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Trotz Lockdown: Ladeninhaber wollte aufsperren und macht überraschend Rückzieher - doch Intersport distanziert sich

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Von: Nadja Hoffmann, Veronika Mahnkopf

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Die Zahl der neuen Coronafälle in Hessen bleibt unverändert bedenklich hoch.
Der Lockdown wurde verlängert, die Läden bleiben damit geschlossen. Einige Einzelhändler wollten am Montag aber trotzdem aufsperren. © Arne Dedert / dpa

Der Corona-Lockdown wurde verlängert, die Geschäfte bleiben weiter zu. Ein Händler wollte seinen Laden trotzdem aufsperren, macht jetzt aber kurzfristig einen Rückzieher.

Update vom 6. Januar, 14.27 Uhr: Sportartikelhändel Udo Siebzehnrübl wollte erst trotz Lockdowns öffnen und machte dann doch einen Rückzieher (siehe Update von 10.28 Uhr). Nun hat sich Intersport von ihm distanziert: „Hier geht es um gesellschaftliche Verantwortung und die haben wir alle zu tragen“, sagte Vorstandschef Alexander von Preen. 

Zwar würden auch der Verbund und seine Geschäfte vor große wirtschaftliche Herausforderungen gestellt, hieß es in der Mitteilung vom Mittwoch. Die Beschlüsse von Bund und Ländern trage man aber mit, um eine weitere Verbreitung des Coronavirus zu verhindern.

Corona-Lockdown verlängert: Bayerischer Ladeninhaber wollte trotzdem aufsperren - Rückzieher aus überraschendem Grund

Update vom 6. Januar, 10.28 Uhr: Eigentlich wollte der Sportartikelhändler Udo Siebzehnrübl seine Läden am Montag trotz Lockdowns wieder öffnen. Er wollte damit auf die Notlage vieler Händler aufmerksam machen. Jetzt macht der Betreiber von Intersport-Läden allerdings einen Rückzieher. Grund: Die rechte Szene habe die Aktion für ihre Zwecks ausgenutzt, wie er am Dienstag dem Bayerischen Rundfunk (BR) sagte. „In dieses Fahrwasser soll Intersport nicht gezogen werden, da ist eine Grenze für mich erreicht.“ Er trete von seiner Ankündigung wieder zurück.

Aus der Bevölkerung hatte er für die geplante Aktion viel Zuspruch bekommen. Händlerkollegen aus anderen Städten hätten sich aus Solidarität für Montag zum Einkaufen bei ihm angekündigt. Bei einer Ladenöffnung im Lockdown droht dem Händler ein Bußgeld von 5000 Euro, im Wiederholungsfall mehr.

Corona-Lockdown vor Verlängerung: Bayerischer Ladeninhaber will jetzt aufsperren - trotz massiver Strafandrohung

Update vom 5. Januar, 14.46 Uhr: Der bayerische Sportartikelhändler Udo Siebzehnrübl will am Montag zumindest zwei seiner fünf Intersport-Läden wieder öffnen - obwohl der Lockdown voraussichtlich verlängert wird. „Ich bin kein Corona-Leugner und kein Querdenker“, sagte er am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Aber sein Familienunternehmen mit 100 Mitarbeitern mache Millionenverluste, habe das Lager voller Winterware und habe vom Staat seit März gerade einmal 15.000 Euro Hilfe bekommen.

Da sein Umsatzeinbruch aber unter 40 Prozent lag, habe er auch keinerlei Aussicht auf Überbrückungshilfe. Der Handelsverband Bayern sprach von einem „Hilfeschrei“, der die Wut und Verzweiflung unzähliger Einzelhändler zeige, die um ihre Existenz kämpften. Während das Gastgewerbe Umsatzausfälle durch die Novemberhilfe zu 75 Prozent ersetzt bekomme, lasse die Politik den Handel „am ausgestreckten Arm verhungern“, sagte Geschäftsführer Bernd Ohlmann: „Bis jetzt ist nur heiße Luft gekommen.“

Sportartikelhänder will trotz Corona-Lockdown Filialen öffnen: „Viele schimpfen über die Politik“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe im September versichert, man werde „keinen Einzelhandel mehr schließen. Das wird nicht noch mal passieren.“ Textil-, Schuh- und Sporthändler hätten darauf vertraut - und Winterware für hunderte Millionen Euro bestellt, so Ohlmann. Viele Händler äußerten jetzt Verständnis und Respekt für Siebzehnrübls Aktion: „Viele schimpfen über die Politik.“

Siebzehnrübl sagte, der Fachhandel müsse schließen, während Aldi und Lidl Jacken und Sportartikel verkauften. Er sei CSU Mitglied, aber die Politik handle einäugig und ignoriere die langfristigen Zerstörungen. Er wolle am Montag zumindest seine Läden in Rosenheim und Altötting öffnen - ob auch die drei Filialen in Passau und München, kläre er noch mit Blick auf die rechtlichen Konsequenzen. Aus der Bevölkerung bekomme er viel Zuspruch. Händlerkollegen aus anderen Städten hätten sich aus Solidarität für Montag zum Einkaufen bei ihm angekündigt. Bei einer Ladenöffnung im Lockdown droht dem Händler ein Bußgeld von 5000 Euro, im Wiederholungsfall mehr.

