Bayerischer Ort war im Frühjahr Hotspot

Corona-Studie von Bad Feilnbach: Antikörper in vielen ehemals Infizierten nicht mehr nachweisbar - „Das bedeutet aber nicht ...“

Coronavirus in Deutschland: Das Robert Koch-Institut (RKI) startete eine Studie in Deutschland (Symbolfoto). 
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Coronavirus: Das Robert Koch-Institut (RKI) startete eine Studie in Deutschland (Symbolfoto). 

Im Frühjahr war Bad Feilnbach ein Corona-Hotspot – und damit perfekt geeignet für eine Studie des Robert-Koch-Instituts. Nun liegen erste Ergebnisse vor.

  • Im Frühjahr war Bad Feilnbach ein Coronavirus*-Hotspot – und damit perfekt geeignet für eine Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI)* .
  • Vor allem die Erkenntnisse zur Höhe der Dunkelziffer und zur Entwicklung der Antikörper wurden mit Spannung erwartet.
  • Jetzt liegen erste Ergebnisse vor.
  • Hier finden Sie eine Karte mit den aktuellen Fallzahlen in Deutschland.

Nürnberg – Wäre das Virus eine Sportart, dann hätte Bad Feilnbach (Kreis Rosenheim) in der Bundesliga gespielt. „Auf einem Spitzenplatz wären wir dabei gewesen“, sagte Bürgermeister Anton Wallner (CSU) sarkastisch. 161 Bürger hatten sich in der rund 8300-Einwohner-Gemeinde mit dem Coronavirus infiziert – hochgerechnet auf 100 000 Personen entspricht das einer Zahl von über 1900 Infizierten. Zum Vergleich: Bayernweit sind es rund 421 Fälle je 100 000 Einwohner.

Deshalb wurde Bad Feilnbach für die Studie „Corona Monitoring lokal“ des Robert-Koch-Instituts (RKI) ausgewählt. Jetzt stellten Studienleiterin Dr. Claudia Santos-Hövener und Dr. Osamah Hamouda, Leiter der RKI-Abteilung für Infektionsepidemiologie, die Ergebnisse vor. Zwischen dem 23. Juni und dem 4. Juli waren die Mitarbeiter vor Ort. Sie entnahmen von 2153 Bürgern Blut und führten Rachenabstriche sowie Befragungen durch. 159 bestätigte Corona-Fälle gab es zu diesem Zeitpunkt in der Gemeinde. Weitere Infektionen wurden bei den Tests nicht festgestellt.

Coronavirus: Das Robert Koch-Institut (RKI) startete eine Studie in Deutschland (Symbolfoto). 

Coronavirus: Bei 40 Prozent der infizierten Bürger sind keine Antikörper mehr nachweisbar

Die Untersuchungen ergaben, dass die Corona-Dunkelziffer in Bad Feilnbach wohl geringer ist als zum Beispiel in Kupferzell in Baden-Württemberg, wo die Studie ebenfalls durchgeführt wurde. „Sechs Prozent der Teilnehmenden haben die Infektion schon durchgemacht“, berichtete Santos-Hövener. Damit seien in Bad Feilnbach 2,6 Mal mehr Infektionen nachgewiesen worden als bisher bekannt. In Kupferzell waren es fast viermal so viel Infizierte wie bekannt.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass bei 40 Prozent der Gemeindebürger, die nach eigenen Angaben vor der Studie eine Corona-Infektion hatten, bereits keine Antikörper mehr nachweisbar waren. „Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass keine Immunität in Bezug auf Sars-CoV-2 besteht“, erklärte Santos-Hövener. Auch Hamouda betonte, wenn die Antikörper nicht mehr messbar seien, heiße das „nicht unbedingt, dass der menschliche Organismus auf einen erneuten Kontakt mit demselben Erreger nicht trotzdem gut reagieren kann“.

Coronavirus/Studie in Bad Feilnbach: „Großteil der Bevölkerung hat noch keine Infektion durchgemacht“

Berücksichtigt man die vielen Infizierten ohne Antikörper, könnten in Bad Feilnbach einer Hochrechnung der Wissenschaftler zufolge 8,6 Prozent der Bürger eine Ansteckung hinter sich haben. „Der Großteil der Bevölkerung hat noch keine Infektion durchgemacht“, sagte Claudia Santos-Hövener.

Untersucht wurde zudem, wie viele der Corona-Fälle in Bad Feilnbach asymptomatisch verlaufen sind. Dazu gaben die Teilnehmer an, ob sie seit dem 1. Februar an Fieber über 38 Grad, Atemnot, Kurzatmigkeit, Schmerzen beim Atmen, einer Lungenentzündung, Schnupfen, Husten, Halsschmerzen oder Geruchs- und Geschmacksstörungen gelitten hatten. 85,5 Prozent der Infizierten hätten mindestens eines der Symptome gehabt, berichtete Santos-Hövener. „Das unterstützt, dass symptombezogene Testungen ein sinnvolles Vorgehen sind“, sagte sie. Wie viele schwere Krankheitsverläufe es gegeben habe, müsse noch detailliert ausgewertet werden.

Auch die Angaben zur sozialen Situation und zum Freizeitverhalten der Studienteilnehmer sollen „zeitnah innerhalb dieses Jahres“ analysiert werden, sagte Santos-Hövener. Die Studie „Corona Monitoring lokal“ wird demnächst in Straubing sowie einer vierten, noch nicht feststehenden Gemeinde fortgesetzt. Vorgesehen sei auch, an ein oder zwei Orte zurückzukehren, um die Infizierten erneut zu testen, kündigte Santos-Hövener an. Ziel sei, weitere Erkenntnisse zu gewinnen, wie sich die Antikörper langfristig entwickeln. - Claudia Schuri - merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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