Ärger in Rottach-Egern

Bürgermeister tobt wegen ehemaligem Café: „Wir sind hier keine Deppen“

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Umbaupläne stoßen auf Kritik: Einen neuen Anbau mit großen Fenstern und Holzfassade für das frühere Café Kreuz lehnt der Rottacher Bauausschuss ab. 

Der Bürgermeister von Rottach-Egern ist stinksauer. Es ging darum, was aus einem ehemaligen Café wird. Dabei fielen ungewöhnlich deutliche Worte.

Rottach-Egern  Anfänglich sprach Bürgermeister Köck noch von „Enttäuschung“. Dann aber ging dem Gemeindechef mitsamt dem gesamten Bauausschuss der Hut hoch: „Wir sind hier keine Deppen!“

Mit Abriss- und Neubauplänen hat der Rottacher Bauausschuss immer wieder zu tun. Fügen die sich in die umliegende Bebauung ein ( Paragraph 34), bleibt oft nur, nicht aus Überzeugung oder unter Gesichtspunkten der Ästhetik der hieseigen Baukultur zuzustimmen, sondern aus rein rechtlichen Gründen. Beim den nun vorliegenden Plänen für das ehemaligen Café Kreuz sahen Bürgermeister und Ausschuss aber das Ende der Fahnenstange erreicht. 

Maximilian Freiherr von der Leyen, Geschäftsführer der Allgemeinen Südboden Grundbesitz Verwaltung GmbH in Grünwald, hatte den Abbruch der Wirtschaftsgebäude im malerischen Ortsteil Berg beantragt, um anstatt des einstigen Stalls inklusive Tenne eine Wohneinheit zur errichten. Dazu hatte es, wie Bürgermeister Christian Köck (CSU) erläuterte, zwei persönliche Gespräche im Rathaus gegeben, bei dem er deutlich gemacht habe, dass man in diesem historisch und bäuerlich geprägten Weiler sensibel vorgehen müsse und architektonische Exoten unangebracht und unerwünscht seien. Laut Köck hat sich der Bauherr einsichtig und verständig gezeigt. Von der Leyen hat den Bauantrag dann direkt an das Landratsamt gestellt – und von dort offenbar Einverständnis signalisiert bekommen. „Ich bin enttäuscht. Die ganze Planung ist um ein Fünferl a Durchanand’ und architektonisch sinnentleert“, zürnte Köck nun im Ausschuss, sichtlich um Neutralität ringend.

Schon der 2016 gestellte Antrag – Komplettabriss und Neubau – war konfliktbehaftet gewesen. Außenbereich. An den historischen Bestand anbauen darf man indes schon. Das Landratsamt hatte explizit darauf hingewiesen, dass die wesentlichen Gestaltungsmerkmale auf das bestehende Gebäude anzupassen seien. Angesichts der nun geplanten untypisch großen Fenster und Türen und der Holzfassade wetterte Köck: „Das ist nicht geschehen. Wir haben uns darauf verlassen, dass die Planungen dem Vorbescheid entsprechen.“ Überdies, monierte Bauamtsleiterin Christine Obermüller, seien auch Abstandsflächen nicht eingehalten. An der Zufahrt würden Engstellen entstehen, sodass die Erschließung nicht gesichert sei. Auch wenn der Freiflächenplan einen hübschen Bauerngarten in Aussicht stellt, empfand der Bauausschuss das Gebäude mit der vorliegenden Planung einhellig als „Fremdkörper“.

Vize-Bürgermeister: „Das ist unmöglich. Das passt nicht“

Vizebürgermeister Josef Lang (CSU) fand: „Das ist unmöglich. Das passt nicht, die sollen sich an den Vorbescheid halten.“ Und die Dritte Bürgermeisterin Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG) schlug vor zu prüfen, wie alt das Gebäude des Café Kreuz denn sei: „Unter Umständen können wir es nachqualifizieren lassen.“ Sprich: den Denkmalschutz einschalten. „Ich glaube, dass wir nachhelfen müssen, wenn einer so ein Gebäude erwirbt, aber kein Gespür dafür hat, was es für den Weiler bedeutet.“ Und Köck: „Wenn man nicht gewillt ist, sich anzupassen, kann ich auch nicht mehr weiterhelfen. Ich trage die Verantwortung und weiß, wie die Bevölkerung tickt. Uns so will sie das definitiv nicht haben.“

Im Übrigen sei zu dem Thema bei den besagten zwei Terminen, für die man sich Zeit genommen habe und in denen man sich vermeintlich einig geworden war, alles gesagt. „Wir sind hier keine Deppen, die ihre Zeit vertun“, zürnte Köck und drohte abschließend auch mit einer Klage, wenn das Miesbacher Landratsamt die Planung in der vorliegenden Form entgegen dem gemeindlichen Willen positiv bescheiden sollte.

Eine weitere spannende Geschichte aus dem Umland: Das hier war mal ein Hotel - jetzt ist alles nur noch traurig.

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