„Das ist durchaus zu befürchten“

Lockdown-Verschärfung steht bevor: Ausflugsorte in Sorge - „Das werden die Leute wohl noch ausnutzen wollen“

Kinder spielen im Schnee
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Kommt es kurz vor dem Corona-Lockdown zu einem Ansturm in beliebte Ausflugsgebiete? (Archivbild)

Ab Montag gelten in Bayern schärfere Corona-Maßnahmen. Bürgermeister und Tourismus-Beauftragte befürchten einen erneuten Ansturm auf Ausflugsziele.

  • Am Montag (11. Januar) treten im Freistaat schärfere Corona*-Maßnahmen in Kraft.
  • Der Bürgermeister einer Stadt im Oberallgäu befürchtet deshalb am Wochenende einen Besucheransturm.
  • Auch weitere Regionen warnen.
  • Hier finden Sie die Corona-News aus Bayern. Außerdem bieten wir Ihnen in einer Karte die aktuellen Fallzahlen im Freistaat.

München - Für viele Menschen in Bayern wird es wohl vorerst das letzte Wochenende für einen Ausflug sein. Nicht nur die bayerischen Bergregionen stellt das vor Herausforderungen.

Verschärfung des Corona-Lockdowns steht bevor: Ansturm auf Ausflugsort? „Werden die Leute wohl noch ausnutzen wollen“

Beliebte Ausflugsorte in Bayern bereiten sich erneut auf einen großen Andrang vor, bevor am Montag die Beschränkung des Bewegungsradius‘ in Hotspots in Kraft tritt. Die näher rückende Verschärfung des Lockdowns* könnte den Ansturm noch verstärken. „Das ist durchaus zu befürchten“, sagte Christof Endreß, Bürgermeister von Blaichach (Landkreis Oberallgäu), dem die Einschränkungen nicht weit genug gehen. „Das werden die Leute wohl noch ausnutzen wollen“, vermutet auch eine Sprecherin des Tourismusamtes im niederbayerischen Grafenau. Aber das ist nicht das einzige Problem.

Um dem Ausflugstourismus Einhalt zu gebieten, dürfen sich Menschen aus Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz* über 200 nicht mehr als 15 Kilometer von ihrem Wohnort entfernen. Doch die Zahl der betroffenen Städte und Kreise schwankt täglich. „Wir müssen eher davon ausgehen, dass diese Zahlen wachsen“, hatte Ministerpräsident Markus Söder* (CSU) zuvor betont.

Bewegungsradius wird in bayerischen Hotspots eingeschränkt: „Überblick zu behalten, ist fast unmöglich“

Das führt zu Unsicherheiten, unter anderem im Fichtelgebirge. Der Landkreis Bayreuth lag Ende der Woche knapp über der 200er-Marke, die Stadt Bayreuth knapp darunter. „Die Zahlen können sich ständig ändern. Da den Überblick zu behalten, ist fast unmöglich“, sagte Andreas Munder von der Tourismus- & Marketing GmbH Ochsenkopf.

„Am Ende sitzen die Einheimischen daheim, während Ausflügler aus Regionen mit niedrigeren Werten im Fichtelgebirge unterwegs sind“, befürchtet Munder. Denn die 15-Kilometer-Regel betrifft nur Anwohner, Ausflüge in einen Corona*-Hotspot sind dagegen weiter möglich. „Mir wären kreisweite Betretungsverbote lieber“, sagte die Oberstaufener Tourismuschefin Constanze Höfinghoff. Die Begrenzung auf Corona*-Hotspots mit einer Inzidenz von mehr als 200 sei „schwierig“. Ob die Regelung tatsächlich den Ausflugstourismus einschränke, werde sich erst noch zeigen.

Video: Ansturm auf Ausflugsziele: So will die Polizei durchgreifen

Corona in Bayern: Ausflugsziele rechnen mit Ansturm - doch auch in Städten zieht es die Menschen raus

Nicht nur die klassischen Ausflugsorte rechnen am Wochenende mit einem Ansturm. Auch in Städten zieht es die Menschen auf die Grünflächen. Am Dreikönigstag schickte die Polizei in München 150 Menschen wieder nach Hause, die sich an einem Rodelberg drängten. In Augsburg mussten die Beamten Rodler mit Durchsagen zu Abstand und zum Tragen einer Maske auffordern. Beide Städte kündigten auch für das kommende Wochenende regelmäßige Kontrollen an.

Auch bei den Tiergehegen am Röhrensee in Bayreuth seien seit der Pandemie beispielsweise bis zu dreimal so viele Spaziergänger unterwegs wie sonst. Am letzten Ferienwochenende werde es wohl noch einmal besonders zugehen, vermutet eine Sprecherin der Stadt.

Corona: Ansturm auf Ausflugsorte in Bayern - Einheitliches Konzept fehlt

Mit dem erwarteten Andrang gehen die Regionen ganz unterschiedlich um, ein einheitliches Konzept fehlt. Vielerorts sind neben Skiliften und Wirtschaften auch Parkplätze sowie öffentliche Toiletten geschlossen. So sollen Ausflügler von weiter weg ferngehalten werden. Das Konzept sei „aufgegangen“, sagte ein Sprecher der Bergbahnen Oberstdorf Kleinwalsertal. „Fakt ist, dass es im Allgäu Gott sei Dank nicht die Staus und Menschenschlangen wie in Winterberg oder Oberbayern gab.“

In anderen Regionen wie in der Fränkischen Schweiz werden dagegen bewusst Parkplätze und Toiletten geöffnet, um Chaos mit wild parkenden Autos und Ärger für Anwohner zu verhindern. Sobald mehr Schnee liege, sollen im Fichtelgebirge sogar die oberen Loipen gespurt werden. „Das Ziel ist, dass sich die Wintersportler so noch mehr verteilen“, erklärte Munder. Sperrungen würden nur wenig bewirken. „Die Skipisten sind zwar gerade für Skifahrer gesperrt, da stehen auch überall Schilder. Aber dafür wird dort jetzt gerodelt.“

Corona in Bayern: Hoffnung, den Liftbetrieb noch starten zu können

In Oberbayern sind die Pisten teils beschneit. Noch immer gibt es die Hoffnung, den Liftbetrieb irgendwann starten zu können. Um überhaupt Einkünfte zu erzielen, haben die Bahnen ihre Parkplatzgebühren angehoben. 15 Euro kostete es auf manchen Parkplätzen in Garmisch-Partenkirchen, fünf Euro am Brauneck und zehn Euro am Spitzingsee, dafür sind die Toiletten geöffnet. Ein langfristiges Geschäftsmodell sei das allerdings nicht. „Damit könnten wir unsere Personal nicht halten“, sagte Antonia Asenstorfer, Sprecherin der Brauneck- und Wallbergbahnen sowie der Alpenbahnen Spitzingsee. Ab Montag müssten die meisten Mitarbeiter in Kurzarbeit - zunächst bis Ende Januar.

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