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Unsinns-Maßnahmen der Politik bringen Chaos an Schulen: Gaga-Regeln bei Quarantäne und Tests

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Von: Dirk Walter, Klaus Rimpel

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Nun ist es die Omikron-Welle, mit der die Nation und damit auch die Schulen zu kämpfen haben
Nun ist es die Omikron-Welle, mit der die Nation und damit auch die Schulen zu kämpfen haben. © Markus van Offern/Imago

Wenn sich politische Entscheidungsträger verheddern, blicken immer weniger Menschen durch. Wir erläutern drei sinnbefreite Corona-Regeln, die in Schulen für Unmut sorgen.

München - Zwei Jahre leben wir jetzt mit dem Coronavirus. Und trotz dieser Erfahrung mit der Pandemie gibt es immer noch politische Entscheidungen, die wegen ihrer Unsinnigkeit die Bürger in Wallung bringen. Vor allem an Bayerns Schulen sorgt das derzeit wieder für Ärger. Wir beleuchten drei aktuelle Gaga-Corona-Regeln.

Schul-Quarantäne: Gesundheitsämter können Vorgaben nicht umsetzen

„Gut gemeint, aber de facto katastrophaler Unsinn“ – der Chef der Bayerischen Direktorenvereinigung, Walter Baier, kritisiert eine neue Quarantäne-Bestimmung des bayerischen Kultusministeriums scharf. In einem der berüchtigten kultusministeriellen Schrei­ben (KMS) hatte der Amtsleiter des Ministeriums, Stefan Graf, vergangene Woche eine „Anpassung“ der Quarantäne-Regelung angeordnet. Demnach sind im Fall eines positiv getesteten Schülers nicht mehr die Schulleiter, sondern die Gesundheitsämter für eine Quarantäne-Anordnung zuständig.

Die Schulleiter sollen enge Kontaktpersonen, Banknachbarn etwa, des betroffenen Schülers mit Name und Adresse an das Gesundheitsamt weiterleiten und auf Antwort warten. Das indes kann dauern – die Gesundheitsämter sind überlastet. Bis dahin bleiben die Kontaktpersonen in der Schule. Das gilt selbst dann, wenn in einer Klasse mehrere positive Fälle auftreten.

Falls Luftfilteranlagen im Klassenraum vorhanden seien, könne eventuell auf Quarantäne ganz verzichtet werden – auch darüber entscheide aber das Gesundheitsamt. Baier kritisiert die Vorgehensweise als umständlich und bürokratisch. „Unser Gesundheitsamt hat uns gleich geschrieben, dass es das ganz sicher nicht umsetzen wird.“ Von anderen Schulen habe er Ähnliches gehört.

An einigen Schulen wurden nach unseren Informationen aufgrund mehrerer Positiv-Fälle schon ganze Klassen in Quarantäne geschickt – auf die offizielle Erlaubnis des Gesundheitsamts hat man lieber nicht gewartet. Vermutlich habe das Ministerium die Schulen entlasten wollen – aber nicht bedacht, dass es damit die Gesundheits­ämter überfordere, meint Baier. „Die alte Regelung war eigentlich vernünftig, jetzt ist nur neue Unruhe entstanden.“

Infektionszahlen: PCR-Tests gehen aus - Die Wahrheit, warum Kinder öfter positiv sind

Etliche Eltern haben inzwischen die an der Schule durchgeführten Pool-Tests ihrer Kinder als „im Labor nicht auswertbar“ ohne Ergebnis zurückerhalten. „Für den Fall, dass ein Pool nicht ausgewertet werden kann, erfolgt am nächsten Tag ein Antigen-Selbsttest in der Schule“, erklärte dazu ein Ministeriumssprecher. Trotz der Labor-Engpässe will Bayern sein System von Pool-Tests bei Grund- und Förderschulkindern „so lange wie möglich“ aufrechterhalten.

Weil die PCR-Tests knapp werden, weiß niemand so genau, ob die derzeitigen Infektions-Rekordzahlen aussagekräftig sind. Auffällig ist, dass laut Robert-Koch-Institut (RKI) das Virus besonders stark bei unter 14-Jährigen kursiert, wo die Sieben-Tage-Inzidenz* bei knapp 2600 liegt. Dass Menschen ab 60 Jahren bisher weniger als 300 Ansteckungen pro 100.000 Einwohner aufweisen, könnte schlicht mit der Testhäufigkeit zusammenhängen, da Schüler ja regelmäßig getestet werden.

Genesenen-Status: „Blindflüge“ und „politisch nicht nachvollziehbare Entscheidungen“

Auch der Ärger um die Hopplahopp-Verkürzung des Genesenen-Status von sechs auf drei Monate geht weiter (wir berichteten). Die Entscheidung sei aus wissenschaftlicher Sicht „nicht nachvollziehbar“, Genesene sollten Geimpften gleichgestellt werden, fordert der Immunologe Carsten Watzl. Auch der Virologe Hendrik Streeck, Berater der Bundesregierung, fordert, Genesene mit Geimpften gleichzustellen.

Zwei Jahre nach Beginn der Pandemie (zur Themenübersicht*) weiß niemand in Deutschland halbwegs genau, wie viele Menschen bis zum jetzigen Zeitpunkt von einer Corona-Infektion genesen sind. Das RKI schätzt die Zahl der Genesenen derzeit auf rund 7,5 Millionen (Stand Donnerstag), geht aber selbst von einer „Untererfassung“ aus. Bis zu 20 Millionen könnten es durchaus sein, glaubt Watzl und spricht deshalb von „Blindflug“.

Einer Studie vom September zufolge senkte eine Infektion mit dem Delta-Typ des Virus das Risiko, sich erneut zu infizieren, um mehr als 80 Prozent. Watzl glaubt nicht, dass sich die Situation für Genesene durch Omikron entscheidend verändert hat. „Studien zeigen zwar, dass viele Antikörper von Genesenen die Omikron-Variante nicht mehr so gut erkennen können und diese Personen damit kaum noch einen Schutz vor der Infektion haben“, sagt der Immunologe.

„Aber diese Veränderung gilt ebenso für Geimpfte. Wenn man den Genesenen-Status verkürzt, muss man das eigentlich auch für die Impfzertifikate tun.“ Die Verkürzung auf drei Monate hält der Immunologe für eine „politische Entscheidung, die auf Basis der Daten nicht nachvollziehbar ist“.

Leiden wieder die Jüngsten unter Omikron? Ein Expertenrat-Mitglied schlägt Alarm wegen den Schulkindern - und stellt klare Forderungen**Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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