Eine Regelumstellung sorgt für zusätzlichen Ärger

Corona-Stau beim Führerschein: TÜV und Fahrschulen kommen nicht hinterher - Prioritätenlisten eingeführt

Auf der Zielgeraden: Fahrlehrer Alex Breu bereitet eine Schülerin auf die praktische Führerscheinprüfung vor.
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Auf der Zielgeraden: Fahrlehrer Alex Breu bereitet eine Schülerin auf die praktische Führerscheinprüfung vor. Während sie ihren Termin schon kennt, müssen sich viele andere noch etwas gedulden.

Stau bei der praktischen Führerscheinprüfung: Es gibt zu viele Fahrschüler und zu wenig Termine. Fahrschulen und TÜV kommen mit den Corona-bedingt aufgeschobenen Prüfungen kaum hinterher.

Rosenheim - Lorena Bäcker wartet seit über einem halben Jahr auf ihren Führerschein. Bereits im November wollte die 17-Jährige aus Rosenheim* sich in der Fahrschule anmelden. „Da war aber noch alles zu und es hieß weiterhin nur warten“, erinnert sie sich. Nun hat sie Mitte Juli voraussichtlich ihre praktische Fahrprüfung. Nach acht Monaten scheint also endlich der Führerschein in greifbare Nähe zu rücken. Endlich.

Corona-Stau beim Führerschein: Prioritätenlisten für die Prüfung

Solche Wartezeiten sind laut ihrem Fahrlehrer Alex Breu momentan normal. Tag für Tag brütet der 49-Jährige über den Wartelisten und organisiert Termine hin und her. Denn viele Fahrschüler sehnen sich derzeit wie Lorena Bäcker nach der praktischen Prüfung. Der Inhaber der Rosenheimer Fahrschule „Habenstein und Beck“ muss Pandemie-bedingt mittlerweile eine Prioritätenliste führen. Dabei entscheidet er, wer beim TÜV als Nächstes sein Fahrvermögen beweisen darf. „Wir ziehen Bewerber für systemrelevante Berufe vor, wie etwa Lkw- oder Busfahrer“ erklärt er. Der ein oder andere müsse sich da ein wenig gedulden.

Denn dank der Zwangsschließungen wegen Corona* herrschte quasi ein halbes Jahr lang Stillstand in den Fahrschulen. Keine Unterrichtsstunden, keine Prüfungen – sowohl praktisch als auch theoretisch. Dementsprechend groß ist jetzt der Andrang.

Die seit Monaten vertrösteten Schüler und die neuen Schüler warten alle auf einen Termin beim TÜV. Das bestätigt auch TÜV-Sprecher Vincenzo Lucà. „Die Menschen, die jetzt geprüft werden wollen, sind zu viele“, sagt er. Die Mitarbeiter würden mit allen Mitteln versuchen, dem Ansturm gerecht zu werden. Etwa durch Termine am Samstag oder durch Unterstützung der Kollegen aus dem Fahrzeugprüfungsbereich.

Corona-Stau beim Führerschein: Nicht genug Prüfer für die ganzen Bewerber

Das Problem des TÜV: „Wir können die Anzahl an Prüfern nicht erhöhen, das ist per se nicht möglich“, erklärt Lucà. Denn mehr Prüfer können wegen der speziellen Ausbildung nicht einfach von einer anderen Firma eingekauft werden. Und die eigenen Auszubildenden konnten in den Lockdown-Monaten ebenfalls keine Prüfungen ablegen.

Auch die Fahrschulen kämpfen mit einem großen Lehrermangel – noch drastischer als vor der Pandemie. Denn viele Fahrlehrer suchten sich im Lockdown* neue Jobs. „Wir alle rekrutieren im Moment und arbeiten Fahrlehrer ein, um dem Mitarbeitermangel entgegenzuwirken“, sagt Fahrlehrer Breu. Sowohl durch Anzeigen in der Zeitung als auch durch direktes Ansprechen der Fahrschüler hofft er darauf, Menschen den Beruf näherzubringen. Denn mehr Lehrer würden laut Breu für mehr theoretische Unterrichtsstunden sorgen. Und das wiederum führt zu kürzeren Wartezeiten. Denn wegen der Hygienevorschriften sind trotz hoher Nachfrage die Kurszimmer nur halb gefüllt.

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Corona-Stau beim Führerschein: Unnötige Fahrstunden sind wegen des Lehrermangels gar nicht möglich

Damit die Schüler vor der Prüfung keine unnötigen Fahrstunden nehmen müssen, versucht Breu jeden Bewerber „zur Prüfung hin zu planen“. Also lieber anfangs ein wenig warten, bevor der Unterricht losgeht. Zwar hätten viele Fahrschulen den Ruf, dass sie zu unnötigen Stunden raten würden. Breu schmunzelt da nur: „Wegen des Lehrermangels könnten wir das gar nicht bewerkstelligen, dafür haben wir gar keine Zeit.“

Und als würde der Personalmangel noch nicht genug Stress bedeuten, kam Anfang des Jahres auch noch eine gesetzliche Änderung hinzu: Neuerdings beträgt die praktische Prüfungszeit 55 Minuten, statt den vorherigen 45. Dadurch können noch weniger Schüler ihre Prüfung an einem Tag ablegen. „Das System zur Corona-Zeit umzustellen war ein äußerst schlechter Zeitpunkt“, kritisiert Breu. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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