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Kind (4) bei Corona-Demo verletzt: Heftige Kritik an Mutter - „Akt der Unmenschlichkeit“

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Von: Tanja Kipke, Katarina Amtmann

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Kind bei Corona-Demonstration verletzt: Schlagstöcke und Pfefferspray kommen zum Einsatz
Die Polizei war in Schweinfurt mit vielen Kräften vor Ort. © NEWS5 / Merzbach

In Unterfranken ist es am Sonntag zu einer unangemeldeten Corona-Demo gekommen. Da sich Teilnehmer aggressiv verhielten, musste die Polizei einschreiten.

Update vom 27. Dezember, 19.37 Uhr: Vier Teilnehmer der gewalttätigen Corona-Proteste in Schweinfurt sind am Montag in einem beschleunigten Verfahren zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt worden. Eine Frau wurde vom Amtsgericht Schweinfurt wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt, wie die Justiz mitteilte. Gegen zwei Männer verhängte das Gericht wegen Widerstands, tätlichen Angriffs und Körperverletzung beziehungsweise versuchter Körperverletzung Bewährungsstrafen von 12 und 8 Monaten, gegen einen dritten Angeklagten wegen Widerstands und Beleidigung eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 20 Euro. 

Demo in Schweinfurt: „Ein Kind als Schutzschild zu missbrauchen ist ein Akt der Unmenschlichkeit“

Update vom 27. November, 12.50 Uhr: Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) verurteilt jüngste Corona-Proteste wie zuletzt in Schweinfurt scharf - und übt vor allem Kritik daran, dass Demonstranten ihre Kinder dorthin mitnehmen. „Ein Kind als ‚Schutzschild‘“ zu missbrauchen ist ein Akt der Unmenschlichkeit und das muss das Jugendamt auf den Plan rufen“, sagte der unterfränkische Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft, Thorsten Grimm, am Montag. „Man muss sich schon die ernsthafte Frage stellen, was eine Mutter dazu bewegt ihr Kind im Kinderwagen auf eine solche Versammlung mitzunehmen und sich dann auch noch in vorderster Front zu bewegen beim Versuch, die Polizeisperren zu umgehen.“

Ein vierjähriges Kind hatte bei den gewalttätigen Protesten gegen die Corona-Maßnahmen am Sonntag in Schweinfurt Pfefferspray abbekommen und musste medizinisch behandelt werden, nachdem seine Mutter nach Polizeiangaben versucht hatte, eine Absperrung zu durchbrechen. Sie wurde wegen Verstoßes gegen die Demonstrationsauflagen angezeigt, außerdem wurde das Jugendamt informiert, wie die Polizei mitteilte.

Auch DPolG-Landeschef Jürgen Köhnlein kritisierte scharf, dass Eltern ihre Kinder mit auf derartige Demonstrationen nehmen: „Das geschieht leider zum reinen Selbstzweck und mit vollem Kalkül der Eltern“, sagte er. „Für mich ist dieses unverantwortliche Handeln von Erziehungsberechtigten ein Fall für das Jugendamt“. Er betonte: „Kleine Kinder haben auf Demos nichts zu suchen.“

Kind (4) bei Corona-Demo in Schweinfurt verletzt - Mutter angezeigt

Update vom 27. Dezember, 12.27 Uhr: Nach der Verletzung eines Kindes (4) bei gewalttätigen Corona-Protesten in Schweinfurt ist Anzeige gegen dessen Mutter erstattet worden. „Die Frau wurde nach dem Versammlungsgesetz angezeigt“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken am Montag. Sie habe sich nicht an Auflagen für die Demonstration gehalten und eine Absperrung durchbrochen. „Außerdem wird das Jugendamt von der Polizei über den Vorfall informiert.“

Das vierjährige Kind war mit einer Pfefferspraywolke in Kontakt gekommen und musste medizinisch versorgt werden. „Dem Kind geht es jetzt wieder gut“, hatte ein Polizeioberkommissar noch am Sonntagabend gesagt.

Vierjähriges Kind bei Schweinfurter Corona-Demo verletzt

Update vom 27. Dezember, 6.04 Uhr: Eine Demo gegen Corona-Maßnahmen in Schweinfurt ist am Sonntagabend aus dem Ruder gelaufen. Die Polizei musste eingreifen, wurde attackiert, und musste weitere Angriffe mit Schlagstock und Pfefferspray stoppen. Acht Personen seien festgenommen worden, gegen 44 Menschen wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, so die Polizei Unterfranken in der Nacht zum Montag.

Zunächst versammelten sich mehrere hunderte „friedvolle Protestler“, teilte die Polizei mit. Über Lautsprecherwagen habe die Polizei auf einzuhaltende Beschränkungen wie die Maskenpflicht hingewiesen. Dann setzten sich Personen zu Marschkolonnen zusammen, die die Beamten durch Polizeiketten und Absperrungen zu durchbrechen versuchten, bis die Einsatzkräfte mit „Faustschlägen und Fußtritten teils mittelschwer verletzt wurden“, hieß es nach Angaben der Polizei. Es sei notwendig gewesen, mit Schlagstöcken weitere Angriffe zu unterbinden.

