„Null Einnahmen, viele Ausgaben“

Corona-Winter: Bayerns Skischulen kämpfen ums Überleben - „Brauchen dringend eine Perspektive“

Kinderskikurse wie hier am Hirschberg können im Lockdown nicht stattfinden.
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Kinderskikurse wie hier am Hirschberg können im Lockdown nicht stattfinden.

Die Hälfte der bayerischen Skischulen ist in ihrer Existenz gefährdet. Der Skilehrer-Verband fordert bessere Hilfen für die Schulen – und für den Februar eine Öffnungsperspektive.

  • Die bayerische Skisaison ist wegen Corona* auf unbestimmte Zeit verschoben.
  • Viele Skischulen kämpfen deshalb ums Überleben.
  • Auch mit Hilfen vom Bund können sie häufig nicht rechnen.

Ruhpolding - Es ist ein traumhafter Tag in Ruhpolding (Landkreis Traunstein), mit Sonne, blauem Himmel und schneebedeckten Bergen. Und Richard Jany sitzt zu Hause. „Ich mag gar nicht aus dem Fenster schauen“, sagt er. Normalerweise würde er jetzt in seiner Skischule nach dem Rechten sehen oder Kindern das Skifahren beibringen. Jetzt aber hat er das Telefon der Schule auf sein Handy umgeleitet und erklärt den Anrufern, dass er ihnen keine Tourenski ausleihen darf. „Auch das ist uns verboten“, sagt er.

Der Corona-Winter führt dazu, dass es bei vielen Skischulen finanziell eng wird

Der 31-jährige Ruhpoldinger hat die Skischule vor fünf Jahren mit zwei weiteren Gesellschaftern übernommen. Es ist einer der größten Schulen in der Region, weit mehr als 1000 Schüler haben sie in einer Saison. „Null Einnahmen, viele Ausgaben“, bilanziert Jany den bisherigen Corona*-Winter. Die drei Gesellschafter haben das Skischul-Gebäude neu aufgebaut und dafür einen Kredit aufgenommen. Den müssen sie abbezahlen. Pachtgebühren sind ebenso fällig wie die Rechnungen für die neuen Skier, Schuhe, Helme, Stöcke, die sie bereits im Frühjahr geordert haben. „Finanziell wird es eng“, sagt Jany.

Anders als in Österreich und der Schweiz durften die Skigebiete in Deutschland wegen der Corona-Pandemie* gar nicht öffnen. Und so stehen die Lifte still und die Skischulen dürfen nicht arbeiten. Entsprechend groß sind die Sorgen im Deutschen Skilehrerverband (DSLV). „Von den rund 180 bayerischen Skischulen ist die Hälfte in ihrer Existenz bedroht“, sagt DSLV-Geschäftsführer Peter Hennekes.

Die außerordentliche Wirtschaftshilfe für November und Dezember, in denen Betriebe, die aufgrund der Corona-Bestimmungen schließen mussten, 75 Prozent ihres Umsatzes geltend machen konnten, haben den Skischulen wenig genutzt. „Die ersten nennenswerten Umsätze machen wir erst ab dem 23. Dezember“, sagt Jany. Dennoch hätte er die Hilfe gerne beantragt, aber sein Steuerberater habe ihm davon abgeraten. „Er weiß nicht, wo er uns einordnen soll, ob wir Dienstleister sind oder doch zum Sporthandel gehören.“ Dann seien Skischulen auch noch Saisonbetriebe, die ihre Haupteinnahmen im Januar und Februar generierten. „Es gibt keine Hilfen, die auf uns passen“, sagt Jany.

Corona-Winter kann von den Skischulen im Sommer nicht abgefedert werden

Norbert Haslach, Leiter einer Skischule bei Kempten, sieht das ähnlich. „Es herrscht bei allen eine große Unsicherheit, ob und wie wir Schulen von den bisherigen Hilfen des Bundes profitieren können“, sagt er. Und dass ab Januar die Betriebe im Rahmen der Überbrückungshilfe 3 nur mehr einen Zuschuss zu den Fixkosten beantragen könnten, sei den Skischulen einfach zu wenig. „Wir stehen vor dem Totalverlust der Saison und haben anders als etwa die Hotellerie keine Möglichkeit, diesen Verlust im Sommer abzufedern“, sagt er.

Der DSLV fordert für die Skischulen finanzielle Hilfen auf Basis des Vorjahresumsatzes. „Alles andere wird vor allem kleinere Betriebe nicht retten“, sagt Hennekes. Zudem will der Verband erreichen, dass ab Februar bei einer Inzidenz unter 50 im Landkreis kleinere Lifte geöffnet werden und die Schulen in Kleinstgruppen Unterricht durchführen dürfen. „Wir brauchen für unsere Schulen dringend eine Perspektive“, sagt Hennekes.

Norbert Haslach hat bereits mit seiner Bank gesprochen. „Die Rücklagen sind aufgebraucht, wir werden einen Kredit aufnehmen müssen“, sagt er. „Ich würde mir mehr Klarheit wünschen, mit welchen Hilfen wir rechnen können“, sagt Richard Jany. Erst dann wolle er über einen weiteren Kredit entscheiden. „Wir werden alles dafür tun, dass die Schule überlebt“, sagt er. „Und wir müssen hoffen, dass wir in der nächsten Saison wieder arbeiten dürfen. Sonst sieht es düster aus.“ *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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