Naturphänomen im Chiemgau

Das Geheimnis der Donnerlöcher

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Die Polizei sperrte die Gefahrenstelle sofort ab

Kienberg - Rätselhafter Chiemgau: In Kienberg reißt plötzlich die Erde auf. Schon seit langem. „Donnerloch“, nennen die Einheimischen das Phänomen. Was es damit auf sich hat, wollen Geologen aus aller Welt klären.

Kienberg ist ein idyllisches Dorf im Chiemgau mit 1400 Einwohner, einer schmucken Kirche, einem katholischen Burschenverein und einer Freiwilligen Feuerwehr. Alles ganz normal. Einerseits. Andererseits hat das Dorf ein sagenhaftes Geheimnis, Forscher aus aller Welt sind ihm auf der Spur.

In Kienberg, Kreis Traunstein, tut sich nä

Das Donnerloch, das am Freitag entdeckt wurde, ist rund sieben Meter tief und eineinhalb Meter breit

mlich manchmal die Erde auf. Aus dem Nichts reißen im Gemeindegebiet meterbreite, metertiefe Löcher auf. Und das schon seit ewigen Zeiten. Mitunter brechen Kühe ein. Bauern blieben früher mit ihren Fuhrwerken hängen. „Donnerlöcher“ nennen die Einheimischen das merkwürdige Naturschauspiel. Erst am Freitag musste die Polizei wieder ausrücken. Jemand hatte ein weiteres Loch entdeckt. „Das vierte in diesem Jahr“, sagt Ortsheimatpfleger Herbert Schiebl, der schon 110 Donnerlöcher in der näheren Umgebung dokumentiert und fotografiert hat.

Im Ort herrschte sofort Alarmstufe eins. „Zusammen mit acht Männern der Freiwilligen Feuerwehr Kienberg, die zum Absichern des Lochs, hinzugerufen wurde, begab sich die Streife der Trostberger Polizeidienststelle daraufhin zu dem Waldstück zwischen Sonnau und Viehausen“, heißt es im Polizeibericht. Was die Männer dort sahen, verschlag ihnen den Atem: Es war das tiefste Loch, das bisher entdeckt wurde.Das Rekord-Donnerloch. „Alle sind kreisrund“, sagt Heimatpfleger Schiebl. „Durchmesser: ein bis 1,20 Meter. Tiefe: zwei bis drei Meter.“ Aber das Donnerloch von Freitag ist sechs oder sogar acht Meter tief. Leicht könnte es einen Schwammerlsucher verschlucken. Die Polizei hat die Gefahrenstelle sofort großräumig abgesperrt.

In Kienberg, erzählt Heimatpfleger Schiebl, ist es auch schon vorgekommen, dass ein Weiher über Nacht plötzlich kein Wasser mehr hatte – weil sich unterm Weiher ein Donnerloch auftat. Die Einheimischen glaubten früher, dass das Gewitter direkt in die Erde fuhr. Inzwischen sind die Kienberger ihre Löcher längst gewöhnt, viele sind schon gar nicht mehr zu sehen – die Bauern haben sie sofort wieder zugeschüttet.

Seit längerem schon geben sich die Forscher im nördlichen Chiemgau die Klinke in die Hand – alle sind sie dem rätselhaften Phänomen und den besonderen geologischen Umstände auf der Spur. Manche Wissenschaftler wollen inzwischen nachgewiesen haben, dass die Donnerlöcher mit dem Einschlag des umstrittenen Chiemgau-Kometen zusammenhängt. Die Donnerlöcher, so die Theorie, sind auf schockartige Bodenverflüssigungen im Untergrund, wie man sie auch von extremen Erdbeben kennt, zurückzuführen. Andere sprechen davon, dass die Donnerlöcher Hohlräume aus der Eiszeit, sogenannte Toteislöcher, sind.

Die geologischen Voraussetzungen rund um Kienberg sind jedenfalls so speziell, dass es auch in Zukunft immer wieder zu plötzlichen Erdeinbrüchen kommen wird. In den nächsten Tagen will sich ein Geologen-Team das Rekord-Loch ganz genau anschauen. Vielleicht verbirgt es sich ja genau hier, das Donnerloch-Geheimnis von Kienberg.