Demo in Schweinfurt: Polizisten „beleidigt und bespuckt“

Die Beamten seien durch Versammlungsteilnehmer „beleidigt und bespuckt“ worden, hieß es von der Polizei in der Nacht zum Montag. „Unsere Einsatzkräfte waren bereits gezwungen, gegen aggressive Versammlungsteilnehmer Schlagstock und Pfefferspray einzusetzen. Wir fordern alle Teilnehmer auf, friedlich von ihrem Grundrecht Gebrauch zu machen und die Regeln einzuhalten“, twitterte die Polizei Unterfranken noch am Sonntagabend (siehe Erstmeldung). Die Polizei bat die Teilnehmer, „sich deutlich von Krawallmachern und Straftätern abzugrenzen“. Die Versammlung sei nicht angemeldet worden, die Polizeiinspektion Schweinfurt war mit zahlreichen Unterstützungskräften im Einsatz.

Kind (4) bei Corona-Demo in Schweinfurt (Bayern) verletzt

Dabei habe sich ein 50-Jähriger Demonstrant eine Kopfplatzwunde zugezogen. Auch ein vierjähriges Kind kam mit einer Pfefferspraywolke in Kontakt und musste medizinisch versorgt werden. Die Mutter habe versucht, eine Absperrung zu durchbrechen. „Dem Kind geht es jetzt wieder gut.“, sagte ein Polizeioberkommissar noch am Sonntagabend.

Bei vier der acht Festnahmen wird bereits am späten Montagnachmittag vor Gericht verhandelt. Es handelt sich um Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Angriff auf Polizeibeamte. Zusätzlich wurde gegen vier Personen für das Anstiften eines „unfriedlichen Protestes“ eine Anzeige nach dem Versammlungsgesetz erstattet. Bei einem Aufzug, der sich aus 44 Personen formierte, wurden gegen alle Teilnehmer Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. „Lassen Sie sich nicht von Rechtsextremisten, Reichsbürgern oder Antisemiten vereinnahmen und behindern Sie keine Maßnahmen der Polizei“, hieß es in der Mitteilung der Polizei weiter.

Corona-Protest eskaliert in bayerischer Stadt: Polizei setzt Pfefferspray und Schlagstöcke ein

Erstmeldung vom 26. Dezember: Schweinfurt - Mehrere hundert Menschen haben am Sonntagabend, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, laut Polizei in Schweinfurt gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen demonstriert - teils gewaltvoll. „Unsere Einsatzkräfte waren bereits gezwungen, gegen aggressive Versammlungsteilnehmer Schlagstock und Pfefferspray einzusetzen. Wir fordern alle Teilnehmer auf, friedlich von ihrem Grundrecht Gebrauch zu machen und die Regeln einzuhalten“, twitterte die Polizei Unterfranken. Laut Informationen vor Ort (News5) sei die Stimmung sehr aufgeheizt.

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Corona-Protest in Schweinfurt eskaliert: Kind wird durch Pfefferspray-Wolke verletzt

Drei Personen, die gewaltsam versucht hätten, Polizeiabsperrungen zu durchbrechen, seien festgenommen worden. „Wir fordern alle Teilnehmer auf, die Beschränkungen einzuhalten und sich deutlich von Krawallmachern und Straftätern abzugrenzen!“, hieß es weiter. Die Versammlung sei nicht angemeldet worden, die Polizeiinspektion Schweinfurt sei mit zahlreichen Unterstützungskräften im Einsatz. Vor allem Eltern fordere man auf, sich von „gewaltbereiten Aggressoren“ fernzuhalten. Bei einem Pfefferspray-Einsatz kam offenbar ein Kind mit der Nebelwolke in Kontakt. „Unsere Einsatzkräfte haben das Kind unverzüglich vorsorglich dem Rettungsdienst zugeführt“, heißt es vonseiten der Polizei.

Schweinfurt: Schon letzte Woche gab es Corona-Proteste

Die Beamten nahmen am Abend in der Nähe des Krankenhauses St. Josef von mehreren Versammlungsteilnehmern Personalien auf, die fortlaufend gegen Beschränkungen verstoßen haben. Gegen die Betroffenen werde konsequent ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Eine unangemeldet Corona-Demonstration eskalierte in Schweinfurt.
Eine unangemeldet Corona-Demonstration eskalierte in Schweinfurt. © NEWS5 / Merzbach

Schon am vergangenen Sonntag hatten im unterfränkischen Schweinfurt bei einer nicht angemeldeten Veranstaltung bis zu 3000 Menschen gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert. Zeitweise seien Sicherheitsabstände nicht eingehalten worden, hatte die Polizei mitgeteilt. Teilnehmerinnen und Teilnehmer hätten immer wieder versucht, sich in Kleingruppen abzusondern. Einen „unkoordinierten Versammlungsverlauf“ verhinderte die Polizei jedoch nach eigenen Angaben. (tkip mit dpa)

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