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Christkindlmärkte ohne Corona-Auflagen - unerwartete Reaktionen einiger Veranstalter

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Von: Katrin Woitsch, Gabi Werner

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ein Archivbild eines Christkindlmarktes im Tegernseer Tal
Tausende Besucher kamen vor der Pandemie zu den Christkindlmärkten im Tegernseer Tal. Noch ist nicht entschieden, ob sie dieses Jahr stattfinden. © Andreas Leder

Christkindlmärkte dürfen in Bayern ohne Corona-Auflagen stattfinden. Die Nachricht hat am Mittwoch viele Organisatoren überrascht - und kommt für einige zu spät. Sie hatten bereits alles abgesagt. Andere wollen freiwillig strengere Regeln für die Besucher einführen.

Franz Urbin hat unzählige Briefe und E-Mails geschrieben. Kaum eine Woche verging, in dem er nicht mit dem Garmisch-Partenkirchner Landratsamt telefonierte. Während andere dabei waren, den Spätsommer zu genießen, drehte sich für ihn längst alles um den Advent. Denn Urbin ist Mitinitiator des Bad Kohlgruber Christkindlmarkts – und bangte darum, ob der Markt nach der Zwangspause im letzten Jahr nun wieder stattfinden kann. „Keiner konnte uns sagen, welche Regeln wir im Dezember einhalten müssen“, sagt er. „Die 3G-Kontrollen hätten wir nicht durchführen können, das wäre bei einem so großen Christkindlmarkt wie unserem viel zu viel Aufwand gewesen.“ Sie hätten einen Zaun aufbauen müssen. Und wenn es am Ende trotz aller Vorsicht zu einem Corona-Ausbruch kommt, hätten sie die Verantwortung übernehmen müssen.

Vergangene Woche haben Urbin und sein Team aufgegeben. Schweren Herzens sagten sie den Christkindlmarkt ab. Fünf Tage später verkündeten Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW), dass alle Christkindlmärkte in Bayern dieses Jahr ohne größere Corona-Auflagen stattfinden dürfen (wir berichteten). Keine Masken, keine 3G-Regel, kein Alkoholverbot. Einzige Vorgabe: die Abstände müssen eingehalten werden und es muss ein Konzept zur Besucherlenkung geben.

Ich kann nicht sagen, ob es jetzt noch möglich wäre, einen Christkindlmarkt zu organisieren.

Andrea Hübner, Geschäftsführerin des Tourismusbüros Prien am Chiemsee

Urbin traut dieser Ansage nicht, er fürchtet, dass sich die Regeln bis Dezember wieder ändern könnten. Und für Bad Kohlgrub komme die Entscheidung eigentlich zu spät, betont er. „Normalerweise stecken wir im September schon tief in den Vorbereitungen, die Kunsthandwerker arbeiten das ganze Jahr an ihrem Angebot.“ Er will sich nun noch einmal mit seinem Team zu einer Lagebesprechung treffen. Seine Hoffnung, dass sie den Markt doch noch organisieren, ist nicht groß – der Frust allerdings schon.

Für einige kleine Christkindlmärkte sind die neuen Regeln eine große Erleichterung. Die Murnauer Vereinsgemeinschaft zum Beispiel hat nach der Ankündigung am Mittwoch voller Vorfreude mit der Organisation begonnen.

Doch viele große Christkindlmärkte bleiben trotz der Lockerungen abgesagt. Der Christkindlmarkt auf der Fraueninsel im Chiemsee zum Beispiel. Für die Schiffe dorthin gelten zwar dieselben Regeln wie für den gesamten Personennahverkehr – also kein 3G. Für den Christkindlmarkt auf der Insel hatte sich die Gemeinde Prien aber für die 2G-Regelung entschieden und das bereits beschlossen. Da der Markt auf der gesamten Fläche stattfindet, gebe es keine Möglichkeit, das zu kontrollieren, erklärt Andrea Hübner, die Geschäftsführerin des örtlichen Tourismusbüros. „Wir können da keine Zäune aufstellen.“ Sie geht nicht davon aus, dass die Gemeinde ihren Beschluss nach den verkündeten Lockerungen noch einmal kippt. Und selbst wenn – der Zeitdruck wäre riesig. „Ich kann nicht sagen, ob es jetzt noch möglich wäre, den Markt doch zu organisieren.“

Wir werden uns bewusst für eine 3G-Regelung entscheiden.

Peter Rie, Veranstaltungsmanager Tegernseer Tal Tourismus GmbH

Auch am Tegernsee, wo der Adventszauber vor der Pandemie immer tausende Besucher anlockte, wollen die Gemeinden lieber auf Nummer sicher gehen. Noch steht die Entscheidung aus, es sei aber wahrscheinlich, dass sich Tegernsee, Bad Wiessee und Rottach-Egern für eine 3G-Regelung entscheiden, sagt Peter Rie, Veranstaltungsmanager der Tegernseer Tal Tourismus GmbH. Die Organisatoren könnten sich an den Eingängen Kontrollen vorstellen. Außerdem soll es eine Obergrenze von 1000 Besuchern geben, um sicherzugehen, dass die Abstände gewahrt werden.

Früher bestand der Reiz des Tegernseer Adventszaubers vor allem darin, dass die Besucher per Pendelschiff oder Shuttlebus alle drei Märkte besuchen können. Das wird dieses Jahr in keinem Fall möglich sein, bedauert Rie. Und sollten die Infektionszahlen bis zum Advent deutlich steigen, könnte es auch sein, dass die Märkte im Tegernseer Tal doch noch komplett abgesagt werden.

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