Corona im Freistaat

Bayerns Grundschulen öffnen: Schulleiter schreiben Wut-Brief an Piazolo - „Mit Verlaub, haben Sie schon einmal ...“

Piazolo trägt einen Mund-Nasen-Schutz
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Michael Piazolo (Freie Wähler) bei einer Plenarsitzung im Bayerischen Landtag.

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo von den Freien Wählern steht einmal mehr in der Kritik. Diesmal in einem „Brandbrief“ des Schulleitungsverbands von Grundschulen.

München - Die Corona*-Zahlen in Bayern, aber auch im Rest Deutschlands, haben sich in der vergangenen Wochen deutlich verringert. Nach der letzten Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel* und den Ministerpräsidenten der Länder wurde entschieden, dass die Kultusministerien deshalb eigenständig über Schulöffnungen und eine Rückkehr zum Präsenzunterricht entscheiden dürfen.

In Bayern ist nun die Öffnung der Grundschulen am morgigen Montag (22. Februar) geplant - so zumindest der Plan des Kultusministers Michael Piazolo (Freie Wähler). Doch die Mehrheit der Schulleitungen in Bayern sieht diese Entscheidung kritisch. Grund dafür seien die „unrealistischen“ Corona-Vorgaben des Ministeriums, wie einem öffentlichen „Brandbrief“ des bayerischen Schulleitungsverband für Grund-, Mittel- und Förderschulen an Piazolo am Wochenende zu entnehmen war.

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Dort heißt es: „In Woche 14 des Lockdowns ist die Grenze der Belastbarkeit und vor allem auch der Realisierbarkeit bei den Schulleitungen erreicht“. Diese seien „einmal mehr an vorderster Front ins Dauerfeuer geschickt worden“. Nun gehe das verfügbare Löschwasser zuneige. Ein „Beispiel der Unmöglichkeit der Umsetzung“ sei an Grundschulen die Notbetreuung im Wechselunterricht. So schlage Piazolo vor, kurzfristig schulfremdes Personals einzustellen. „Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Piazolo, mit Verlaub, haben Sie schon einmal innerhalb von drei Tagen passendes Personal gesucht“, heißt es an dieser Stelle im Brief. Das größte Problem dabei: Das Aushilfspersonal sollte ein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen können. Die Beantragung eines solchen dauere aber mindestens zwei Wochen.

Wütende Schulleiter schreiben Brandbrief an Piazolo - leere Versprechen und unrealistische Vorgaben

Zudem habe Piazolo den Eltern auch ein Ganztags- und Mittagessensangebot für ihre Kinder versprochen. Wie dies realisierbar sein solle, wenn nur zwei bis 30 Kinder da seien, die es in Anspruch nehmen wollen, bleibt für den Verband ebenfalls unverständlich und so heißt es: „Herr Dr. Piazolo, haben Sie schon einmal eine Mensa für zehn bis zwanzig Schülerinnen und Schüler betrieben?“  Die Landesvorsitzende Cäcilia Mischko sagte am Sonntag, die Schulen bräuchten generell mehr Autonomie und Flexibilität, damit sie schneller und besser planen könnten. Diese würde Piazolo ihnen aber mit seinen steifen und unrealistischen Vorgaben sowie leeren Versprechungen nehmen.

Der Brief der Schulleiter ist bei Weitem nicht der erste Brandbrief* an Piazolo in den vergangenen Wochen. Bislang hat der Minister sich nicht zu den Worten geäußert. (kah)*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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