Behördensprecher äußert Verständnis

Bei Corona-Fall in Kita: „Wir als Familie sind immer der Depp“ - Mutter kritisiert Regelung

Kindergarten
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Immer wieder gibt es Corona-Fälle in Kitas. (Symbolbild)

In einer Kita in Bayern gab es einen Corona-Fall. Wie danach vorgegangen wurde, sorgte bei Eltern und Mitarbeitern für Kritik. Ein Sprecher des Landratsamtes zeigte Verständnis.

Forchheim - Die vierte Corona*-Welle in Deutschland rollt. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass in Schulen oder Kitas hin und wieder Fälle auftreten, wie jetzt im oberfränkischen Kreis Forchheim.* Doch die Regelungen, die nach einem positiven Fall folgen, sorgen bei Eltern und Erziehern für Kritik.

Corona-Fall in Forchheimer Kita - Gesundheitsamt gibt Einschätzung ab

Ein Kratzen im Hals und ein Krankheitsgefühl. Eine Person besuchte am vergangenen Dienstag im Kreis Forchheim eine Kita und machte vorsorglich einen Schnelltest. Dabei stellte sich heraus: Es ist Corona. Nähere Angaben zur Person oder der Einrichtung werden auf Wunsch der Betroffenen nicht gemacht, wie nordbayern.de berichtet.

Was dann nach dem positiven Test allerdings passierte, sorgt für Kritik. Doch wie ging es genau weiter? Die Kitaleitung informierte sofort die Eltern, deren Kinder in der betroffenen Gruppe sind. Sie wurden gebeten, die Kleinen möglichst zuhause zu lassen, bis vom Gesundheitsamt weitere Informationen kommen. Am Mittwoch wurde das positive Schnelltestergebnis dann durch einen PCR-Test* bestätigt.

Dann kam auch die Einschätzung des Gesundheitsamtes. Alle Kinder, die mit der betroffenen Person in einem Raum waren „sind nicht zwingend als enge Kontaktpersonen (ansteckungsverdächtig gem. §2 Nr. 7 IfSG) einzustufen.“ Das steht in einem Schreiben, das nordbayern.de vorliegt. Es wurde empfohlen, dass Betroffene 14 Tage auf Symptome achten, sich an die AHA-L-Regeln halten und sich von Risikopersonen distanzieren sollen. Das Gesundheitsamt empfahl außerdem, einen freiwilligen PCR-Test zu machen.

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Unverbindliche Corona-Empfehlungen: Eltern und Kita-Mitarbeiter üben Kritik

Doch genau solche unverbindlichen Empfehlungen kritisieren Eltern und Kitamitarbeiter. Eine Mutter sagte dem Portal, dass sie ihre Tochter sofort nach der positiven Schnelltest-Meldung zuhause gelassen habe. Das sei jedoch mittlerweile ein Kraftakt, denn Überstunden und Urlaub seien längst aufgebraucht. Und es gebe dabei noch ein ganz anderes Problem: Die Kinderkrankentage können nicht in Anspruch genommen werden, wenn das Kind nicht offiziell in Quarantäne muss. „Das Schlimmste für uns als Familie ist diese Nicht-Regelung“, sagt die Mutter gegenüber nordbayern.de. „Wir als Familie sind immer der Depp. Lass ich mein Kind zu Hause, bin ich auf Arbeit der Depp. Schicke ich es in die Kita, bin ich dort der Depp.“

Nach Corona-Fall an bayerischer Kita übt Leiterin Kritik: „Wie kann es sein, ...?“

Die Frau habe bereits eine Mail an das Gesundheits-, das Sozial- und das Familienministerium geschickt und das Problem erklärt. Die letzteren beiden verwiesen an die Zuständigkeit des Gesundheitsministeriums, dort liege die Verantwortung für die Quarantäne-Anordnung. Auch die Leiterin der Kita zeigte sich gegenüber nordbayern.de frustriert: „Wie kann es sein, dass es in einer Kindergartengruppe, in der natürlich die Kinder keine Maske tragen können, in der Abstandhalten nicht umgesetzt werden kann und in der es noch keine Luftreinigungsgeräte gibt, keinerlei Kontaktpersonen geben soll?“

Einige Eltern ließen ihre Kinder vorsorglich die Woche über zuhause und brachten sie erst am Montag (11. Oktober) wieder in die Kita - nach einem negativen PCR-Test. Doch nicht allen war es möglich, ihre Kinder zuhause zu lassen. Noch am Montag stellte sich dann heraus, dass eines der am Wochenende getesteten Kinder - ganz ohne Symptome - positiv sei. Das Kind sei allerdings die komplette Woche zuhause gewesen.

Kritik nach Corona-Fall an Kita - Landratsamt-Sprecher kann Unmut nachvollziehen

Ein Sprecher des Landratsamtes sagte mittlerweile, dass er den Unmut nachvollziehen könne. Allerdings müsse sich das lokale Gesundheitsamt an die Vorgaben des Gesundheitsministeriums halten. Und wie nordbayern.de berichtet, bedeutet das einfach gesagt: Nur wer unmittelbar und über einen längeren Zeitraum Kontakt zu einem Corona-Infizierten hat, muss in Quarantäne. Für Kitas bedeutet das: nur die engsten Spielgefährten oder in der Schule beispielsweise der Sitznachbar. War der Kontakt nur kurz oder mit Abstand gilt deshalb keine Quarantäne. Das Gesundheitsamt müsse deshalb immer im Einzelfall prüfen, wie lange und intensiv der Kontakt gewesen sei, wie der Sprecher weiter gegenüber nordbayern.de erklärte.

Auch das Gesundheitsamt müsse immer abwägen, es könne nie allen recht gemacht werden. Doch gegenüber nordbayern.de äußerte der Sprecher auch Verständnis für Eltern, die vorsichtig sein möchten, aber dadurch in einen „Betreuungsengpass“ kommen.

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Kostenlose Tests nicht mehr für jeden möglich

Was außerdem für Kritik sorgt: Seit Montag (11. Oktober) sind Tests nicht mehr für jeden kostenlos möglich. Von dieser neuen Regelung sind auch Kita-Mitarbeiter betroffen. Denn wie nordbayern.de berichtet, sind zwar Beschäftigte im Pflegebereich von der Selbstzahlpflicht ausgenommen, nicht aber das Personal einer Kita. „Wenn wir nun weitere Fälle haben und trotz Impfung* für uns und die Kinder die Sicherheit erhöhen wollen und deswegen einen PCR-Test machen möchten, müssen wir das selbst zahlen“, kritisierte die Kita-Leiterin im Gespräch mit dem Portal. (kam) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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