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Debatte über Übertrittszeugnisse für Viertklässler

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Übertrittszeugnisse für Viertklässler
Schüler und Schülerinnen einer vierten Klasse sitzen in einem Klassenraum. © Peter Kneffel/dpa/Archiv

Für die Viertklässler im Freistaat ist am Montag ein besonderer Tag: Sie bekommen ihre Übertrittszeugnisse. Für die meisten steht damit fest, in welcher Schulart es weitergeht. Das werde derart jungen Kindern aber nicht gerecht, bemängelt der größte Lehrerverband BLLV.

München - Die Viertklässler im Freistaat erhalten am Montag ihre Übertrittszeugnisse mit der Schullaufbahnempfehlung - und wie in jedem Jahr ist zuverlässig eine Debatte über die Sinnhaftigkeit dieser Vorgabe entbrannt. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) etwa, der vor allem Lehrkräfte der Grund- und Mittelschule vertritt, sieht die individuelle Förderung sowie die Chancen- und Bildungsgleichheit im aktuellen System nicht gegeben - unabhängig von den hinzugekommenen und sehr unterschiedlich ausfallenden Folgen der Corona-Pandemie.

In Bayern basiert die Übertrittsempfehlung für die Realschule oder das Gymnasium auf dem Durchschnitt der Noten in den drei Fächern Deutsch, Mathematik sowie Heimat- und Sachunterricht. „Die Stellen nach dem Komma entscheiden heute in Bayern erstmal über den weiteren schulischen Weg eines neun- oder zehnjährigen Kindes. Dieses Prinzip widerspricht einem modernen Menschenbild, der kindgerechten Ermöglichung von Bildungs- und Lebenschancen ebenso wie den Prinzipien einer individuellen Sicht auf die Lernprozesse von Schülerinnen und Schülern“, kritisierte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann.

Sie plädiert deshalb dafür, den Eltern stärker die Entscheidung zu überlassen, schließlich bildeten drei Noten nicht das Können oder das Potenzial der Kinder als Ganzes mit all ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten ab. Der Vorsitzende des bayerischen Realschullehrerverbands hingegen, Jürgen Böhm, forderte: „Mit dieser ideologisch aufgeladenen Diskussion zur Sinnhaftigkeit des Übertritts an weiterführende Schulen muss endlich Schluss sein!“ Die Kritik am Übertrittsverfahren gehe völlig an der Realität vorbei.

„Die Schule darf kein „Pseudo-Schonraum“ unter Laborbedingungen sein, in dem Leistung und Notengebung immer nur mit Druck und Stress gleichgesetzt werden“, argumentierte Böhm. Wichtig sei es, dass die Kinder nicht durch eine falsche Schulwahl überfordert, sondern entsprechend ihrer individuellen Begabungen gefördert würden. dpa

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