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Essensfotos auf Instagram: Grüner parodiert CSU-Chef – Söder sieht „größte Form von Bewunderung“

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Von: Katarina Amtmann

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Markus Söder Essen
Mit seinen Essenspost sorgt Markus Söder immer wieder für Aufsehen (Archivbild) © Daniel Karmann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Markus Söder teilt gerne Fotos seiner Mahlzeiten auf Instagram. Nun wird er von einem Grünen-Politiker parodiert, doch Bayerns Ministerpräsident nimmt es gelassen.

München - Mit #Söderisst hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder seinen eigenen Foodblog auf Instagram geschaffen. Doch dabei geht es um mehr als nur Essgewohnheiten.

Söder isst: „Idee kam von Markus Söder selbst“ - Posts haben große Fangemeinde

Als der CSU-Chef kürzlich wieder „auf langen Fahrten durch das Land“ unterwegs war, gab es für ihn „nur eine Alternative“, wie er selbst auf Instagram schrieb: Einen McRib und eine Portion Pommes. „Ich gebe zu: Mir schmeckt es sehr“, so Söder weiter. Dieser Post folgte auf viele zuvor, bei denen er seinen Followern zeigte, was bei ihm so auf den Teller kommt. Frei nach dem Motto: „Was soll ich heute essen? Salat oder Schlachtplatte?“ Allein der McRib-Post kam auf 12.800 Likes, eine Fischsemmel vor dem politischen Aschermittwoch schaffte immerhin knapp 7500.

„Die Idee zu #söderisst kam von Markus Söder selbst. Es sind immer seine Bilder und sein Essen“, erklärte einer seiner Sprecher und betonte, es seien „ganz persönliche Einblicke“. Die Essensposts haben inzwischen eine große Fangemeinde. „Viele Menschen interessieren sich auch für den Alltag hinter der Arbeit als Politiker.“

„Spargel ist mein Lieblingsgemüse“ erfahren die Follower von Markus Söder zum Beispiel. Es gibt ein Video von drehenden Brathendln, eine Schweinshaxe auf dem Volksfest Nürnberg und ein Schoko-Osterlamm in Traunstein. „Ausnahmsweise ein kräftiges Frühstück mit Eiern, Speck und Lachs“, schreibt Söder und verschweigt dabei, dass das gar keine so allzugroße Ausnahme ist. Immerhin zeigen noch mindestens zwei weitere Stillleben Eier, Speck, Toast.

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Söder isst: „Klassiker, vor allem im Bereich des Populismus“

Ernährungsexperten hätten zu den deftigen Essgewohnheiten des 56-Jährigen sicher einiges zu sagen - aber Kommunikationswissenschaftler auch. „Ein Klassiker, vor allem im Bereich des Populismus“ sei das, sagt Carsten Reinemann, Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Von „Gastropopulismus“ oder „Food populism“ sei in der Forschung die Rede, wenn Politiker thematisieren, was sie so essen.

„Ziel ist oftmals die Herstellung von Volksnähe, einer emotionalen Verbindung, man bestärkt eine gemeinsame Identität und Traditionen, ‚seht her, ich esse, was ihr esst‘“, erklärt er.

Gemeinsames Essen sei „eine anthropologische Konstante“. „Ein gemeinsames Essen signalisiert Zusammengehörigkeit, emotionale Verbundenheit, schafft Vertrauen. Deshalb lassen sich gerade Populisten auch gern beim gemeinsamen Essen mit Bürgerinnen und Bürgern ablichten.“

Trump bestellte sich Fast Food ins Weiße Haus

Und nicht umsonst werde die Nahrungsaufnahme darum von Politikern immer wieder zum Thema gemacht, sagt Reinemann. Als Beispiele nennt er den rechtsextremen brasilianischen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, den früheren US-Präsidenten Donald Trump, der sich demonstrativ Fast Food ins Weiße Haus bestellte - aber auch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und sein inzwischen beinahe ikonisches „Hol‘ mir mal ne Flasche Bier“.

„Söder isst“ als Abgrenzung zu den Grünen? Ludwig Hartmann mit Parodie

„Essen kann natürlich auch ein Mittel sein, sich vom Stereotyp des politischen Gegners abzugrenzen“, sagt Uni-Professor Reinemann. „Also im Fall der CSU vor allem von den Grünen“, die die Christsozialen gerne als „vegetarisch, vegan, freudlos“, darstellen und mit denen sie immer wieder „Insekten als Lebensmittel, vermeintliche Fleischverbote in Kitas und Kantinen“ verbinden.

Einer dieser Grünen, der Landtags-Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidat Ludwig Hartmann, zeigt im Wahlkampf, der nun langsam in seine heiße Phase geht, dass auch er dieses Spiel mitspielen kann - und parodiert Söders Kulinarik-Posts. „Heute Weißwürste mit einer reschen Breze“ schrieb er kürzlich unter ein Foto von sich, auf dem er in eine dieser Würste beißt. „Dazu ein alkoholfreies Weißbier. Weißwürste gehören einfach zu Bayern.“ Auch „#hartmannisst“.

Söder selbst nimmt die Parodie gelassen: „Nachahmung ist immer die größte Form von Begeisterung und Bewunderung.“ (kam/dpa)

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