Trotz Pandemie-Maßnahmen

Letzte Chance vor neuen Corona-Regeln: Ausflugsziele in Bayern gut besucht - Herrmann kündigt „harte Sanktionen“ an

Zahlreiche Ausflügler tummeln sich auf dem zugefrorenen Spitzingsee. Ab dem 11.01.2020 gelten für touristische Ausflüge wegen der Corona-Pandemie strengere Regeln.
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Zahlreiche Ausflügler tummeln sich auf dem zugefrorenen Spitzingsee. Ab dem 11.01.2020 gelten für touristische Ausflüge wegen der Corona-Pandemie strengere Regeln.

Rodeln, Spazieren, Schlittschuhlaufen: Zum Ferienende scheint die Sonne in den Bergen. Und weil die verschäften Corona-Regeln erst ab Montag gelten, rechnet man hier erneut mit vielen Ausflüglern.

Update vom 10. Januar 2021, 13.09 Uhr: Das sonnige Winterwetter lockt auch am Sonntag etliche Menschen in Bayern nach draußen. Trotz der Aufrufe wegen der Corona-Pandemie größere Ansammlungen zu vermeiden, herrschte nach dpa-Angaben auch am Sonntag reger Betrieb an beliebten Ausflugszielen. So etwa am Ochsenkopf im Fichtelgebirge oder am Spitzingsee im Landkreis Miesbach.

Für viele Menschen war es dabei wohl die letzte Gelegenheit für einen Ausflug in Richtung Berge. Ab Montag gilt für Bewohner von Corona-Hotspot-Gebieten ein 15-Kilometer-Radius, der für Tagesausflüge nicht verlassen werden darf.

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte verstärkte Kontrollen an, etwa an Wanderer-Parkplätzen in der Voralpenregion oder im Bayerischen Wald. „Alle Unbelehrbaren müssen mit harten Sanktionen und hohen Geldbußen rechnen“, erklärte der Minister. Bei einem Verstoß drohe ein Bußgeld in Höhe von 500 Euro.

Die 15-Kilometer-Regel gilt für Landkreise und kreisfreie Städte, die den Wert von 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche überschritten haben. Als Maßstab gelten die Werte, die das Robert Koch-Institut in der Nacht zum Montag veröffentlicht. Am Sonntag (Stand: 00.00 Uhr) lagen unter anderem die Landkreise Regen, Roth, Bayreuth, Coburg, Wunsiedel, Deggendorf und Berchtesgadener Land über dieser Schwelle, ebenso die Städte Passau und Coburg.

Ausflugs-Chaos in Bayern? Großer Ansturm bleibt aus - Probleme aber dennoch wieder in einer Region

Update vom 9. Januar 2021, 20.54 Uhr: Der große Ansturm, der zuvor befürchtet worden war, blieb zwar vielerorts aus. Dennoch herrschte an so manchen klassischen Ausflugszielen reger Betrieb. „Das liegt natürlich auch am schönen Winterwetter, da zieht es die Leute raus“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben West am Samstag in Kempten.

Spaziergänger, Rodler, Eisläufer und Skitourengeher sorgten mitunter für volle Parkplätze und zugeparkte Straßen. Am Spitzingsee im Landkreis Miesbach vergnügten sich viele Menschen auf dem zugefrorenen Eis, andere nutzten die Spazierwege rund um den See. Auch der Schwansee bei Füssen (Landkreis Ostallgäu), von der Polizei gerne als „Problemsee“ bezeichnet, zog wieder jede Menge Besucher an.

Wie die Agentur News5 zudem berichtet, zeigte sich die Situation am Samstagmorgen auch in den Allgäuer Alpen sehr entspannt. In Oberjoch (Lkr. Oberallgäu) waren nur vereinzelt Langläufer und Skitourengeher unterwegs, auch die Situation auf den Parkplätzen ist derzeit noch ruhig. Zudem trainierten einige Skifahrer an einem geöffneten Schlepplift. 

In Nesselwang im Ostallgäu entschied man sich die Parkplätze zu sperren, um große Ansammlungen zu verhindern und die Situation etwas zu entzerren. Einige Familien sich mit ihren Kindern und mit Schlitten ausgestattet im Schnee unterwegs. Die Alpspitzbahn von Ralf Speck muss leider geschlossen bleiben. „Wir könnten den ganzen Tag heulen, aber daran darf man sich nicht festhalten“, so Speck. Der Betreiber der sein ganzes Herzblut in seine Anlage steckt, kann die harten Regeln nachvollziehen. „Wir müssen schauen, dass wir Zahlen nach unten bringen und Kontakte beschränken. Darum geht es“, erklärt Speck. 

