Behandlungsfehler? Deggendorfer klagt an

"Ärzte sind schuld am Tod meiner Frau"

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Ralf M. am Dienstag vor dem Oberlandesgericht – er klagt auf Schmerzensgeld.

München - Seine Frau Elena (alle Namen geändert) war sein Ein und Alles. Als sie starb, brach für Ralf M. eine Welt zusammen. Denn er glaubt fest daran, dass Ärzte seine Frau falsch behandelt – und so ihren Tod verursacht haben.

„Seit neun Jahren warte ich auf Gerechtigkeit“, sagt er. Gestern begann ein erneutes Kapitel für ihn: Seine Klage gegen zwei bayerische Kliniken und einen Rettungsdienst wurde vor dem Oberlandesgericht verhandelt. Dort fordert Ralf M. Schmerzensgeld. Der Streitwert liegt bei 673.000 Euro.

Die Geschichte hinter dem Prozess ist unfassbar tragisch: Elena M. war am 3. Februar 2006 unglücklich beim Schneeräumen gestürzt. Es ist der Auftakt zu einer langen Leidensgeschichte! Denn in den Tagen nach dem Sturz hat sie Kopfschmerzen und äußert Unwohlsein. Als es ihr immer schlechter geht, wählt sie den Notruf. Was dann folgt, kann Ralf M. bis heute nicht fassen! Denn seine Frau muss einen Behandlungsmarathon mitmachen, von dem sie sich nie wieder erholte

Elena M. als schwer kranke Patientin in der Klinik.

Nach ihrem Notruf verständigt die Freyunger Polizei bereits um 5.50 Uhr die Rettungsleitstelle. Um 6.09 Uhr trifft ein Sanka bei Elena M. ein, der sie zunächst in die Klinik des Landkreises Freyung-Grafenau fährt. Ihr Schädel kann dort aber nicht untersucht werden, da kein Computertomograf zur Verfügung steht. Die erkrankte Frau wird erneut verlegt – dieses Mal ins Bezirksklinikum Mainkofen, wo sie um 10.53 Uhr ankommt. Ein Psychiater überweist sie in die neurologische Abteilung. Dort wird eine Hirnblutung festgestellt, es droht Lebensgefahr! Aber wieder muss die Patientin verlegt werden, diesmal ins Klinikum Deggendorf. Von 16.35 Uhr bis 21.46 wird sie dort notoperiert, um ein Aneurysma im Hirn abzuklemmen. Elena M. erleidet mehrere Schlaganfälle und muss weitere Male operiert werden. Die schlimme Folge: Sie wird zum Pflegefall und ist kaum noch ansprechbar!

„Es ist so schlimm, weil es vermeidbar gewesen wäre“, sagt Ralf M. Er beklagt einen Verstoß gegen rettungsdienstliche Standards sowie eine unzureichende Befunderhebung nach dem Notruf. „Außerdem wurde viel zu spät die richtige Diagnose gestellt.“ Auch die erforderlichen medizinischen Maßnahmen seien zu spät getroffen worden. „Aus unserer Sicht liegt ein klarer Behandlungsfehler vor“, sagt sein Anwalt Marcel Vachek. Die Kliniken streiten das ab.

Tatsache ist aber: Vier Monate nach dem Unfall kommt Elena M. in die Reha. Nach weiteren OPs erleidet sie eine Blutvergiftung – ihre rechte Gehirnhälfte stirbt ab. Im Herbst 2006 muss sie ins Pflegeheim, wo sie am 12. Mai 2012 verstirbt.

Das Landgericht Passau hatte Ralf M. 2013 bereits 5000 Euro zugesprochen. Er legte Berufung ein – und lehnte einen Vergleich über 77.000 Euro ab. Das OLG fällte gestern noch kein Urteil. Der Prozess dauert an.

Andreas Thieme

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