Lockdown mit weitreichenden Auswirkungen

Coronavirus in Bayern: Das bedeutet die Krise für die Wirtschaft - „Erste Insolvenzen Anfang April“

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In Bayern droht der Textilbranche wegen der Corona-Krise eine Pleitewelle.

Die Corona-Krise hat auch die Wirtschaft in Bayern fest im Griff. Der Schaden könnte enorm sein. Bernd Ohlmann, Geschäftsführer im Handelsverband Bayern (HBE), über die Folgen. 

Lockdown in Bayern: Seit Donnerstag müssen alle Geschäfte, die nicht versorgungsrelevant sind, ihren Laden für knapp zwei Wochen zusperren. Wir sprachen mit Bernd Ohlmann, Geschäftsführer im Handelsverband Bayern (HBE), über die Folgen.

Die Fußgängerzonen sind ausgestorben, die meisten Geschäfte haben zu. Menschen bleibt nur noch die Möglichkeit, im Internet einzukaufen. Sind Online-Händler die großen Gewinner der Corona-Krise?

Im Zuge der Ausgangsbeschränkungen in Bayern können Sie sich hier die Allgemeinverfügung des bayerischen Innenministeriums im Wortlaut durchlesen.

Interessanterweise nicht. Sicher mag es so sein, dass der ein oder andere Euro jetzt zusätzlich in den Online-Handel fliest. Zum Jahresbeginn sind wir davon ausgegangen, dass wir in Bayern dieses Jahr im Online-Handel einen Umsatz von acht Milliarden Euro haben werden. Sie können davon ausgehen, dass wir das übertreffen werden.

Um wie viel?

Wir rechnen mit einem Plus von zehn Prozent im Online-Geschäft. Aber: Im Online-Handel sind deshalb noch lange keine goldenen Zeiten angebrochen. Viele Verbraucher sind verunsichert, die Konsumstimmung ist gerade generell nicht die allerbeste. Das bekommen auch die Online-Händler zu spüren.

Trotzdem könnten viele Kunden, die ihrem örtlichen Fachgeschäft bisher die Treue gehalten haben, jetzt den bequemen Kauf über das Internet für sich entdecken und dem Händler um die Ecke auf Dauer den Rücken kehren.

Das glaube ich nicht. Andere Krisen, wie die BSE-Krise in den 90er-Jahren oder die Krise mit dioxinverseuchten Eiern, haben gezeigt, dass sich das Kundenverhalten nach einer kurzen Zeit wieder auf ein Normalmaß einpendelt. Meine Hoffnung ist, dass das auch diesmal so sein wird.

Bleibt die Frage, wie viele Läden es nach der Corona-Krise* noch geben wird.

Leider müssen wir davon ausgehe, dass es in Bayern bereits im April die ersten Insolvenzen geben wird. Ganz stark betroffen von Einbußen ist derzeit der Textileinzelhandel – neben dem Lebensmitteleinzelhandel die größte Teilbranche in Bayern. Gerade jetzt, nachdem die Frühjahrsmode geordert wurde, dürfen die Geschäfte nicht mehr öffnen. Wie sollen sie jetzt ihre bestellte Ware bezahlen? Das ist eine ganz dramatische Entwicklung.

Mehr zur Corona-Krise im Video: Sollte ich mir jetzt Vorräte anlegen?

Wie ließe sich das Problem lösen?

Ich kann nur an Vermieter appellieren, den Geschäften bei der Miete entgegenzukommen. Denn die Betriebe selbst sind ja kerngesund.

Wie sieht die Situation in Oberbayern aus?

Hier trifft es Händler besonders hart: Ein großer Teil der Umsätze stammt hier von Touristen, und die bleiben schon seit Wochen aus. Das trifft kleine inhabergeführte Fachbetriebe, die seit Generationen in Familienhand sind und jetzt vor dem Aus stehen. Das ist auch für die Innenstädte eine ganz dramatische Entwicklung.

Lässt sich beziffern, wie heftig die Insolvenzwelle sein wird?

Nein. Wir wissen aus unseren Zahlen aber, dass wir in Bayern über 40.000 kleine Einzelhandelsbetriebe haben. Für viele davon wird es jetzt schwierig, die Durststrecke zu überstehen.

Werden diejenigen die Krise überstehen, die schon früh zweigleisig gefahren sind und neben dem Ladengeschäft zusätzlich auch online verkaufen?

Diese Händler können der Krise zumindest etwas ruhiger entgegensehen. In Bayern sind das etwa 30 Prozent der Geschäfte, die zusätzlich auch online verkaufen – entweder über einen Webshop oder über Portale wie Amazon oder E-Bay. Aber selbst diese Betriebe werden nur einen kleinen Teil ihrer Verluste kompensieren können. Momentan steht allen Händlern das Wasser bis zum Hals.

Einzige Ausnahme ist der Lebensmitteleinzelhandel.

Richtig. Hier gibt es gerade Geschäft ohne Ende. Allerdings: Das sind alles vorgezogene Einkäufe. Wer jetzt hundert Rollen Toilettenpapier zuhause hat, wird in den kommenden Wochen weniger davon einkaufen.

Derzeit sieht es danach aber nicht aus. Viele Regale in den Supermärkten sind bereits kurz nach Ladenöffnung leer.

Die Leute kaufen ein, obwohl es überhaupt keinen Grund dafür gibt. Alle Waren sind verfügbar. Mehr sogar: Wir haben mit den Erzeugern, der Industrie und den Spediteuren Vorkehrungen getroffen, dass Lieferzeiten verkürzt und Liefermengen erhöht werden. Wo früher drei Lkw am Tag kamen, kommen jetzt doppelt so viele Fuhren. Nur die Hamsterkäufe sorgen dafür, dass es zeitweise zu Engpässen kommt. Ich kann nur appellieren, dass die Leute das Hamstern bald wieder sein lassen.

Interview: Sebastian Hölzle

Die Corona-Krise hat Bayern im Griff. Markus Söder (CSU) will im Ausnahmefall den „Gesundheits-Notstand“ ausrufen - die Maßnahmen wären weitreichend. Ein Experte spricht von der Corona-Krise als dem "größten Wirtschafts-Schock des 21. Jahrhunderts“.

Aufgrund der Corona-Krise sind zahlreiche Veranstaltungen in Bayern bereits abgesagt. Müssen nun auch Paare, die ihre Hochzeit planen, den Termin wegen Corona verschieben? Aktuell sieht es nicht gut aus für Heiratswillige.

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