Stefan Sessler

UFOs? Von wegen! Himmelsphänomene und ihre Ursachen

UFOs? Von wegen! Himmelsphänomene und ihre Ursachen

Wenn in Werner Walters Ufo-Zentrale in Mannheim das Telefon klingelt, kann er manche Himmelsphänomene ganz einfach erklären. Wir zeigen Ihnen eine Auswahl. © dpa
HALE-BOPP: Er schrieb Geschichte: Hale-Bopp war für mehrere Jahrzehnte einer der hellsten und meist beobachtesten Kometen. Erstmals wurde er am 23. Juli 1995 unabhängig voneinander von Alan Hale und Thomas Bopp in den USA entdeckt. Kometen sind Schweifsterne, die die Sonne auf Bahnen umlaufen und zum Großteil aus kleinen, locker verbundenen Staub- und Mineralienteilchen sowie Eis bestehen. © dpa
Sie können einen Durchmesser bis zu 100 Kilometern haben. Wenn der Komet ins Sonnensystem dringt, entreißt ihm der Sonnenwind Gaspartikel, und der Schweif ensteht. © dpa
POLARLICHTER: Polarlichter sind rote, grüne oder blaue schweifhafte, größflächige Lichterscheinungen, die im Bereich der Pole fast täglich vorkommen. Sie entstehen, wenn Elektronen oder andere geladene Teilchen auf die Erdatmosphäre treffen und schließlich als ein Strom in Spiralen entlang auf die Erde treffen. © dpa
Mark Vornhusen von Meteomedia: „Für gewöhnlich werden sie durch das Magnetfeld zu den Polen gelenkt. Wenn aber etwa alle 11 Jahre die Sonne ihre stärkste Aktivität hat, gerät das Magnetfeld durcheinander, und die Polarlichter können auch bei uns erscheinen – das ist übrigens in ein, zwei Jahren wieder der Fall.“ © dpa
GLÜHENDE HIMMELSSPINNE: Von der spektakulärsten UFO-Sichtung hat im November 2009 eine Lufthansa-Crew auf der Strecke zwischen Norwegen und Grönland berichtet. Ufologe Walter klärte damals auf, dass in ihrer Sichtweite der russische Spionagesatellit Kosmos 2455 gestartet war. © dpa
Eispartikel im Raketenschweif und die nur sehr niedrige Umlaufbahn von 195 Kilometern sorgten unter spezieller Beleuchtung für diese glühende Himmelsspinne. © dpa
VENUS: Ein leuchtendes rundes Objekt, das für einen Stern viel zu hell leuchtet! Wenn Augenzeugen dieses Phänomen beobachten, sei es oft die Venus, erklärt Wetterexperte Marc Vornhusen: „Ist sie nahe an der Sonne, sieht man sie nicht. In den Abend- oder ganz frühen Morgenstunden aber kann man sie hell leuchtend tief am West- beziehungsweise Ost-Horizont sehen.“ © dpa
Dieses Foto zeigt einen über Singapur © dpa
DIE ISS: Die Internationale Raumstation kreist in 350 Kilometern Höhe alle 90 Minuten um die Erde. © dpa
Wenn die ISS unsere Breiten überfliegt, erscheint laut Ufologe Werner Walter ein gelbliches Licht „etwas größer als ein Scheinwerfer“, das minutenlang von Westen nach Osten zieht. © dpa
DIE HALOS: Ein Halo (vom griechischen „Halo“ für „Mond“ oder „Sonne“) ist ein Lichteffekt, der durch Reflexion und Brechung von Licht an Eiskristallen in Cirrus-Wolken, an fallenden Schneekristallen oder im Eisnebel entsteht. © dpa
Der Effekt kann laut Vornhusen bis zu 30 unterschiedliche Formen haben. © dpa
„Je nach Form der Kristalle, nach dem Winkel, in dem das Licht auf die Kristalle trifft und nach der Windstärke entstehen am Himmels weißliche oder farbige Kreise, Bögen, Säulen oder Flecken.“ © dpa

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