Unglück im Ammertal

Dritter Hubschrauber-Absturz seit 1985

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Bild der Verwüstung: Bereits 1986 gab es ein schweres Hubschrauber-Unglück im Landkreis. Bei dem Absturz in der Karwendelgrube starb ein Mensch.

Ettal - Völlig ausgebrannt liegt das Wrack des abgestürzten Kampfhubschraubers im Ammergebirge. Nach dem Unglück werden Erinnerungen an zwei frühere Tragödien wach.

Zurückgeblieben ist ein zerstörtes Gerippe. Der Rumpf ist völlig ausgebrannt. In einem Umkreis von 30 bis 50 Metern liegen Teile des Kampfhubschraubers Tiger, die bei dem Absturz am Montagabend im Ammergebirge abgesprengt wurden. Wer die Beschreibung von Oberstleutnant Markus Kirchenbauer hört, kann erahnen, welch großes Glück der Pilot und der Waffensystemoffizier hatten. Sie konnten sich leicht verletzt selbst retten und in Sicherheit bringen; die Soldaten werden aber weiter im Bundeswehrkrankenhaus Ulm behandelt.

Die Ursache für den Absturz ist weiter unklar.Inzwischen arbeiten fast 20 Experten vor Ort: Mitarbeiter der Generalflugsicherung, Geologen, eine Vermessungseinheit. Sie suchen und dokumentieren Spuren, die Hinweise auf die Ursache des Absturzes bei dem Gebirgsübungsflug geben können. „Das ist schwierig, weil die Teile verstreut im Gelände liegen, und es ist gefährlich an diesem steilen Hang“, schildert Kirchenbauer. Das Areal ist nach wie vor militärisches Sperrgebiet und damit abgeriegelt. Besonderes Augenmerk legen die Experten auf die Datenträger. Kirchbauer zufolge hatte der Tiger im Wert von rund 40 Millionen Euro auch eine Art Flugschreiber an Bord, wie er von Verkehrsflugzeugen bekannt ist.

Im Laufe des Mittwochs oder Donnerstags sollten die Untersuchungen an der Unglücksstelle abgeschlossen werden. Danach werden alle Einzelteile geborgen und an einem Bundeswehr-Standort weiter begutachtet. Auch die Soldaten sind zu befragen. „Es kann noch Wochen oder Monate dauern, bis der Untersuchungsbericht vorliegt“, sagt Kirchenbauer. So lange könnte es auch dauern, bis die Ursache geklärt ist. Gestern ist im Ammertal ein Experte der Bundeswehr eingetroffen. Er soll klären, ob die Wrackteile aus der Luft geborgen werden können - zum Beispiel bei einem Einsatz des Hubschraubers vom Typ Sikorsky CH-53 mit Außenlastarm. Alternativ müssten die Teile mit Seilwinden nach oben zum Forstweg oder nach unten zur Straße gezogen werden. Eine Schwierigkeit bei der Bergung: Die Bundeswehr will tatsächlich alle Teile einsammeln. Es wäre fatal, wenn Wanderer im Frühling Reste des Kampfhubschraubers finden würden.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat sich bei einem Truppenbesuch im nordafghanischen Masar-i-Scharif besorgt über den Absturz gezeigt. Dort sind vier Helikopter des identischen Typs im Einsatz; die Soldaten waren im Ammergebirge zur Vorbereitung auf einen Auslandseinsatz geflogen. „Das ist besonders besorgniserregend, weil es so etwas auch schon mal gegeben hat irgendwo bei den Franzosen. Deswegen wird das jetzt genau untersucht.“ Zunächst waren die Tiger auch am Boden geblieben. Inzwischen, sagte Kirchenbauer gegenüber dem Münchner Merkur, fliegen sie wieder.

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Das tragische Unglück von Montag erinnert an zwei weitere Abstürze von Bundeswehr-Hubschraubern, zu den es in den später 1980er-Jahren im Landkreis gekommen war. Im August 1986 verfing sich eine Maschine des Typs „Bell UH 1D“ in den Seilen einer provisorischen Materialseilbahn in der Karwendelgrube bei Mittenwald. Bei dem Unglück starb der Bordmechaniker, zwei weitere Insassen wurden leicht verletzt.

Weitaus dramatischer war zwei Jahre später die Hubschrauber-Tragödie im Oberreintal. Dabei gerieten im Juli 1988 die Rotorblätter des Helikopters - ebenfalls vom Typ Bell - bei Nebel und strömenden Regen unterhalb des Schachens gegen eine Felswand. Bei der Explosion starben neun Menschen, darunter fünf Zivilisten. Sie hätten gar nicht in dem Bundeswehr-Hubschrauber sitzen dürfen.

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