Kapitän und Lebensretter

Bayerischer Kapitän der „Lifeline“ vor Gericht - das ist das Urteil

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Claus-Peter Reisch.

Tausende Tote im Mittelmeer - der Kapitän der „Lifeline“, der Bayer Claus-Peter Reisch, will das verhindern. Nun fällte ein Gericht auf Malta ein Urteil.

Update vom 14. Mai 2019: Der deutsche Kapitän des privaten Flüchtlings-Rettungsschiffs "Lifeline", Claus-Peter Reisch, ist in Malta zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Reisch müsse 10.000 Euro an örtliche Hilfsorganisationen zahlen, sagte Axel Steier, Mitgründer des Dresdner Seenotrettungsvereins Mission Lifeline, der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag. Die Organisation kündigte an, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Grüne und Linke in Deutschland kritisierten das Urteil scharf.

Das maltesische Gericht sah es den Angaben zufolge als erwiesen an, dass die "Lifeline", die unter niederländischer Flagge fuhr, nicht ordnungsgemäß registriert war. Der Kapitän stand seit Juli 2018 in Malta vor Gericht.

Die "Lifeline" hatte im Juni 2018 vor der libyschen Küste 234 Flüchtlinge gerettet und war danach tagelang über das Mittelmeer geirrt, weil Italien und Malta dem Schiff ein Anlegen verweigert hatten. Schließlich durfte das Schiff in Malta vor Anker gehen, der Kapitän wurde jedoch festgehalten und von der Polizei vernommen.

Reisch kündigte an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. "Es kann nicht sein, dass wir ein Registrierungspapier haben, das circa 25.000 andere Schiffe, die in Holland registriert sind, ebenso besitzen, und ausgerechnet unseres nicht gelten sollte", sagte er dem Bayerischen Rundfunk am Dienstag. Das Urteil sei "mehr oder minder politisch motiviert". Auch Steier sprach von einem "politischen Prozess", der nichts mit einem Rechtsstaat zu tun habe.

Die Seenotrettung sieht der Kapitän durch das Urteil nicht in Frage gestellt. Der Richter habe betont, dass das Retten von Menschenleben Pflicht und nicht kriminell sei, sagte Reisch dem Bayerischen Rundfunk. Eine "gewisse abschreckende Wirkung" sei aber wohl gewollt. Die Zivilgesellschaft solle sich davon nicht einschüchtern lassen: "Ein gewisser ziviler Ungehorsam ist dringend notwendig", sagte Reisch.

Die "Lifeline" durfte während der Dauer des Prozesses nicht aus dem Hafen von Valletta auslaufen. Das Schiff einsatzbereit zu halten, kostet Steier zufolge pro Tag 500 Euro. Die Organisation habe jedoch ein Ersatzschiff gekauft, das ab Juni im Mittelmeer unterwegs sein soll, sagte Steier der Nachrichtenagentur AFP.

Bayerischer „Lifeline“-Kapitän vor Gericht

Update vom 13. Mai 2019: Im Prozess gegen den Kapitän eines Migranten-Rettungsschiffes der Hilfsorganisation Mission Lifeline soll am Dienstag (11.00 Uhr) auf Malta das Urteil fallen. Claus-Peter Reisch aus Landsberg am Lech wird vorgeworfen, vergangenen Sommer ein nicht ordnungsgemäß registriertes Boot gesteuert zu haben.

Reisch hatte im Juni 2018 mit dem Schiff „Lifeline“ vor Libyen rund 230 Migranten aus dem Mittelmeer geborgen. Tagelang wurde das Schiff blockiert, das unter niederländischer Flagge fuhr. Es durfte erst in Malta anlegen, nachdem mehrere EU-Staaten zugesagt hatten, die Flüchtlinge aufzunehmen. Das Schiff darf seitdem nicht auslaufen. „Wir hoffen natürlich auf einen Freispruch - und auf die Rückgabe unseres Schiffes“, sagte Lifeline-Sprecher Axel Steier.

