Einsatz in Passau

Polizistin erzählt: So rettete ich das Flüchtlingsmadl (4)

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Zurück im Dienst: Die angehende Bundespolizistin Anthea Stühmer war bei der Ankunft von Flüchtlingen in Passau im Einsatz

München - Eine angehende Bundespolizistin hat ein vierjähriges Flüchtlingsmädchen gerettet, weil sie instinktiv das Richtige gemacht hat. In der tz erzählt sie von ihrem Einsatz.

Sie hat gesehen, dass jemand in Lebensgefahr ist, hat zugepackt und geholfen. Doch eigentlich will Anthea Stühmer (20) gar nicht viele Worte machen. Im Rahmen ihrer Ausbildung („mein Kindheitstraum“) war sie in Passau eingesetzt. Sie und ihre Kollegen sollten Flüchtlinge in Empfang nehmen. „Es war gegen Abend, als ein Linienbus ankam“, erzählt sie der tz. „Ein Vater stieg aus mit zwei Kindern auf dem Arm. Eines hat er mir in die Hand gedrückt.“ Erst habe sie gedacht, das Mädchen schlafe. Doch der Vater habe ihr mit Händen und Füßen gezeigt, dass etwas nicht in Ordnung sei. „Da habe ich erst mal in Nase und Ohr gezwickt und gefühlt, ob es Puls hat.“ Die Vierjährige atmete nicht mehr.

Während ihr Kollege Erik Engert einen Notarzt alarmierte, setzte sich Anthea Stühmer das Madl aufs Knie und schlug ihm zwei Mal mit der flachen Hand auf den Rücken. Dadurch wurden die Atemwege wieder frei und das Kind schnappte nach Luft. Die Notärztin checkte noch einmal alles durch, dann gab sie das Kind dem überglücklichen Vater zurück. Und weg war die Familie.

„Es war mein letzter Tag in Passau“, sagt die Polizeimeisteranwärterin, alle Nachforschungen nach dem Madl blieben erfolglos. Den lebensrettenden Schlag habe sie quasi von ihrer Mutter Ute gelernt, die zu Hause in Itzehoe einen Kindergarten leitet. „Wir haben zusammen Erste-Hilfe-Kurse gemacht“, sagt Mutter Ute der tz. „Da hat sie sich diesen Schlag wahrscheinlich gemerkt.“ Der spontane Einsatz ihrer Tochter habe sie gar nicht so sehr überrascht, „sie hilft, wo es nötig ist.“

Nun ist wieder Ausbildungsalltag. In der Bundespolizeiakademie in Lübeck habe es nach der Rettungstat eine Belobigung des Präsidenten gegeben, sagt Anthea Stühmer. Es klingt fast, als ob ihr das schon zu viel Aufhebens war. „Sie mag nicht so gerne in der Öffentlichkeit stehen“, sagt die Mutter. Ihre Tochter sei eine, „die hinschaut und hilft“. Einem unbekannten Flüchtlingsmadl hat dies das Leben gerettet.

V. Pfau

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