1. tz
  2. Bayern

Immer mehr Christkindlmärkte in Bayern wegen Corona abgesagt - Schausteller schlagen Alarm

Erstellt:

Von: Dominik Göttler

Kommentare

Dicht an dicht drängten sich die Besucher am Tölzer Christkindlmarkt.
Dicht an dicht drängten sich die Besucher am Tölzer Christkindlmarkt in Vor-Corona-Zeiten. Ob die Standl heuer wirklich wie geplant aufsperren dürfen, ist angesichts der Infektionslage unsicherer denn je. © ARCHIV

Im Oktober verkündete das Kabinett: Christkindlmärkte in Bayern sollen ohne große Einschränkungen möglich sein. Doch jetzt explodieren die Infektionszahlen und ein Markt nach dem anderen wird abgesagt. Bei Veranstaltern und Schaustellern ist der Frust groß.

München/Bad Tölz – Bauchschmerzen? Von Bauchschmerzen könne schon gar keine Rede mehr sein, sagt Susanne Frey-Allgaier. „Das ist schon fast ein Blinddarmdurchbruch“, sagt die stellvertretende Tourismusdirektorin von Bad Tölz*. Sie ist für die Organisation des Tölzer Christkindlmarkts zuständig. „Eigentlich stehen wir in den Startlöchern.“ Eigentlich. Denn ob in der Tölzer Marktstraße am 26. November wirklich wie geplant die ersten Besucher ihren Glühwein schlürfen, ist unsicherer denn je.

Dabei hatte die Staatsregierung den Veranstaltern Mitte Oktober noch grünes Licht gegeben. Christkindlmärkte sollen stattfinden können, hieß es. Keine 3G-Regeln, keine Maskenpflicht, kein Alkoholverbot. Dass die Märkte in diesem Winter wieder unbeschwert möglich seien, sei „ein wichtiger Schritt in Richtung Normalität“, ließ Wirtschaftminister Hubert Aiwanger (FW) damals verlauten.

Corona in Bayern: Viele Christkindlmärkte sind abgesagt, manche Veranstalter grübeln noch

Von der Normalität ist nicht viel geblieben. Die bayernweite Inzidenz hat sich seit Mitte Oktober vervierfacht, die Kliniken schlagen Alarm. Und nach und nach prasseln die Christkindlmarkt-Absagen herein. Die beliebten Märkte rund um den Tegernsee: abgesagt. Freising, Fürstenfeldbruck: abgesagt, Rosenheim ebenso. Wer die Situation in der örtlichen Klinik erlebe, könne zu keiner anderen Entscheidung kommen, sagte etwa der Rosenheimer Oberbürgermeister Andreas März. „Ich kann und will es nicht verantworten, dass aufgrund einer möglichen Überlastung unserer Intensivstationen Triage-Entscheidungen erforderlich würden.“

Andere Veranstalter grübeln noch – oder halten mit Einschränkungen an ihren Plänen fest: In Dachau etwa soll der Markt eingezäunt mit 2G-Regel stattfinden. In Nürnberg* laufen hingegen die Vorbereitungen für den berühmten Christkindlesmarkt weiter, allerdings dezentral auf mehreren Plätzen in der Stadt, um den Publikumsverkehr zu entzerren.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Bad-Tölz-Newsletter.)

In Bad Tölz wurde in den vergangenen Wochen all das noch einmal neu festgezurrt, was sonst den ganzen Sommer über geplant wird. Standverteilung, Musikprogramm, ein neues Hygienekonzept für die bis zu 5000 Besucher, die sich in Vor-Corona-Zeiten an einem Wochenendtag auf dem Markt tummelten. „Die Meldung vom Oktober hat uns alle gefreut. Da war viel Optimismus drin“, sagt Frey-Allgaier.

Sie ist nach wie vor überzeugt, dass das neue Sicherheitskonzept funktionieren könnte, wenn sich alle daran halten. „Aber natürlich ist die aktuelle Situation verheerend.“ Dass der Markt wirklich stattfindet, daran hat sie mittlerweile große Zweifel – auch wenn die finale Entscheidung noch aussteht. Denn etwa eine 2G-Vorgabe wäre für Bad Tölz nicht umsetzbar, sagt sie. „Wir können nicht einzäunen.“

Corona in Bayern: Beim Deutschen Schaustellerbund ist der Frust groß

Leidtun würde ihr eine Absage in letzter Minute vor allem für die Standl-Betreiber. „Für die ist das der absolute Horror.“ Sie könne verstehen, wenn manche sich von der Politik veräppelt fühlen, nachdem es vor wenigen Wochen noch hieß, der Impffortschritt ließe wieder mehr Freiheiten zu. Beim Deutschen Schaustellerbund ist der Frust groß: „Es ist unerträglich, im zweiten Winter in Folge den Kopf für Versäumnisse des Sommers hinzuhalten“, teilte der Verband gestern mit. Viele Familienbetriebe stünden bei Absagen vor dem finanziellen Ruin.

Ob die Staatsregierung bei den Regeln für Christkindlmärkte noch einmal nachschärft, ist bislang unklar. Ministerpräsident Markus Söder* (CSU) sagte, er hoffe auf eine bundeseinheitliche Regelung. Für kommenden Donnerstag ist eine neue Bund-Länder-Runde geplant. Für die SPD ist das zu spät für vernünftige Planungen, wie die Abgeordnete Ruth Waldmann gestern im Landtag sagte. Die Betreiber bräuchten Planungssicherheit.

Der CSU-Abgeordnete Walter Nussel verteidigte die derzeitigen Regeln und sprach sich dafür aus, Christkindlmärkte weiter abzuhalten. Kommunen, die nun von sich aus absagen, kritisierte er. Wenn die Märkte nicht stattfinden, „dann treffen sich die Menschen doch stattdessen privat ohne Kontrolle“. Noch mehr Nachrichten aus der Region Bad Tölz lesen Sie hier. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare