1. tz
  2. Bayern

Lage auf Bayerns Intensivstationen angespannt: „Massive Überlastungssituation“

Erstellt:

Von: Katarina Amtmann

Kommentare

Krankenhäuser
Die Lage in Bayerns Krankenhäusern ist angespannt. © Waltraud Grubitzsch/dpa

Die Situation auf Bayerns Intensivstationen bleibt angespannt. Müssen mittlerweile bereits Patienten abgewiesen werden? Ein Intensivmediziner erklärt die Situation.

München - Die Corona*-Zahlen steigen drastisch an. Bayern hat deshalb den Katastrophenfall ausgerufen.* Viele Intensivbetten sind belegt - wie ist aktuell die Lage? Müssen Kranke und Verletzte abgewiesen werden?

Angespannte Corona-Lage in Bayern - Intensivmediziner erklärt aktuelle Situation

Die Lage auf den Intensivstationen im Freistaat ist angespannt. Die Zahl der Corona*-Infektionen steigt weiter rasant an - auch die Todesfälle haben sich vervielfacht. Planbare Operationen werden mittlerweile verschoben, Patientinnen und Patienten verlegt. Der Nürnberger Intensivmediziner Stefan John, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin, erklärt die Situation.

(Übrigens: Unser Bayern-Newsletter informiert Sie über alle wichtigen Geschichten aus dem Freistaat. Melden Sie sich hier an.)

Frage: Stehen die Intensivstationen schon vor einer Triage - muss also eine Auswahl getroffen werden?

Nürnberger Intensivmediziner Stefan John: „Wir sind sicherlich nicht in einer Triage-Situation, dass wir uns entscheiden müssten, wen wir noch behandeln und wen nicht. Aber wir sind tatsächlich in einer massiven Überlastungssituation, sodass viele Patienten verlegt werden müssen, dass viele vielleicht nicht ganz so schnell behandelt werden können, wie es normalerweise der Fall ist. Für die Notärzte ist es oft sehr, sehr schwer überhaupt einen Platz auf einer Intensivstation zu finden. Sie müssen viel rumtelefonieren, vielleicht auch längere Strecken fahren, weil sie in ein anderes Haus umgeleitet werden. Und bei einem Herzinfarkt zum Beispiel kann jede Zeitverzögerung Leben kosten.“

Lage auf Bayerns Intensivstationen - Corona, Delta, Erkältungswelle und Personalmangel

Frage: Wie ist die Zuspitzung auf den Intensivstationen im Vergleich zu den früheren Wellen zu erklären?

John: „Wir haben eine große Zahl von Ungeimpften. Das sind immer noch deutschlandweit zwischen 15 und 18 Millionen, bei denen die Infektion ungebremst ablaufen kann. Dazu haben wir mit Delta eine Variante, die infektiöser ist. Und wir haben momentan kaum Gegenmaßnahmen der Politik, es ist auch wenig Bereitschaft in der Bevölkerung sich wieder einzuschränken. Dazu kommt, dass die Geimpften keinen sicheren Schutz mehr haben. Gerade in der Situation mit enorm hoher Inzidenz sind auch die Geimpften mehr gefährdet. Dazu schieben wir seit vielen Jahren einen Personalmangel vor uns her, der sich im letzten Jahr massiv verstärkt hat. Wir haben momentan auch noch mit einer heftigen Erkältungswelle zu kämpfen, die nicht nur die Patienten, sondern auch das Personal trifft.“

Katastrophenfall in Bayern: Wird die 2G-Regel bald ausgeweitet?

Frage: Wie ist aktuell die Stimmung auf den Intensivstationen?

John: „Es gibt natürlich noch unverdrossene Kämpfer. Aber insgesamt ist nach der langen Zeit die Stimmung wirklich schlecht, vor allem beim Pflegepersonal. Es sind natürlich auch die, die am Bett stehen, die immer wieder im Vollschutz schwitzend stundenlang den Patienten betreuen müssen. Wenn dann ungeimpfte Patienten kommen, ist der Unmut oft groß, weil es eben vermeidbar gewesen wäre.“ (kam/dpa)*Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare