert sie sich mit tränenerstickter Stimme. "Wenn ich mir vorstelle, wie dieser Mann mein kleines Mädchen fast eine Stunde lang missbraucht und ihren kleinen Kopf gegen einen Baum geschlagen hat. Das ist so schlimm! Und jetzt soll dieser zigfach vorbestrafte Mann seine mittlerweile siebte Chance bekommen? Natalie hat er nicht mal eine Chance gegeben, als sie um ihr Leben bettelte. Das geht nicht! Das darf nicht sein."

Auf Facebook will Katharina Mang derzeit ein Bewusstsein schaffen, welches furchtbare Leid Anton M. den Eltern und Großeltern von Natalie und der gesamten Familie angetan hat. Sie betont, dass Natalies Großvater an dem Mord zebrochen ist: "Erich Kettner hat sich aufgearbeitet, seit diesem tragischen Vorfall. Er hatte einen doppelten Herzinfarkt. Ich mache den Mörder auch hierfür verantwortlich."

Katharina Mang hat in den Tagen, Wochen und Monaten nach dem Mord alle Zeitungsberichte über den Fall gesammelt, die sie in die Finger bekam. Jeden einzelnen Schnipsel von damals lädt sie derzeit eingescannt hoch.

Natalie Astner: Facebook-Druck soll etwas bewegen

Katharina Mang hofft, dass der öffentliche Druck im Fall Natalie Astner abermals Wirkung zeigt. Nach der Ermordung des Mädchens im Herbst 1996 haben sich fast 1,2 Millionen Menschen in ganz Deutschland an einer Unterschriften-Aktion beteiligt, die härtere Strafen für Sex-Täter forderte. Die lange Liste wurde der damaligen Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth (CDU) übergeben. Folge: Manche der Forderungen wurden im Rahmen der großen Strafrechtsreform 1998 umgesetzt. Nun soll massiver Druck aus der Bevölkerung abermals helfen, dass sich etwas tut.

Katharina Mang bittet eindringlich um Hilfe: "Wir brauchen den öffentlichen Druck. Je mehr Leute sich auf Facebook unserer Bürgerinitiative Natalie anschließen, umso lauter wird unsere Stimme. Dieses Mal können wir verhindern, dass es in Bezug auf ihren Mörder die nächste gefährliche Fehlentscheidung gibt!"

fro

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