Drosten: „In vielen Fällen unnötig“

Booster-Impfung gegen Corona: Wann ist sie sinnvoll und für wen? Ein Experte aus Würzburg klärt auf

Eine Spritze wird vor den Schriftzug „Impfung“ gehalten.
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Ist die dritte Spritze wirklich sinnvoll? Experten klären auf.

Die Drittimpfungen gegen Corona sind in Deutschland angelaufen. Aber sind sie sinnvoll? Die Meinungen gehen auseinander - Experten klären auf.

München - Die Impfkampagne stagniert bereits seit Wochen. Und während fast 35 Prozent der Deutschen noch nicht den vollständigen Impfschutz genießen - und mehr als 30 Prozent nicht einmal die erste Dosis erhalten hat, nimmt ein anderes Thema Fahrt auf: Die Drittimpfungen gegen Corona* laufen an. Für viele Menschen ist das Thema Booster-Impfungen noch mit vielen Fragezeichen versehen: Wann ist der dritte Piks sinnvoll und für wen?

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Corona: Wann ist die Drittimpfung sinnvoll - und für wen? 

Noch herrscht viel Verwirrung um das Thema Drittimpfung. Trotzdem werden seit September in der ganzen Bundesrepublik bereits Auffrischungsimpfungen verabreicht. Virologe Christian Drosten hält diese in vielen Fällen für „unnötig“. Vor allem bei gesunden Menschen ist er skeptisch, ob eine Drittimpfung tatsächlich notwendig ist. Er begründet das damit, dass die Schutzwirkung der Corona-Vakzine „besser ist, als beispielsweise bei den Influenza-Impfstoffen“. Zudem vermutet Deutschlands führender Virologe, dass so bald keine neue Mutation des Coronavirus auftauchen wird, die den Impfschutz umgehen kann und resistent gegen die Vakzine von Biontech/Pfizer* und Co ist.

Bei manchen Bevölkerungsgruppen sieht Drosten die Lage anders: alte Menschen und Risikopatienten könnten von einer Drittimpfung profitieren. Eine Infektion mit dem Coronavirus könnte für sie sonst tödlich enden. Derzeit werden in Bayern ausschließlich besonders gefährdete Personengruppen zum dritten Mal geimpft. Grundsätzlich wird für die Auffrischungsimpfungen dieselbe Reihenfolge erwartet wie beim ersten und zweiten Piks - weil eine Auffrischung ganz grundsätzlich erst frühestens nach sechs Monaten* sinnvoll ist.

Laut einer aktuellen Studie ist die Drittimpfung für viele sinnlos (Video)

Drittimpfung gegen Corona: Professor aus Bayern sieht Senioren und Risikopatienten besonders gefährdet

Professor Oliver Kurzai vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg* sieht das ähnlich. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk sagt er, dass er die Impfung erst einmal für Menschen mit besonderem Risiko empfehlen würde. „Die Risikoaltersgruppe ab 80 Jahren sicher, ab 70 Jahren wahrscheinlich und vielleicht ab 60 Jahren in manchen Fällen“, sagt er. Derzeit würden Wissenschaftlern und Ärzten noch nicht viele Daten zur Wirksamkeit einer Drittimpfung vorliegen.

Auch nicht dazu, wann der optimale Zeitpunkt für die Auffrischung ist. Viele Menschen - unter anderem der Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger - setzen auf Antikörpertests. Die sieht Mikrobiologe Kurzai kritisch: „Es gibt keinen Antikörpertest der Welt, der sagen kann: ‚Ja, Sie brauchen eine dritte Impfung‘ oder ‚nein, Sie können noch warten‘.“ Sogenannte Antikörper sind Moleküle im menschlichen Körper, die zum Immunsystem gehören. Sie bekämpfen Erreger, Viren und andere „feindliche“ Moleküle - so wie das Coronavirus.

Kurzai glaubt nicht, dass eine Drittimpfung zu einem späteren Zeitpunkt dramatische Folgen haben wird. „Auffrischungsimpfungen nach zwei oder drei Jahren werden genauso wirksam sein wie die nach sechs Monaten“, sagt er dem BR. Derzeit sei unklar, wann der optimale Zeitpunkt dafür ist. „Man verpasst nichts, wenn man jetzt wartet, bis zuverlässige Daten da sind“, sagt der Würzburger.

Impfkampagne in Deutschland stagniert - Drittimpfungen gegen Corona laufen aber bereits

Dass bald noch verlässlichere Berichte über die Wirksamkeit der Drittimpfungen vorliegen, gilt als wahrscheinlich. In den USA beispielsweise sind die Auffrischungen schon in vollem Gange. Jeder Amerikaner hat die Möglichkeit, sich diese geben zu lassen. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek berichtete kürzlich, dass die Drittimpfungen auch in Bayern erfolgreich angelaufen sind. Die Biontech-Gründer Özlem Türeci und Ugur Sahin halten eine Booster-Impfung für nötig*, um sogenannte Impfdurchbrüche zu vermeiden. Darunter versteht man Erkrankungen und schwere Verläufe, die trotz einer erfolgten Zweitimpfung auftreten. Sahin und Türeci erklären sie mit einer nachlassenden Wirkung des Vakzins. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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