Bund Bairische Sprache schlägt Alarm

Streit um Dialektverbot an Schule

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Unterricht im Gymnasium: Dialekt zu sprechen, sorgt an manchen Schulen für Ärger. Der Bund Bairische Sprache wehrt sich.

München - Der Bund Bairische Sprache wirft Schulen vor, Kindern das Sprechen von Dialekt ausreden zu wollen. Die Dialekt-Schützer reagieren alarmiert

Dem Verein seien von Eltern mehrere Fälle an Grund- und Mittelschulen in Niederbayern gemeldet worden, bei denen Lehrer Strafarbeiten verteilten, wenn Kinder im Dialekt redeten. „Es gibt Lehrer, die in die Familien hineinregieren wollen“, sagte Vereinschef Sepp Obermeier. Er sprach von „alarmierenden Vorkommnissen“.

Anderen Schülern sei die Verwendung des Dialekts bei Praktika verboten worden. Darüber hätten ihm unter anderem Schüler und Eltern einer Mittelschule in Deggendorf und einer Grundschule in Straubing berichtet. Laut dem Dialektförderer hat die Zahl der Fälle zugenommen, nachdem die Hauptschulen vor rund fünf Jahren in Mittelschulen umbenannt wurden. Er könne um die zehn Beispiele nennen.

An Gymnasien sei der Dialekt inzwischen anerkannter als in der Grundschule. Obermeier verwies darauf, dass Kinder nach dem Wechsel auf Gymnasien wieder ungeniert Dialekt sprechen durften. Er appellierte an den Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), darauf zu dringen, dass Dialekt auf Augenhöhe mit der Schriftsprache zu stehen hat.

Lehrerverband-Chefin weist den Vorwurf zurück

BLLV-Chefin Simone Fleischmann wies den Vorwurf zurück. Es könne sich allenfalls um Einzelfälle handeln, wenn Schülern das mundartliche Reden verboten werde. Im Gegenteil sei es „en vogue, den Dialekt wieder in die Schule zu bringen. Ich glaube nicht, dass Grundschullehrer Kindern verbieten, auf dem Fußballplatz Dialekt zu sprechen.“

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) äußerte sich gegenüber unserer Zeitung überrascht. Von einer Häufung solcher Fälle sei ihm nichts bekannt. „Wenn das mehr als Einzelfälle wären, müsste man der Sache nahgehen.“ Dass Mundart erwünscht sei, gebe die Verfassung und das Unterrichtsgesetz vor. Das Ministerium habe in einer Bekanntmachung 2014 ausdrücklich betont, dass Dialekt an Schulen eine Bereicherung sei. Wer dessen Gebrauch verhindere oder Mundart gar verbiete, begehe einen „pädagogischen Fehler“.  thu/dpa

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