Bald an jedem Wertstoffhof?

Wohin mit dem Corona-Müll? Bayerische Forscher haben Methode zum Recycling von Masken entdeckt

Forscher des Fraunhofer-Instituts haben eine Methode entwickelt, gebrauchte OP- und FFP2-Masken zu recyceln.
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Forscher des Fraunhofer-Instituts haben eine Methode entwickelt, gebrauchte OP- und FFP2-Masken zu recyceln.

Sie werden meist nur einmal getragen und verschlingen Unmengen an Rohstoffen - Corona-Masken. Forscher aus Bayern haben jetzt eine Methode entwickelt, sie zu recyceln.

Sulzbach-Rosenberg - Seit fast über eineinhalb Jahren ist sie ständiger Begleiter im Alltag - die Maske. Zunächst tat es eine selbstgeschneiderte Stoffmaske. Dann wurde auf den OP-Mundschutz oder wie in Bayern auf die FFP2-Maske* umgestellt. Der Nachteil an den Einwegmasken ist jedoch: sie landen täglich zu Abertausenden im Müll. Nicht nur eine Belastung für die Umwelt, sondern auch eine Ansteckungsgefahr für die Mitarbeiter in den Müllentsorgungsbetrieben.

Forscher können aus alten Corona-Masken Rohstoffe für neue gewinnen

Forscher des Fraunhofer-Instituts im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg (Landkreis Amberg-Sulzbach*) haben eine Methode erfunden, wie man der Müllflut Herr werden kann. Sie haben das sogenannte „iCycle“-Verfahren entwickelt, schreibt der BR. Damit können Masken, aber auch spezielle Kunststoffe, besser recycelt werden. Funktionieren soll das Ganze mit einem Pyrolysereaktor. Dieses futuristisch anmutende Gerät steht derzeit noch auf dem Campus des Fraunhofer UMSICHT Geländes in Sulzbach-Rosenberg. Aber sollte sich die Methode als geeignet durchsetzen, könnte so eine Schiffscontainer-große Maschine bald an jedem Wertstoffhof zu finden sein.

Bei dem „iCycle-“Verfahren wird aus den gebrauchten Masken sogenanntes Pyrolyseöl hergestellt. Dabei wird ihnen zuerst der Sauerstoff entzogen. Sie werden dann auf 650 Grad erhitzt - aber nicht verbrannt. Unter Druck und Hitze wird der Kunststoff in den Masken gespalten und geschmolzen. Positiver Nebeneffekt - das Coronavirus* kann diese Prozedur nicht überleben. Am Ende können aus dem so gewonnen Öl wieder neue Masken produziert werden. „Die Qualität des gewonnenen Öls ist dabei so gut, dass daraus sogar Medizinprodukte hergestellt werden können“, erklärt Alexander Hofmann, Abteilungsleiter Kreislaufwirtschaft am Fraunhofer UMSICHT, dem BR. Generell ist Deutschland bei der Masken-Versorgung der Bevölkerung auch nicht mehr so abhängig von China. In Eichenzell stellt eine deutsche Firma* den Vlies für FFP2-Masken her, wie die Fuldaer Zeitung berichtet.

So entsorgt man Corona-Masken richtig (Video)

Schwer recycelbare Kunststoffe können mit der Methode auch wiederverwertet werden

Ein weiterer Vorteil der Methode ist, dass auch andere Kunststoffe, beispielsweise von alten Elektrogeräten, so recycelt werden können. Solche Materialien können bisher sehr schlecht recycelt werden, da häufig gefährliche Flammschutzmittel verarbeitet wurden. Auch faserverstärkte Kunststoffe aus Glas oder Carbonfaser - wie aus dem Autobau - können so wiederverwertet werden. Das so erzeugte Öl habe dann vergleichbare Eigenschaften wie Erdöl, so Hofmann.

Solch ein „iCycle“-Container könnte zukünftig an jeder Müllverbrennungsanlage stehen, glaubt Hofmann. Aber nicht jeder Plastikmüll könne mit der neuen Methode recycelt werden. „Manchmal ist das mechanische Recycling einfach effektiver“, so der Forscher. Der Pyrolyseprozess sei aber eine gute Ergänzung zu den bisherigen Verfahren. (tel) *Merkur.de/bayern und Fuldaer Zeitung ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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