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Corona in Bayern: Bund beschließt 2Gplus-Regel für Gastronomie - Söder wählt Sonderweg für Freistaat

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Von: Cornelia Schramm

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Fortan gilt für Gaststätten bundesweit 2G plus. Der Freistaat hält den Beschluss aber für kritisch und zieht vorerst nicht mit. Bayerns Wirte atmen auf – viele hatten bereits noch mehr Einbußen befürchtet.

München – Den Stephanskeller hat Michael Dördelmann schon seit Monaten nicht mehr aufgesperrt – der Festsaal für 220 Personen hält im Bräustüberl Weihenstephan (Kreis Freising*) Winterschlaf. Gezwungenermaßen. „Wegen der 2G-Regel sind wir nur halb so stark ausgelastet wie sonst“, sagt Dördelmann. „Die Messen, Weihnachtsfeiern und privaten Feste wurden alle abgesagt.“ Und selbst am Freitag, am Brückentag, gab es mittags nicht eine Reservierung. „Die Gäste halten sich zurück. Mit 2G plus würde das ja noch schlimmer werden.“

Das Plus, schon lange Schreckgespenst für Betriebe wie das Bräustüberl Weihenstephan, haben Bund und Länder gestern beschlossen: Wer noch kein drittes Mal geimpft ist, muss künftig beim Restaurantbesuch einen tagesaktuellen, negativen Schnelltest vorlegen – zusätzlich zum Impfzertifikat und Personalausweis. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder* (CSU) sieht den Beschluss aber skeptisch: Hier seien anders als in anderen Bundesländern bereits seit längerem Bars, Kneipen und Diskotheken geschlossen – daher müsste zuerst geprüft werden, ob 2G plus überhaupt notwendig sei.

Gastronomie: Bayern geht Sonderweg - bundesweit gilt sonst 2Gplus-Regel

Bald die Hälfte der geimpften Bayern beträfe die Regel nicht – 40,5 Prozent sind immerhin schon geboostert. Für Dördelmann zählt aber auch der Rest. „Für uns ist das nur ein Zettel mehr, den wir kontrollieren müssten“, so der 56-Jährige. „Vielen wird es aber zu viel Aufwand sein, sich für einen Kaffee oder ein Feierabendbier testen zu lassen.“ Nach den Veranstaltungen falle dann auch noch die Laufkundschaft weg.

Diese Sorge teilt auch Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes. Sie fürchtet, dass das Plus zum Todesstoß für viele Betriebe werden könnte. „Ihre finanziellen Reserven sind aufgebraucht. Mit 2G plus rentiert sich für viele doch das Öffnen in den schwachen Umsatzmonaten gar nicht mehr“, sagt sie. Der Dezember habe gezeigt, dass sich dank 2G-Regel* und Abstandsgebot in der Gastronomie an der Inzidenz nicht viel verändert habe. „Auch da war die Panik doch vorher groß – völlig unbegründet“, sagt Inselkammer.

Impfzertifikat und Ausweis der Gäste kontrolliert Michael Dördelmann vom Bräustüberl Weihenstephan – und in Bayern bleibt es vorerst auch bei 2G.
Impfzertifikat und Ausweis der Gäste kontrolliert Michael Dördelmann vom Bräustüberl Weihenstephan – und in Bayern bleibt es vorerst auch bei 2G. © Rainer Lehmann

Aus Furcht vor erneuten Betriebsschließungen und einer Entlassungswelle lehnt Inselkammer die potenzielle Verschärfung daher strikt ab. „2G reicht aus. Das Plus wäre für Gäste doch nur eine weitere Hemmschwelle“, sagt sie. „Zudem klingt das wie: Vorsicht, bitte nicht in die Gastronomie gehen – da ist es gefährlich.“ Das Gegenteil sei doch der Fall: „Wenn sich die Leute nicht bei uns treffen, treffen sie sich im Privaten.“

Gaststättenverband und Wirte atmen auf: 2Gplus-Regel kommt vorerst nicht

Das befürchtet Dördelmann ebenso wie Andreas Fischer vom Mohrenplatz Wirtshaus in Garmisch-Partenkirchen*. „Im Ort wird oft bis drei Uhr nachts gefeiert – in Privathäusern“, erzählt er. „Da hilft eine Gastro-Sperrstunde nichts, wenn die, die nicht mehr zu uns dürfen, so zusammenkommen.“ Gleiches gelte für 2G plus – trotzdem will Fischer zuversichtlich bleiben. „Es hilft nichts: Entweder macht man das als Wirt mit oder sperrt zu.“ Letzteres ist für den 64-Jährigen und seine 30 Angestellten keine Option. „Wir sind alle geimpft und testen uns regelmäßig. Ich glaube auch, dass alle, die sich zweimal haben impfen lassen, sich auch die Drittimpfung holen.“

Bis alle den Booster* haben, wird es noch ein paar Wochen dauern. „2G plus könnte zwar das Januarloch etwas verstärken, würde für uns auf Dauer aber wohl nicht viel verändern.“ Trotzdem hat auch er gestern aufgeatmet, als Fischer erfuhr, dass Bayern ausnahmsweise einen milderen Sonderweg einschlagen will. Ständig neue Regeln – natürlich verunsichere das die Gäste, so Fischer. „Wir als Betrieb müssen Sicherheit vorleben und nicht bloß vorgaukeln – dann kommen auch die Leute.“ Selbst, wenn das „Plus“ doch noch kommen sollte. (cos) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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