Alpenverein gibt Tipps

Berghütten wieder offen - mit strengen Corona-Regeln: „Ich hoffe da auf Verständnis von den Gästen“

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Berghütten dürfen wieder öffnen - doch es gibt Regeln. (Symbolbild)

Nach der Corona-Pause dürfen Berghütten in den Alpen wieder öffnen. Doch auch dort gelten bestimmte Regeln - eine Herausforderung für Wirte und Gäste.

Es ist Hochsaison für Wanderer - eigentlich. Denn der Start war für viele Bergbahnen und Berghütten in den Alpen aufgrund der Corona-Pandemie schleppend. Die Corona-Einschränkungen und das schlechte Wetter machten es den Hüttenwirten schwer, wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet.

Berghütten haben nach Corona-Pause wieder geöffnet: Abstandsregeln und Hygienekonzept gelten

Normalerweise wäre das Schneibsteinhaus in den Berchtesgadener Alpen Anfang Mai bereits geöffnet gewesen. Durch die Corona-Krise hat sich der Start allerdings auf Pfingsten verschoben. Bis dahin war noch viel zu tun für Hüttenwirt Stefan Lienbacher, denn welche Vorkehrungen er treffen muss, war lange nicht klar.

Auch in den Alpen gelten Abstandsregeln. Die Benutzung von Matratzenlagern und Gemeinschaftswaschräumen - in Corona-Zeiten nur eingeschränkt möglich. Mitarbeiter des Deutschen Alpenvereins (DAV) helfen den Wirten mit einem Hygienekonzept dabei, wie sie ihre Hütten umgestalten müssen, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Wie der BR weiter berichtet, hoffen sie darauf, mit Trennwänden möglichst viele Plätze zu erhalten.

Die Gletscher in Europa sind in den letzten Jahren massiv zurückgegangen. In Zukunft wird das Eis wohl weiter stark schmelzen - auch die Alpen in Bayern sind betroffen.

Nach Corona-Pause: Neue Regeln für Berghütten und Übernachtungsgäste

Schon während der Vorbereitungszeit im Mai wurde klar, dass es nicht ausreichend ist, Schlafplätze durch Sperrholzplatten zu trennen. Denn laut einer neuen Vorgabe, dürfen nur zwei Hausstände in einem Lager übernachten. Die meisten Betten müssen also leerbleiben. Auch spontane Übernachtungen wird es vorerst wohl nicht mehr geben können. Gäste müssen im Voraus ihre Plätze buchen, denn so können die Wirtsleute genau planen, wer wo schlafen darf um dann den Abstand zu wahren.

Genau diese Regelung wurde einem Hüttenwirt in Berchtesgaden nun fast zum Verhängnis. Vier Wanderer haben versucht, ihn zu erpressen, weil Corona-Regeln nicht eingehalten wurden.

„Es wird viel ruhiger werden. Jeder, der kommt, freut sich wahrscheinlich. Aber es werden auch viele enttäuscht werden, weil einfach kein Platz ist und weil man ohne Reservierung gar nicht auftauchen kann“, erzählt Monika Schellmoser, Hüttenwirtin der Wasseralm in den Berchtesgadener Alpen gegenüber dem BR. Für die Gäste gibt es eine weitere Umstellung: Sie müssen ihre Schlafsäcke, Kissen und Laken selbst mitbringen. Auch Waschräume können nur sehr eingeschränkt genutzt werden, duschen dürfen sie nicht mehr. Außerdem gilt eine Maskenpflicht* in der Hütte - außer an Tischen während der Bewirtung.

Corona-Regeln auf Berghütten: „Ich hoffe da auf Verständnis von den Gästen“

„Ich hoffe da auf Verständnis von den Gästen. Wir können nicht hinter jedem einen Aufpasser hinterherschicken“, so Stefan Lienbacher, Hüttenwirt vom Schneibsteinhaus in den Berchtesgadener Alpen gegenüber dem BR.