Corona-Lockdown wird wohl verlängert: Bayerischer Ladeninhaber will trotzdem aufsperren - „Sind keine Verbrecher“

Erstmeldung vom 5. Januar, 10.46 Uhr: München - Die bevorstehende Verlängerung des Lockdowns bis Ende Januar verschärft die Krise, in der sich der bayerische Einzelhandel befindet. „Wir verlieren 150 Millionen Euro Umsatz pro Tag“, rechnet Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands für Oberbayern, vor. Nach dem Wegbruch des Weihnachtsgeschäfts falle im Januar nun der traditionelle Schlussverkauf aus. „Die Lager sind aber voll“, erklärt Ohlmann. 

Lockdown: Wenn die Läden wiedereröffnen, gibt es eine „Rabattschlacht“

Er rechnet deshalb in den Großstädten mit einer „Rabattschlacht“ nie da gewesenen Ausmaßes. Für den Zeitpunkt, wenn die Geschäfte wieder öffnen können. „Die roten Prozente werden in München in den Schaufenstern leuchten wie nie zuvor.“ Ein Umstand, auf den sich zwar die Kunden freuen können. Für die ohnehin schon gebeutelte Branche bedeute er aber weitere Einbußen. 

Vor allem die Geschäfte in den Bereichen Wintersport, Textil und Schuhe seien mit vollen Lagern in einer schwierigen Situation. Das zeigt auch ein Brandbrief von Brigitte Meier, Inhaberin des Münchner Traditionsgeschäftes Eduard Meier: Darin fordert sie die Politik auf, dass die Läden trotz Pandemie öffnen dürfen.

Lockdown und kein Ende in Sicht: Einzelhändler will am Montag einfach aufsperren

Andere Einzelhändler gehen sogar noch weiter: Udo Siebzehnrübl will etwa seine fünf Intersport-Filialen in Oberbayern am kommenden Montag einfach öffnen. Das erklärt der Inhaber der Sportläden in München, Rosenheim und Altötting in einem Facebook-Video (Urheber: Schmidtvideo). Er schließt sich damit der Bewegung #Wirmachenauf an. Hier tun sich Einzelhändler zusammen und wollen ihre Geschäfte entgegen der rechtlichen Bestimmungen wie ursprünglich geplant am 11. Januar wiedereröffnen. Unter den Unterstützern der Bewegung, die aktuell in den Sozialen Medien stattfindet, finden sich auch Anhänger der „Querdenker“.

Intersport-Ladeninhaber will Corona-Lockdown einfach selbst beenden: „Das Fass ist übergelaufen“

Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr habe sich das Geschäft nach der Wiedereröffnung nur „langsam entwickelt“, das werde auch diesmal der Fall sein. Nachdem der jetzige Lockdown vorüber sei und der Einzelhandel erwiesenermaßen „keine einzige Ansteckung“ zu verzeichnen habe, mache er also am kommenden Montag auf. „Der Einzelhandel ist nicht zur Rettung in der Corona-Pandemie zu benutzen“, fügt Siebzehnrübl an. „Das Fass ist übergelaufen.“

Läden aufsperren trotz Corona-Lockdowns: Es drohen harte Strafen

Am Montag werde er also seine Filialen aufsperren, er sei „gespannt, was rauskommt.“ Es sei ein „Kräftemessen“ zwischen ihm und dem „Staat“ zu erwarten. Er habe allerdings die „breite Unterstützung in der Bevölkerung“, da ist sich der Einzelhändler sicher. Er hoffe auf weitere Kollegen, die mitziehen. Freilich habe man dabei mit „Strafen“ zu rechnen. Konkret müssen Einzelhändler mit Bußgeldern, Gewerbeuntersagungen und sogar Freiheitsstrafen rechnen, wie „Jun Rechtsanwälte - Kanzlei für IT- und Wirtschaftsrecht“ auf Facebook erklären.

Siebzehnrübl will trotzdem konsequent bleiben und sein Vorhaben durchziehen. Er sieht die Gerechtigkeit auf seiner Seite: „Wir sind Einzelhändler, wir sind keine Verbrecher.“

Unterdessen hat sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vor dem Corona-Gipfel mit Kanzlerin Merkel klar zum Lockdown-Ende positioniert. Alle News dazu lesen Sie in unserem Bayern-Ticker zur Corona-Pandemie.

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