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Bundeswehr: Zittern an 68 bayerischen Standorten

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In der Amberger Leopold-Kaserne verfolgen die Offiziere die Ansprache de Maizières © dpa

München - Jetzt beginnt es also – das große Zittern in den 68 bayerischen Bundeswehr-Standorten. Welcher wird geschlossen, an welchem geht der Kelch vorüber?

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Mellrichstadt in Unterfranken hat es schon hinter sich. Vor fünf Jahren wurde dort das Panzergrenadierbataillon 325 mit 1000 Mann aufgelöst. Ein Schlag für die heimische Wirtschaft war das damals. Die anderen haben es noch vor sich. Verteidigungsminister Lothar de Maizière umriss am Mittwoch den Fahrplan für einen Radikalumbau der Bundeswehr. Demnach wird die Truppenstärke von derzeit gut 220 000 auf 175 000 reduziert, die Zahl der zivilen Mitarbeiter soll deutlich schrumpfen. Ziel ist es, die Streitkräfte durch straffere Strukturen und weniger Bürokratie international schlagkräftiger zu machen. Er sieht derzeit „gravierenden Mängel in der Armee“. Die Bundeswehr sei schon lange strukturell unterfinanziert.

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Jetzt beginnt es also – das große Zittern in den 68 bayerischen Standorten. Wen trifft es, an wem geht der Kelch vorüber? Namen gibt es erst im Herbst.

Vor allem die kleinen Standorte dürften aber auf der Streichliste stehen. Posten mit weniger als 100 Leuten – dazu gehören Wartungs- und Instandsetzungsgruppen wie in Bayerisch Eisenstein, Kreiswehrersatzämter wie in Bamberg oder Deggendorf. Und oft sind es ja auch Regionen mit Kasernen, die sowieso schon als strukturschwächer gelten. Die SPD hat die Staatsregierung wegen der zu erwartenden Probleme bereits aufgefordert, an einem „Masterplan zur ländlichen Entwicklung“ zu arbeiten. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sieht die Ängste begründet: „Nicht die Energiewende, die Bundeswehr ist meine mit Abstand größte Sorge“, sagte er vergangene Woche in einem Interview. Und: „Soldaten, Arbeitsplätze, Standorte – die Fragen sind ungelöst.“ Die CSU wollte da noch erreichen, dass das unter zu Guttenberg der Bundeswehr verordnete Sparziel von mehr als acht Milliarden Euro bis 2015 abgemildert wird. De Maizière streifte am Mittwoch dieses Thema nur: Die Kosten für den Personalabbau werden zwar aus dem Verteidigungshaushalt ausgelagert. Wie stark dadurch die Sparauflagen von 8,3 Milliarden Euro bis 2015 gelockert werden, bleibt aber unklar. Mittlerweile beobachten die Angestellten der Bundeswehr die Entwicklung mit Sorge um den Job. Gegenüber dem BR sagte Martin Bauer, Dienststellenleiter am Kreiswehrersatzamt in Weiden: „Ich hoffe, dass die Kompetenz meiner Mitarbeiter auch in einer reformierten Bundeswehr gefragt ist.“ Und, falls es zu Versetzungen käme, sie eine gleichwertige Arbeit finden.

Franz Reichhold, CSU-Bügermeister aus Roding (Kreis Cham), fürchtet seit Mittwoch, wie sieben seiner Kollegen in der Region, um die Standorte der Panzerbrigade 12 mit ihren insgesamt 5000 Soldaten. Mit Sorge hat er am Mittwoch die Rede des Ministers verfolgt. „Wir haben auf eine Reduzierung auf 180 000 bis 185 000 Berufssoldaten gehofft. Nun werden es mehr – jeder Tausender bedeutet einen Standort. Ich bin echt enttäuscht.“ Im früheren Standort Mellrichstadt versucht unterdessen Jörg Streng von der Bayerischen Landessiedlung jemanden zu finden, der ins leere Kasernengebäude investieren will. Auf dem früheren Sportplatz und auf dem Schießplatz stehen inzwischen Photovoltaikanlagen.

MC

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