Weit weniger vernünftig als im Allgäu verhielten sich die Menschen im Fichtelgebirge in Oberfranken. Rund um die Bleaml Alm, im Landkreis Bayreuth, waren erneut wieder viele Ausflugstouristen unterwegs. Teilweise wurde auf Hängen der Mindestabstand erneut nicht eingehalten, zudem waren die meisten Menschen wieder ohne Maske unterwegs, so die Agentur. In weiten teilen des Fichtelgebirges blieb es dennoch übersichtlich.

Auf der sonst oft staugeplagten Autobahn A8 Richtung Salzburg blieb es der oberbayerischen Polizei zufolge aber ruhig. Auch im Bayerischen Wald verzeichnete die örtliche Polizei kein verstärktes Besucheraufkommen. Der Landkreis Berchtesgadener Land zog gar ein positives Fazit: Der Ansturm von Tagesausflüglern sei ausgeblieben, meldete das Landratsamt am Samstag in Bad Reichenhall. Die Bevölkerung sei dem Aufruf gefolgt, keine Tagesausflüge in die Region zu unternehmen, in der die Coronazahlen momentan besonders hoch sind. In den vergangenen 7 Tagen gab es laut Landratsamt mehr als 348 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner.

Erstmeldung vom 9. Januar 2021: Schwangau - Die Faschingsferien sind passé, das gab Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schon am Freitag bekannt. Ab Montag bleiben die Schulen geschlossen, nur Distanzunterricht findet nach den Weihnachtsferien statt. Ziel sei es, daheim zu bleiben, so Söder. Die Mobilität und die Kontakte der Bürger müssten bis auf weiteres deutlich reduziert werden, um die Corona-Pandemie endlich einzudämmen. Die neuen Corona-Regeln gelten zwar erst ab dem 11. Januar, dennoch appellierten die Polizei und die Regierung vor allem in den Sozialen Netzwerken an die Bevölkerung schon jetzt geduldig und vernünftig zu sein.

Doch angesichts dieser neu-beschlossenen, einschneidenden Maßnahmen ruft das letzte Ferienwochenende offenbar doch noch viele Unternehmungslustige auf den Plan. Den ganz großen Ansturm haben Bayerns beliebte Freizeitziele am Samstagmorgen zwar noch nicht verzeichnet, dennoch waren schon früh viele Ausflügler unterwegs. Im Ostallgäu etwa beobachtete die Polizei bereits am Morgen den starken Besucherandrang. „Der Schwansee ist und bleibt Problemkind“, erklärte ein Polizeisprecher. Schon sehr früh seien also auch heute die Besucherparkplätze überfüllt gewesen.

Der Schwansee ist beliebt. Besonders jetzt, da er zugefroren ist. In den vergangenen Tagen waren dort der Polizei zufolge rund 600 Personen auf dem Eis. Beamte auf Schlittschuhen wurden deshalb losgeschickt, um an die geltenden Corona-Bestimmungen zu erinnern und etwaige Verstöße zu ahnden. Verhältnismäßig ruhig war es hingegen noch im Fichtelgebirge und im Bayerischen Wald, wo die Polizei aber dennoch gegen 13 Uhr noch vermehrt mit Besuchern rechnet. Auch im Chiemgauer Raum wollte man noch keine Prognose für den Tag wagen, auch wenn es auf der Autobahn in Richtung Salzburg ruhig schien.

Video: Ansturm auf Ausflugsziele - So will die Polizei durchgreifen

In ganz Bayern hat sich die Polizei erneut auf große Mengen von Ausflüglern vorbereitet, war das Wetter für das Wochenende doch auch sehr schön angesagt. Ab Montag gilt für Hotspots mit mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche eine Beschränkung des Bewegungsradius auf 15 Kilometer. Auch deshalb könnten viele Menschen ihre gefühlt „letzten Tage in Freiheit“ am Wochenende noch einmal im Schnee und der Sonne ausnutzen wollen, befürchten die bayerischen Polizeibeamten und Einsatzkräfte vor Ort. (cos) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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