Der Bulle auf dem Hügel

Stier Egon flüchtet vor der Flut

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Bulle Egon harrte vier Tage lang auf dem Schutthügel aus, die Soldaten waren sich einig: "Er muss überleben"

Deggendorf - Stier Egon war wegen des Hochwassers mit über hundert anderen Tieren im Stall eines Bullenmästers in Altholz bei Deggendorf gefangen. Er schwamm um sein Leben.

Er ist einer der wenigen Überlebenden eines Tierdramas, und er überlebte nur, weil ihm die Flucht vor der Flut aus eigenem Antrieb gelang. Stier Egon war mit über hundert anderen Tieren im Stall eines Bullenmästers in Altholz bei Deggendorf gefangen. Das Wasser stieg langsam an. Die Bullen, die ahnten, was ihnen bevorstand, brüllten voller Verzweiflung. Das Landratsamt musste eine schreckliche Entscheidung treffen: Gnadenschuss. Die Alternative wäre qualvolles Ertrinken der Tiere gewesen.

Doch einer wollte nicht sterben. „Einem rund zwei Jahre alten Stier gelang die Flucht aus dem Stall. Er schwamm auf einen Schutthügel, der ein wenig aus dem Wasser ragte“, erzählt Tierretter Michael Aufhauser vom Gut Aiderbichl.

Der Bulle auf dem Hügel – er gab sowohl ein herzzerreißendes als auch hoffnungsvolles Bild ab. Und die an der Stelle im Einsatz befindlichen Männer vom Gebirgspionierbataillon 8 (Ingolstadt) baten sehnlichst darum, den 600 Kilo schweren Egon am Leben zu lassen.

Mittwoch, 5. Juni:

Um dem Bullen – der den Namen Egon bekam – tatsächlich helfen zu können, stand das Wasser noch zu hoch. Und es galt zu diesem Zeitpunkt erst Menschen in Sicherheit zu bringen. Doch hieß es andererseits unter den Soldaten: „Egon darf nicht sterben!“

Freitag, 7. Juni:

Egon harrte auf seinem Haufen aus, der Amtstierarzt informierte nun Gut Aiderbichl. Das Team versorgte von da an den Bullen mit Trinkwasser und Heu. Für die erschöpften Pioniere in der Nähe bedeutete dies: endlich ein Lichtblick in der Katastrophe! Denn zur Aufgabe der Pioniere gehörte es auch, die Kadaver der erschossenen Bullen an Land zu bringen.

Samstag, 8. Juni:

Am Nachmittag erhielt Aiderbichl die Genehmigung, Egon bergen zu dürfen. Das bekamen auch die Soldaten mit. „Mit großer Erleichterung und Freude nahmen sie die gute Nachricht auf“, berichtet Michael Aufhauser. Einer der Pioniere habe gemeint: „Wir hätten Egon auch herausgetragen, wenn es notwendig gewesen wäre.“ Soldaten und ein Aiderbichl-Team fuhren zu dem Erdhaufen. Egon wurde auf einen Anhänger verladen, dies war jetzt möglich, weil die Pegel sanken. Hauptfeldwebel Tobias Müller, der die Bergung begleitete: „Wir sind dankbar, dass wenigstens Egon überleben durfte.“ Derzeit erholt sich der Stier von seiner Robinsonade, überm Berg ist er noch nicht – Egon hat Fieber.

tz

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