"Sehen keine andere Lösung"

Kaufland schmeißt Massen von Pfandflaschen weg

+
Hinterm Tölzer Kaufland werden Pfandflaschen in einem riesigen Container einfach entsorgt.

Bad Tölz - Ein riesengroßer Container, bis oben hin voll mit Pfandflaschen: So steht er hinter dem Kaufland in Bad Tölz. Die Flaschen werden dort einfach weggeworfen - und damit geht nicht nur das Pfandgeld verloren.

Achim Rücker traut seinen Augen nicht: Hinterm Tölzer Kaufland bemerkte der Ortsvorsitzende des Bund Naturschutz einen riesigen Container, in dem Pfandflaschen einfach entsorgt werden – offenbar nicht zum ersten Mal.

Wer seine Mehrwegflaschen zurück in den Supermarkt trägt, will der Umwelt etwas Gutes tun und geht davon aus, dass die Flaschen wiederbefüllt werden. Diplom-Biologe Rücker war deswegen entsetzt, als er entdeckte, dass das beim Tölzer Kaufland nicht der Fall ist. „Hinter dem Supermarkt steht ein großer Container, in dem massenhaft Glas-Pfandflaschen entsorgt werden“, berichtet er. „Warum wirft das ,Kaufland‘ diese Flaschen weg?“, fragt er. „Sie stellen doch einen erheblichen Wert dar. Sie werden wohl im Altglas landen. Aber die Wiederbefüllung ist doch viel umweltfreundlicher.“

Der Container steht hinter dem Kaufland in Bad Tölz.

Auf Anfrage des Tölzer Kurier bestätigt Kaufland-Sprecherin Andrea Kübler, dass das Leergut aus dem Container entsorgt wird. „Das tut uns wirklich weh, aber wir sehen keine andere Lösung.“, Die Pressesprecherin erklärt, wie es zu dieser unguten Situation kommt. „Wir verkaufen Pfandflaschen auch einzeln und in Sixpacks. Wenn die zurückgegeben werden, müssen wir sie aber in Trägern sammeln, damit die Brauereien sie zurücknehmen.“ Doch genau hier hake es: „Wir bekommen seit vielen Wochen keine leeren Träger mehr von den Brauereien, und irgendwann sind unsere Lagerkapazitäten für leere Flaschen einfach erschöpft.“ Deshalb werde das Leergut nun in Containern gesammelt und dann zum Recycling gebracht. Kübler bestätigt, dass das Unternehmen damit die ausbezahlten Pfandgelder verliert. „Wir haben am Standort Bad Tölz weder die Infrastruktur noch den Platz, um lose Flaschen über einen längeren Zeitraum zu sammeln und zu sortieren.“

Reiner Späth, Geschäftsführer des landkreiseigenen Abfallentsorgers WGV, bewertet das Vorgehen bei Kaufland kritisch. „Natürlich gibt es mal Engpässe, und auch die Brauereien entsorgen Leergut, das nicht mehr verwendet werden kann.“ Allerdings sei es nicht „im Sinne des Erfinders“, wenn ein Mehrweg- kurzerhand zum Einwegsystem erklärt werde.

Zudem widerspricht August Maerz, Vorstandsvorsitzender der Klosterbrauerei Reutberg, Küblers Darstellung, es mangele an Trägern. „Von Engpass keine Spur“, erklärt Maerz. Leere Tragl habe man meterweise herumstehen. Wenn Verbrauchermärkte diese anfordern, würden die Träger umgehend angeliefert. „Die Märkte füllen die dann mit Flaschen auf und bekommen von uns das Pfand.“

"Das tut uns wirklich weh, aber wir sehen keine andere Lösung", sagt die Sprecherin des Kauflands.

Ein Branchen-Insider aus dem Brauereiwesen, der nicht namentlich genannt werden möchte, berichtet, er habe schon öfter erlebt, dass Märkte Leergut übers Recycling entsorgen. „Wenn ein Markt zu einer Kette gehört und zentral beliefert wird, dann müssten auch die leeren Bierträger zentral ausgeliefert werden“, sagt er. Doch der Platz in den Transportern müsse aus Kostengründen mit Ware gefüllt werden. „Die können es sich nicht leisten, in ihrem Sattelzügen Ware, die Geld bringt, stehen zu lassen und ein paar Paletten mit leeren Trägern herumzufahren“, erklärt er. Hinzu kommen noch die Kosten für die Logistik, zig verschiedene Flaschen zu sortieren und separat zu lagern, bis sie abgeholt werden. „So seltsam das klingt, aber es rechnet sich für die Unternehmen, auf das Pfand zu verzichten und das Leergut lieber als Altglas zu entsorgen.“ Von einem Engpass bei Bierträgern habe er nichts gehört.

„Im Sommer haben die Brauereien noch aufgerufen, Leergut zurückzugeben, damit wieder abgefüllt werden kann, und hier werden Pfandflaschen systematisch vernichtet“, empört sich Rücker. Einen Verstoß gegen geltendes Gesetz kann Franz Steger, Chef der Unteren Naturschutzbehörde im Tölzer Landratsamt, beim Vorgehen von „Kaufland“ aber nicht feststellen. „Es gibt ja leider immer wieder Menschen, die Pfandgut einfach entsorgen. Das ist unschön aber kein Verstoß.“ 

Jens Hendryk Dässler

 

Sie haben gewählt: Die Lieblings-Biermarken der Münchner

Sie haben gewählt: Die Lieblings-Biermarken der Münchner

Auch interessant

Meistgelesen

Sirenen: Heute um 11 Uhr Probealarm in Bayern
Sirenen: Heute um 11 Uhr Probealarm in Bayern
Bildungsalarm: Niveau bei Grundschülern sinkt, nur Bayern sticht hervor
Bildungsalarm: Niveau bei Grundschülern sinkt, nur Bayern sticht hervor
Ungewöhnlicher Protest: Zombie-Walk vor H&M
Ungewöhnlicher Protest: Zombie-Walk vor H&M
Tödliches Überholmanöver in Rosenheim: Angeklagter erhält Führerschein zurück
Tödliches Überholmanöver in Rosenheim: Angeklagter erhält Führerschein zurück

Kommentare