Private Seenotretter sehen hinter den juristischen Ermittlungen eine politische Kampagne, um die Rettung von Migranten zu erschweren und NGOs zu kriminalisieren.

“Kann die doch nicht ertrinken lassen“: Dieser Bayer steuert das Flüchtlingsschiff „Lifeline“

München - Das Mittelmeer als Massengrab: Allein heuer sind bereits rund 1000 Flüchtlinge darin ertrunken. Ohne die Rettungsschiffe der Hilfsorganisationen wäre die Zahl der Opfer noch viel höher. Dennoch wird die Kritik an den sogenannten NGOs – die Abkürzung steht für non-governmental organizations – immer größer. Italien und Frankreich werfen diesen Nichtregierungsorganisationen vor, den kriminellen Schleusern in die Hände zu spielen.

“Man kann die doch nicht ertrinken lassen“

Sie seien ein „Taxi-Dienst für Schlepper und Migranten“, wettert Italiens neuer Innenminister Matteo Salvini. Ein Vorwurf, den Claus-Peter Reisch scharf zurückweist. Der ehrenamtliche Kapitän steuert das deutsche Rettungsschiff Lifeline, das seit Tagen im Brennpunkt des Geschehens im Mittelmeer steht. Auf Malta wurde er mehrfach verhört, weil er sich angeblich über die Anweisung der italienischen Behörden hinweggesetzt und vor der libyschen Küste Flüchtlinge aus dem Meer gefischt hatte. Wir erklären, was den Lebensretter aus Landsberg am Lech umtreibt.

Lesen Sie auch: Nach dramatischem Hilferuf: Deutsches Schiff mit Migranten darf in Malta anlegen

Vor 14 Jahren machte Reisch auf dem Starnberger See seinen Jachtschein. Aber erst im Winter 2016 kam er auf die Idee, mit einem erweiterten Patent als Hochsee-Kapitän auf einem Flüchtlingsschiff anzuheuern. Tief berührt von den Dramen, die sich damals bereits auf dem Mittelmeer abspielten, kam er zu einem simplen Schluss: „Man kann die doch nicht einfach so ertrinken lassen.“ 

Er will nicht auf eine Stufe mit Schleusern gestellt werden

Dann nämlich, so der 57-Jährige weiter, würde man sich auf eine Stufe stellen mit den Schleusern, die menschenverachtend die Verzweiflung der Flüchtlinge ausnutzen. „Die Schlauch- oder Holzboote, die sie zur Flucht über das Mittelmeer nutzen, sind One-Way-Boote, also von der Beschaffenheit her nicht zur Wiederkehr oder gar für eine sichere Ankunft ausgerüstet: Die haben drei Benzinkanister dabei, die keineswegs für die 200 Seemeilen ausreichen, die zurückgelegt werden müssen“, sagte Reisch der Augsburger Allgemeinen.

Inzwischen ist Reisch, der eine Firma im Installations- und Sanitärbereich betreibt, auf seiner fünften Rettungsmission unterwegs – ehrenamtlich, wie er betont. Flug und Ausrüstung bezahlt er selbst.

Reisch wird vor Gericht gestellt

Nun soll Reisch vor Gericht gestellt werden: Verfehlungen im Zusammenhang mit der Registrierung des Schiffes wird ihm vorgeworfen, wie der maltesische Rechtsbeistand Neil Falzon der Dresdner Organisation Mission Lifeline am Donnerstag mitteilte. Gerichtstermin sei am Montag.

Der Lifeline-Kapitän hat ein neues Schiff. Mit der „Eleonore“ hat er bereits rund 100 weitere Menschen vor dem Ertrinken gerettet. Doch nun hängt auch sein Schiff vor der Küste Italiens fest. Er darf nicht anlegen. Das nächste Drama in der Diskussion um die Seenotrettung droht

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