Der Grenztourismus fehlte den Hütten, denn normalerweise profitieren sie von Touristen aus beiden Ländern. Doch die Grenzen waren für Touristen bis Anfang Juni nicht passierbar. Wenige Minuten vom Schneibsteinhaus entfernt liegt das Carl-von-Stahl-Haus auf österreichischer Seite. Die Hütte war über Pfingsten eigentlich ausgebucht. Die deutschen Gäste mussten allerdings wieder stornieren, als klar war, dass die Grenze zunächst noch geschlossen bleibt.

Corona-Regeln auf Berghütten in den Alpen: Finanzielle Herausforderung für Wirte

Das alles stellt für die Hüttenwirte eine finanzielle Herausforderung dar. Dazu kommt, dass auch die zusätzliche Ausstattung wie Masken, Desinfektionsmittel und Aufkleber teuer ist. Damit sich die Investitionen auszahlen, müssen Gäste kommen.

Doch die Übernachtungsplätze sind aufgrund der Vorgaben knapp. Lenz Köppl vom Nationalpark Berchtesgaden befürchtet deshalb, dass sich die negative Entwicklung der vergangenen Jahre zuspitzen könnte. Denn wer keinen Platz in einer Hütte bekommt, zeltet möglicherweise wild in den Bergen und hinterlässt Müll. Deshalb gibt es nun Schilder im Wandergebiet: „Wenn die Leute nicht auf der Hütte übernachten dürfen, werden sie mit Zelt und Schlafsack unterwegs sein. Ich habe letztes Jahr erst einen Zeltplatz aufgeräumt: zwanzig Kilo Müll mit Zelten, Konservendosen, Unterwäsche“, so Köppl gegenüber dem BR.

Das Watzmannhaus ist eine der beliebtesten Berghütten in Bayern. Der Alpenverein will einen Teil erneuern. Doch Naturschützer haben geklagt – und nun erneut Recht bekommen.

Video: Wandern wieder erlaubt: Diese Regeln sollten Sie beachten

Schneibsteinhaus nach Corona-Pause wieder geöffnet: Großer Ansturm bleibt aut

Seit Pfingstsamstag hat das Schneibsteinhaus wieder für Gäste geöffnet. Der große Ansturm ist aber ausgeblieben. Dennoch sind laut BR viele Wanderer in den Berchtesgadener Alpen unterwegs. Die neuen Regeln sind zwar ungewohnt, die Wanderer zeigen aber Verständnis. Auch Hüttenwirt Stefan Lienbacher ist zufrieden, denn seinen Gästen sei klar, dass sie sich nur mit den Einschränkungen die Möglichkeit zum Wandern erhalten.

Auch der DAV gibt auf seiner Internetseite Tipps. Ein Hüttenbesuch solle bei einer Wanderung nicht zwingend eingeplant werden: „Wenn man zum Beispiel sieht, dass die Gäste bereits Schlange stehen oder keiner der gekennzeichneten Plätze mehr frei ist, kann man den Hüttenbesuch ja ein anderes Mal nachholen.“ DAV-Vizepräsident Roland Stierle rät deshalb dazu, genug Getränke und Proviant mitzunehmen. „Ist dann doch noch ein Platz auf der Berghütte frei, darf man es sich natürlich gemütlich machen“.

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Der Königssee-Wasserfall ist ein Instagram-Hotspot - doch dort gab‘s schon schwere Unfälle. Nun riskierte wieder eine Influencerin ihr Leben. Dem Nationalpark Berchtesgaden reicht‘s!*

Edmund Stoiber hat im Interview mit Merkur.de über die Auswirkungen des Coronavirus in Bayern gesprochen.

Seit einer Woche dürfen die Berghütten in Bayern nach dem Lockdown wieder Übernachtungsgäste empfangen. Klingt erst mal gut, doch die Realität sieht anders aus: Viele Hütten-Wirte verzweifeln an den strengen Corona-Auflagen*.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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