Gastronomie in der Corona-Krise

„Pubsi Schainschwanger“: Wirte nehmen Aiwanger mit Satire-Video aufs Korn - mit prominenter Unterstützung

Corona/Bayern: Wirte nehmen Aiwanger mit Satire-Video aufs Korn - prominente Unterstützung
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Corona/Bayern: Wirte nehmen Aiwanger mit Satire-Video aufs Korn - prominente Unterstützung (Bayern)

Greifen die Betriebsschließungsversicherungen für Gastronomen in der Corona-Krise? Wirtschaftsminister Aiwanger will im Konflikt schlichten und wird Mittelpunkt eines Satire-Videos.

  • Hubert Aiwanger hat Anfang April einen Kompromiss zu Betriebsschließungsversicherungen ausgehandelt.
  • Ob diese Versicherungen auch in der Corona-Pandemie für Hotels und Gaststätten gelten, war nämlich strittig.
  • Der Wirtschaftsminister wird nun in einem Video von Wirten aufs Korn genommen.
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München - 15 Prozent ist besser als gar nichts. Aber wenn man eigentlich 100 Prozent bekommen hätte? Die Wirte sind stocksauer über einen Deal, den Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) mit den Versicherern ausgehandelt hat. Sozusagen ein faules Ei in der Küche.

Bekanntlich sind die Wirtshäuser in Bayern seit 17. März dicht. Erst am 18. Mai ist zumindest auf Freischankflächen die Wiedereröffnung gestattet, ab 25. Mai gilt dies für Speiselokale. Für den Fall einer Betriebsschließung haben viele Gastronomen eine Versicherung abgeschlossen. Doch es gab Probleme bei der Auszahlung. Grund: Versicherungsgesellschaften hatten sich darauf berufen, dass in den Verträgen nicht ausdrücklich der Ausbruch einer Pandemie erwähnt sei. Ein Witz, findet Eric Brodka, Initiator und Interpret des Protestsongs „Eric und die VerUnsicherten“. Schließlich habe es sich um eine behördliche Anordnung aufgrund des Infektionsschutzgesetzes gehandelt. Also eine erzwungene Schließung. Brodka ist selbst Wirt, und Sänger. Er führt mit seiner Frau Georgia Maier, Tochter des Iberl-Bühnen-Impressarios Georg Maier, den Augustiner-Bräu in Rosenheim.

Helmut Schleich (re.) und Stefan Grosse, Wirt des Blauen Bocks, stellen in dem Kurzfilm zwei dekadente Versicherungsdirektoren dar. Schleich sagt, der Dreh habe großen Spaß gemacht.  Dass  Versicherungen nicht zahlen wollen, sei schon der „Hammer“.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hatte jedenfalls Anfang April einen Kompromiss zu Betriebsschließungsversicherungen ausgehandelt. Der Deal zwischen Ministerium und Unternehmen wie der Allianz sieht vor, dass 15 Prozent der vereinbarten Tagessätze ausgezahlt werden sollten. Die Landtags-Grünen warfen Aiwanger einen Kuhhandel vor. Der Minister verteidigte sich, so sei gesichert, dass ohne Klageweg ein Mindestbetrag fließe.

Die Kulturbranche leidet unter der Corona-Krise. Wie geht es für Künstler weiter, wie für Kinos und Theater? Bayerns Ministerpräsident Markus Söder äußert sich.

Coronavirus in Bayern - Satire-Video: Wolfgang Krebs mimt Hubert Aiwanger

Die Wirte haben ihrem Unmut mit einem satirischen Video nun Luft verschafft, unterstützt von Künstlern wie Helmut Schleich, Wolfgang Krebs und Luise Kinseher. Im Video – unterlegt mit der Melodie von Rainhard Fendrichs „Schickeria“ – spielt Brodka einen Wirt. Schleich und Stefan Grosse, Wirt des Blauen Bock in München, stellen zwei dekadente Versicherungsdirektoren dar. Wolfgang Krebs mimt Hubert Aiwanger alias „Pubsi Schainschwanger“. Und Luise Kinseher gibt die Rausschmeißerin in dem Filmchen mit dem Text: „Die anständigen Versicherungen haben ja gezahlt, aber für die anderen zählt in der Krise nur eines: nämlich sie selber.“ Davor heißt es unter anderem im Chor: „Ihr treibt uns in die Pleite, wen interessiert das schon.“ Und am Ende ziehen Kinder ein Fass Bier in einem Leiterwagen aus dem geschlossenen Wirtshaus.

Auch Starkoch Alfons Schuhbeck ist in dem Videoclip dabei. In einer Sequenz sieht man ihn einsam in der Küche - beim Trocknen von Sauerkraut.

Wie Brodka fühlt sich auch Karl-Heinz Zacher, Wirt der Emmeramsmühle, im Stich gelassen. Die Vereinbarung sei eine „miese Nummer auf dem Rücken der Gastronomen“ und „unfassbar unfair“. Seit der Betriebsschließung bleibt er bereits auf einem mittleren fünfstelligen Betrag sitzen, den er nun nur zu 15 Prozent wiedererstattet bekäme. Zacher nimmt das nicht hin. Er will klagen.

Der Vatertag steht bevor. Ausflüge mit dem Bollerwagen sind möglich. Doch aufgrund der Corona-Krise gelten Einschränkungen. Das ist erlaubt - eine Übersicht.

Alfons Schuhbeck: „Wir wollen hier zeigen, dass wir kämpfen“

Mit dabei in dem Film ist auch Starkoch Alfons Schuhbeck. Er habe keine Sekunde gezögert, mitzumachen: „Wir wollen hier zeigen, dass wir kämpfen – auch um die Versicherungssummen“, sagt Schuhbeck. Kabarettist Helmut Schleich erklärt: „Als Künstler fühle ich mich den Wirten sowieso verbunden. Wir leben beide von Leuten, die zu uns kommen, weil sie schöne Stunden genießen wollen.“ Für viele Wirte gehe es ums nackte Überleben, so Schleich.

Am Dienstag verkündete Markus Söder Bayerns Exit-Plan aus der Corona-Krise. Nun äußert sich Hubert Aiwanger - und widerspricht dem Ministerpräsidenten. Für unterschwellige Kritik beim Koalitionspartner CSU führt auch Aiwangers Krisenmanagement unter anderem mit der Bestellung von 90.000 Wischmopps. 

Ist Sommerurlaub in Europa aufgrund der Corona-Krise möglich? Markus Söder widerspricht Heiko Maas und bringt eine finanzielle Förderung für Bürger ins Spiel.

In Bayern wächst der Protest gegen die Corona-Maßnahmen*. In München, Nürnberg und weiteren Städten kam es bereits zu Demonstrationen. Nun können weitere folgen.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Bayern lesen Sie in unserem News-Ticker für den Freistaat.

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