Ein Zeichen setzen

„Die Lage ist dramatisch“: Pelzhändler öffnet Laden trotz Lockdown - und nimmt hohe Strafe bewusst in Kauf

Eine hohe Geldbuße muss ein Pelzhändler aus Regensburg nun zahlen, weil er trotz des Lockdowns seinen Laden geöffnet hatte. Zahlen möchte er die Strafe jedoch nicht.

  • Der erneute Corona-Lockdown ist für den Einzelhandel eine Katastrophe.
  • Ein Pelzhändler aus Regensburg öffnete seinen Laden nun trotz Verbot.
  • Er wollte ein Zeichen setzen, so die Begründung - das wird nun teuer.

Update vom 13. Januar, 9.40 Uhr: Trotz des Corona-Lockdowns sperrte ein Regensburger Pelzhändler am Montag seinen Laden auf. Mit dieser Aktion wollte Marcus Müller ein Zeichen setzen - und zwar für die Notlage, in der sich viele Einzelhändler, Gastronomen und andere Berufsgruppen derzeit befinden.

Regensburg: Pelzhändler öffnet trotz Lockdown sein Geschäft - die Strafe will er nicht bezahlen

Das bleibt nicht ohne Folgen. Wegen seiner Protestaktion muss der Pelzhändler jetzt mit einer saftigen Strafe rechnen. Ein mögliches Bußgeld zu bezahlen - daran denkt Müller laut BR jedoch nicht. Im Gegenteil: Er droht damit - wenn nötig - gerichtlich gegen die Strafe vorzugehen.

Welche genaue Strafsumme den Händler erwartet, ist derzeit noch unklar. Wie der BR berichtet, wartet Müller momentan noch auf Post von der Stadt Regensburg. Erst danach wisse er, was auf ihn zukäme, so der Pelzhändler.

Lockdown in Regensburg: Pelzhändler drohen bis zu 5.000 Euro Strafe

Bereits zu Beginn der Woche gab eine Sprecherin der Stadt Regensburg bekannt, dass gegen Müller ein Bußgeldverfahren eingeleitet wird. Ihm drohen bis zu 5.000 Euro Strafe.

Regensburg - Marcus Müller, Pelzhändler mit Laden in Regensburg, ist wie derzeit alle Einzelhändler in Deutschland massiv von dem derzeitigen Lockdown* betroffen. Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres ist er aufgrund von Corona gezwungen, sein Geschäft zugesperrt zu lassen. Genau dieser Regel widersetzte sich Müller am Montag (11. Januar) absichtlich, wie BR24 berichtet.

Pünktlich um 10 Uhr hatte Müller am Montag seinen Pelzladen aufgeschlossen. Er erwarte keinen großen Umsatz, sagte er, sondern er wolle mit der Aktion ein Zeichen setzen, um auf die finanzielle Notlage aufmerksam zu machen, in der sich die meisten Einzelhändler, Wirte, Künstler und sonstigen Berufsgruppen, für die der Lockdown einem Berufsverbot gleichkommt, derzeit befinden. Sollte der Lockdown nicht bald beendet werden, so Müller, stünden viele bald „vor den Scherben ihrer Existenz“.

Regensburg: Pelzhändler öffnet trotz Lockdown seinen Laden - das wird jetzt teuer

Schon kurze Zeit später war das Ordnungsamt Regensburg vor Ort und Müller musste seinen Laden wieder schließen. Die Aktion kostet ihn nun 5000 Euro Strafe. Sollte sich allerdings herausstellen, dass sich in seinem Laden ein Kunde mit Corona infiziert hat, könnte das Bußgeld deutlich höher ausfallen.

Corona: Pelzhändler aus Regensburg öffnet Laden - er will ein Zeichen setzen

Doch Müller hatte das Risiko der Strafe bewusst in Kauf genommen. Zwar finde er es gut und sinnvoll, dass die Regierung nun das sogenannte „Click & Collect“-System erlaube, bei dem die Kunden online bei einem Einzelhändler etwas auswählen und dann auf Bestellung abholen können, doch sei dieses Prinzip eben nicht für jeden Händler praktikabel. So seien seine Pelzmäntel zumeist Maßanfertigungen - Kundenkontakt also unabdingbar.

Corona-Lockdown lässt Regensburger Pelzhändler verzweifeln: „Die Lage ist dramatisch“

Zudem sei der Pelzhandel ein Saisonbetrieb - im Sommer brauchen die Leute keine neuen Mäntel. Durch den Lockdown verliert Müller nun die Möglichkeit, sich bis zur warmen Jahreszeit die dringend benötigte finanzielle Rücklage zu bilden. „Die Lage ist dramatisch“, so Müller laut BR24.

Während der kurzen Öffnungsphase achtete Müller genau auf die Einhaltung seines Hygienekonzepts. Abstand halten, Hände desinfizieren, Maske tragen. Ein Kunde bestätigte gegenüber BR24, dass er sich in dem Laden sicher fühle. Dennoch musste Müller nach wenigen Stunden wieder zusperren. Ob die teure Aktion die gewünschte Wirkung erzielt hat, bleibt abzuwarten. Erst vergangene Woche war der zweite harte Lockdown bis zum 31. Januar verlängert worden. Ob bis dahin allerdings die von der Bundesregierung angestrebte Ziel-Inzidenz an Neuinfektionen erreicht ist, bleibt fraglich. Müller selbst bereut seine Aktion derweil nicht. „Schlimmer als die Existenz zu verlieren*, kann es ja nicht sein“, so das bittere Fazit des Pelzhändlers.

Seit Montag (11. Januar) gelten in Bayern neue Corona-Regeln - darunter auch der 15-Kilometer-Bewegungsradius für Bewohner von Hotspots. Alles, was Sie zusätzlich zur Corona-Lage in Bayern wissen müssen, finden Sie in unserem News-Ticker. Ministerpräsident Markus Söder warnte derweil einmal mehr vor der dramatischen Corona-Lage in Deutschland. kah *Merkur.de und tz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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